Back on the road

7 04 2011

So, liebe Leser, als allererstes ist wohl eine Entschuldigung fällig. Hab ich es doch tatsächlich nicht fertig gebracht, die letzten zwei Wochen meiner letztjährigen Reise hier zu beschreiben. Dies nun nachzuholen hat wohl keinen Sinn mehr, aber Istanbul war schoen, Thessaloniki weniger, Skopje war sehr schoen und Budva hat sich seit meinem letzten Besuch anno 2007 kein bisschen verändert, genauso wie Split. Ja, das wärs in etwa.

Nachdem ich nun ganze sieben Monate zuhause der alltäglichen Pflicht nachging, war es nun wirklich wieder an der Zeit aufzubrechen. Wie bereits im selben Monat des letzten Jahres hiess es „ab nach Suedamerika“. Lange hab ich mir ueberlegt, welche Route ich zusammenstellen soll, was man noch sehen muss (ganz vieles) und welche dieser Ziele bereits 2011 in Angriff genommen werden sollten – der Rest folgt dann die nächsten Jahre.

Die Wahl fiel schliesslich auf Kolumbien und Ecuador. In diesen Ländern werde ich 13 Tage verbringen, bevor ich mich ins Land des stimmungsvollen Fussballs und der grossen Steaks aufmache, wo ich mich mit Mäli treffe und mit ihm weitere 11 Tage planlos im Zeugs umherirren werde.

Bereits fruehmorgens ging es am Samstag los. Der Zug zum Flughafen verliess Luzern bereits um 4.55 Uhr, welch Glueck wenn man in der Stadt wohnt und sogar zu dieser Zeit Anschluss mit den oeffentlichen Verkehrsmitteln hat. Mit dem 4.45-Bus ging es zum Bahnhof, Zug und Flug wurden problemlos erreicht und schlappe 17 Stunden später landete ich in Bogota, der Hauptstadt Kolumbiens.

Da meine Zeit in den beiden Ländern wie oben beschrieben arg begrenzt ist, war fuer Bogota nur das absolute Minimum eingeplant. Nach meiner Ankunft am Samstag Nachmittag wollte ich eigentlich noch fuer einen kleinen Bummel in die Altstadt, doch der lange Tag machte sich bemerkbar und fuer mich war schon frueh Schluss. Umso frueher ging die Reise am Sonntag los. Mein Ziel war der Cerro Monserrate. Der Berg liegt ca. 3150 Meter ueber Meer und damit gut 500 Meter oberhalb Bogotas, was bedeutet, dass man einen wunderbaren Ueberblick ueber die 8-Millionen-Stadt geniessen kann. Hinauf geht’s per Zahnradbahn oder Luftseilbahn, wobei ich mich aufgrund der kuerzeren Schlange fuer ersteres entschied. Oben setzte dann der Wow-Effekt ein. Dies war weniger der Kirche zu verdanken, welche sich ebenfalls dort befindet, denn der wirklich sagenhaften Aussicht ueber ein Häusermeer, welches ich in vergleichbarer Art noch nie gesehen habe. Nach diesem imposanten Ereignis ging es mit der Luftseilbahn zurueck. Diese hat von aussen einen wenig sicheren Eindruck gemacht, als ich aber im Innern das Schild „Stans Seilbahn-Steuerungen“ mit einer Telefonnummer, welche offensichtlich nach Nidwalden gehoerte, entdeckte, waren alle Bedenken verfolgen. Ein Gruss hiermit an das Elektroinstallationsgeschaeft Frey in Stans, die Seilbahnsteuerung hat funktioniert. Wieder unten begab ich mich noch auf eine kleine Taxi-Rundfahrt durch die Stadt, bevor ein weiteres Highlight auf mich wartete. Den Bericht dazu gibt’s in Bälde unter der Rubrik Spielberichte.

Der Abend verfloss im ungeheurlichen Sommergewitter und am nächsten Morgen ging es bereits in aller Fruehe weiter zu meinem nächsten Ziel, Cartagena de Indias. Die fuenftgroesste Stadt Kolumbiens liegt an der Karibikkueste und gilt gemeinhin als die mit Abstand schoenste Stadt des Landes, in teils Uebertreibungen (wie ich sie ja gerne verwende) sogar als schoenste Stadt Suedamerikas. Bei schoenstem Wetter und 32 Grad machte ich mich auf zur Stadterkundung und diese Altstadt wurde meinen Erwartungen absolut gerecht. Typisch karibisches Flair mischt sich mit jahrhundertealten Gebäuden in Farben, wie ich sie bisher lediglich in Oranjestad und Willemstad sehen konnte. Die Stadt mit seinen engen Gässchen und riesigen Plätzen ist wohl am ehesten mit Dubrovnik in Farbe zu vergleichen. Wer schon mal dort war, weiss was ich meine.

Auch die Leute, welche die typisch kolumbianischen Berufe (denk ich zumindest) wie Handyverleiher oder Schreibmaschinenschreiber ausueben, sind ganz lustig zu beobachten. Ersteres findet man an jeder Strassenecke. Da Mobiltelefonverträge anscheinend teuer sind, haben viele Kolumbianer kein eigenes Telefon sondern leihen sich eines bei den Typen oder Frauen an der Ecke, welche mit bis zu zehn Telefonen (wohl fuer jeden Anbieter eines), welche sie sich angekettet haben, auf Kundschaft warten. Eine Minute kostet 5-10 Rappen und bei fast jedem dieser Menschen, von denen es Dutzende gibt, ist die ganze Zeit eines der Telefone besetzt. Eine Marktluecke fuer die Schweiz? Wuerde vielleicht sogar besser rentieren als ein afrikanisches Restaurant.*hust* Die Schreibmaschinenschreiber wiederum sitzen an den grossen Plätzen mit ihren uralten Maschinen, und wer zu faul ist, einen Brief von Hand zu schreiben, kann dort seine Vokabeln gegen ein kleines Entgelt diktieren. Dieser Dienst wird meist von älteren Leuten benutzt und ist ebenfalls ein Renner!

Nachdem ich so, und durch den Umstand, dass meine Unterkunft mitten in einer lebhaften Wohngegend, wo von morgens bis abends der Teufel los ist, liegt, einige Eindruecke des echten kolumbianischen Lebens mitnehmen konnte, ging´s am Mittwoch dann ins Karibische Meer hinaus zu den Islas del Rosario. Diese knapp 30 Inseln liegen ein paar Kilometer vor der Kueste Cartagenas und sind teilweise so winzig, dass genau ein Haus Platz hat. Naja, wer hier wohnen will… Ansonsten waren die Inseln ein wenig enttäuschend. Ich setzte nun meine ganze Hoffnung in den Playa Blanca auf der Isla Baru, welcher auf der Rueckfahrt besucht wurde. Dieser Strand war zwar ganz nett, aber wurde dann doch etwas zu hoch angepriesen. Oder ist man einfach nur verwoehnt, wenn man bereits Strände wie die auf Antigua oder Aruba kennt? Duerfte wohl eher der Fall sein, denn betrachtet man die Bilder im Internet, sieht dieser Strand eigentlich wirklich sehr schoen aus. Das Wasser auf jeden Fall hatte wieder diese unbeschreibliche Farbe, wie sie halt nur in der Karibik vorkommen kann. Immerhin.

Nun geniesse ich die letzten Sonnenstrahlen hier in Kolumbien, bevor es fuer mich heute Abend weitergeht nach Quito. Auch dort hab ich das eine oder andere geplant und ich probiere euch auf dem Laufenden zu halten.

Hasta luego (oder so)



Neuheit! Sensation! Der erste Gastbeitrag im undtschuess-Blog

19 08 2010

Da das Abenteuer „FCL im Europacup“ wie erwartet nach zwei Spielen ein Ende fand, konnte die letzte Reise bereits am Donnerstagabend in Angriff genommen werden. Unter dem Motto „Kultur und Fussball“ führt uns die Reise per Zug nach Osteuropa. Richtig, uns. Für diese drei Wochen sollten mich Kurt* und Lutz* (*Namen aus Persönlichkeitsschutz geändert) begleiten. Sollten. Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Da Lutz wichtige schreiberische Aktivitäten zu erledigen hatte, wurde die erste Teilstrecke (Zürich-Wien-Brno-Trencin-Graz) zu zweit bereist. In Graz, wo das Hammerspiel Sturm Graz – Rapid Wien auf dem Programm stand, sollte Lutz zu uns stossen und Kurt musste leider kurzfristig für einen Zwischenstopp nach Hause. Da Lutz mit der Pünktlichkeit bekanntermassen auf dem Kriegsfuss steht (wer verpasst schon ZWEIMAL einen Zug innert 12 Stunden?), suchten wir in Graz vergebens nach ihm und als Dank durfte ich nach dem Spiel auch noch alleine zurück nach Wien reisen, da für ihn keine Verbindung nach Graz mehr bestand. Toller Auftakt. Als Folge dieses DFP (doppelten Faux-Pas, steht wahlweise auch für „dummer Follpfosten“), brummte ich dem Herrn Lutz eine Strafe von mindestens einem Blogeintrag auf. Here we go:

Gut, Dummheit soll ja bestraft werden. Deshalb habe ich das Spiel in Graz halt verpasst. Zu meiner Entschuldigung aber eine kurze Schilderung der Vorkomnisse zwischen Samstag, 07. August, 07.00 Uhr und Sonntag 12.29 Uhr: Vor der Reise musste noch Vieles erledigt werden und da war noch dieses Fussballturnier in Littau. Naja, viel Sonne, viel Fussball, viele Getränke, ein geschwollener Fuss und ein Schlüssel, der nicht zum Schliessfach passte, liessen mich den ersten Zug am Samstagabend in Luzern verpassen. Recherchen ergaben, dass die nächste Verbindung erst am Sonntag um 06.36 Uhr ab Giswil bestand. Genug Zeit fürs Töff Treff, zu wenig Zeit zum Schlafen. Danke Mama fürs Wecken um 09.00 Uhr. Ich nahm dann den Zug um 12.29 Uhr, der mich aber nur nach Wien brachte. So musste der Besitzer dieses Blogs von Graz wieder nach Wien, wo er auch das Hotel nicht auf Anhieb fand. Gute Stimmung ist anders.

Am Montagmorgen ging es dann via Budapest Kelenföld mit dem Zug nach Sarajevo. Die Reise dauerte geschlagene 15 Stunden. Der Abstecher nach Sarajevo hat sich aber definitiv gelohnt. Zum einen konnten wir auf der Zugfahrt die Landschaft geniessen, die neben vielen Hügeln auch wunderschöne Moscheen und Kirchen (ärnscht) beherbergt. Zum anderen war da die Hauptstadt Bosnien und Herzegowinas, die ja bekanntlich in den 90er Jahren schwere Zeiten durchmachen musste. Die Kriegszeit ist noch allgegenwärtig. Überall sieht man Häuser mit Einschlusslöchern oder solche, die schlicht noch nicht wieder aufgebaut oder renoviert wurden. Ansonsten war die Innenstadt genau nach unserem Geschmack. Kleine, enge Gassen mit traditionellen Häusern, vielen Cafés und Restaurants wechselten sich mit modernen und eher gehobenen Strassen ab. Die Mischung wirkte zuweilen ein wenig bizarr, wir fühlten uns aber zu jeder Zeit wohl. Auch bezüglich Sicherheit kann man sich in Sarajevo problemlos bewegen. Am Dienstagabend wurde dann noch das Länderspiel Bosnien und Herzegowina gegen Katar (1:1) besucht. Leider in unterschiedlichen Sektoren. Mehr dazu im Spielbericht (jaja, der folgt dann noch, Anm. der Redaktion).

Bereits am Mittwoch ging es weiter nach Belgrad. Unser Zug fuhr übrigens fünf Minuten früher als geplant. Pünktlichkeit auf bosnisch. Unterwegs lernten wir noch zwei Australier kennen, die während drei Monaten ganz Europa bereisen. Als wir in Strizivojna-Vrpolje (kult) umsteigen mussten, kam zu unserer Überraschung ein Zug mit SBB-Wagen angerollt. Die Augustausgabe vom „via“ wurde von Philipp intensiv studiert. Die serbische Hauptstadt Belgrad ist nicht gerade bekannt für seine Schönheit, so begnügten wir uns mit einer Nacht und dem Länderspiel Serbien gegen Griechenland (0:1). Am Donnerstag bestiegen wir den Nachtzug Richtung Bukarest. Schon mal über die alten Zentralbahnwagen geflucht? Reinster Luxus im Vergleich mit diesem Zug. Gefühlte 50 Grad, schmutziges Abteil, stinkige Gänge, enormer Lärm und einfach alt und heruntergekommen. Laut Philipp einfach grusig. Dazu noch die üblen Gestalten, die im Nachbarabteil mitten in der Nacht mit Bohrer, Hammer und Klebeband irgendwelche komischen Sachen machten. Von Bukarest ging es dann direkt weiter nach Brasov, eine kleine, deutschgeprägte Stadt, die sich auch Kronstadt nennt. Brasov liegt im Herzen Rumäniens und ist die bekannteste Stadt Transsilvaniens. Dracula haben wir nicht gesehen, dafür eine wunderschöne Altstadt und eine herrliche Aussicht von einem nahegelegenen Hügel. Brasov nennt sich auch „probably the best city in the world“ als Anlehnung als einen Bierwerbespruch und hat so ein Teil auf dem Hügel analog zum Hollywood-Schriftzug. Eine Nacht schlief Philipp am Boden. Nach zwei Tagen und vergleichsweise kleiner Verspätung (2 Stunden) erreichten wir am Sonntagnachmittag die rumänische Hauptstadt Bukarest, wo wir als erstes das Stadt-Derby zwischen Dinamo und Rapid (3:2) besuchten. Nettes Spiel. Der Montag stand dann im Zeichen von Sightseeing. Da es hier fast nichts zu sehen gibt, beschränkten wir uns auf ein gutes Essen in der Innenstadt und einen kleinen Spaziergang. Am Abend dann noch das Spiel Steaua gegen Victoria Branesti (2:1). Dank dem tollen Ticketsystem wurden leider nicht alle Tore gesehen. Dafür entschädigte uns der Taxifahrer nach dem Spiel mit einer Fahrt rund um den Parlamentspalast, den der ehemalige Diktator Nicolae Ceausescu in den 1980er errichten liess. Das zweitgrösste Gebäude der Welt, nach dem US-Pentagon, ist einfach gigantisch und im Scheinwerferlicht atemberaubend. Philipp schläft heute im Bett, morgen Dienstag gehts mit dem Flugzeug nach Istanbul.



Hektik und Ruhe

5 08 2010

Nach der kurzen Zeit in Singapur ging es für mich am Freitag Morgen bereits weiter in mein nächstes Land. Das Ziel hiess Preah Réachéanachâkr Kâmpuchéa, zu deutsch Königreich Kambodscha. Für Touristen sind vor allem die riesigen Tempelanlagen in der Region Angkor im Norden des Landes von Bedeutung. Mit Angkor Wat steht dort auch die grösste Tempelanlage der Welt. Lange habe ich mir überlegt, ob ich diese Tempel ebenfalls besichtigen soll, habe mich schlussendlich aber dafür entschieden, meine Zeit in Kambodscha für die Hauptstadt Phnom Penh zu nutzen.

Phnom Penh ist mehr als zwei Millionen Einwohner die mit Abstand bevölkerungsreichste Stadt des Landes. Bereits bei der kurzen Fahrt vom Flughafen zum Hotel gewann ich erste Eindrücke vom turbulenten Leben in der Stadt. Vor allem ausserhalb des Stadtzentrums wurde mir hier auch schon das erste Mal die Armut vor Augen geführt. Kambodscha ist eines der zehn asiatischen Länder, welches zu den sogenannten Viert-Welt-Ländern gezählt wird.

Im Hotel angekommen war von alledem nichts mehr zu spüren. Obwohl in einer nicht ganz angenehmen Ecke gelegen, war das Hotel Luxus pur und die Angestellten waren so freundlich, dass die mürrischen Hotelangestellten von Singapur gleich wieder vergessen waren. Sogar das Internet im Zimmer funktionierte ohne Bedenken, was wichtig war, da die Auslosung des Jahrhunderts an diesem Tag stattfinden würde. Aufgrund dieser Auslosung und der allgemeinen Müdigkeit (Tagwache morgens um fünf) wurde das Hotelzimmer nur noch zwecks Nahrungsaufnahme verlassen.

Am zweiten Tag folgte dann eine erste Erkundung des Stadtzentrums, welches sich am Ufer des Tonle Sap entlangzieht. Bei den vielen französischen Cafés und Restaurants merkt man schnell, dass Kambodscha eine Geschichte als französische Kolonie aufweisen kann. Ansonsten fiel vor allem die grosse Hektik sowie der Verkehr auf. Schätzungen zufolge gibt es in der Stadt Phnom Penh gegen eine Million Mofas und Motorräder und die scheinen alle gleichzeitig auf den Strassen zu sein. Hektischer gehts nicht mehr. Ich hielt mich da als Fortbewegungsmittel lieber ans Tuk-Tuk, einer Art Motorrad mit einem Anhänger, welcher mit Sitzbänken ausgestattet ist und so Personen befördern kann. Diese Tuk-Tuks dienen in Phnom Penh als Taxis und für 1-2 USD kann man sich an jeden beliebigen Punkt befördern lassen. Dies ist zwar die teurere, aber weitaus die gemütlichere Variante als die ebenfalls zahlreich vorhandenen Motorradtaxis. Kaum sitzt man hinten auf der 125ccm-Maschine (natürlich ohne Helm) schlängelt sich der Fahrer durch den Verkehr als gäbe es kein Morgen. Mir war also auch schon wohler.

Nachdem man den Sonntag eher gemütlich verbrachte und auch mal den Swimming-Pool im Hotel testete, war der letzte Tag noch einmal für Sightseeing reserviert. Nach einem langen Frühstück am üppigen Buffet, mietete ich mir einen Tuk-Tuk-Fahrer, welcher mich von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit brachte. Leider war der imposante Königspalast über die Mittagszeit geschlossen und ich ärgerte mich, dass ich mich nicht früher aus dem Bett zwingen konnte. Zum Abschluss stand dann das traurige Highlight, der Besuch des Tuol-Sleng-Museums, auf dem Programm. Dieses Museum erinnert an die dunkelsten Jahre der kambodschanischen Geschichte, welche erst drei Jahrzehnte zurückliegen. Während der Jahre 1975-1978 war in Kambodscha die kommunistische Guerillabewegung „Khmer Rouge“ an der Macht. Deren Ziel war die Errichtung eines kommunistischen Bauernstaates und die Ausrottung aller Städte. Die Einwohner von Phnom Penh wurden aufs Land deportiert und binnen weniger Wochen sank die Bevölkerung von Phnom Penh von 2 Millionen auf 20’000 Einwohner. Da Religionen verboten wurden, mussten auch Kirchen, Moscheen sowie buddhistische Klöster zerstört werden. Menschen der gehobeneren Klasse waren nicht erwünscht, wer gemäss dem Regime dazu gehörte, wurde umgebracht. In den vier Jahren fanden total gegen zwei Millionen Menschen den Tod in Kambodscha – eine unglaubliche Zahl. Das von mir besuchte Museum war das einst grösste „Gefängnis“ zu Khmer-Rouge-Zeiten und zeigt heute noch die Fotos von Hunderten Gefangenen, einige lebendig, andere leider nicht mehr.

Nach diesem Schock zum Abschluss ging es zum Flughafen, von wo mich die Maschine der Vietnam Airlines in die nächste asiatische Hauptstadt beförderte, nach Vientiane in der Demokratischen Volksrepublik Laos. Nach der Ankunft gleich der nächste Schock. Wie bereits in Kambodscha wollte ich bei der Ankunft beim Flughafen gleich ein Visum erwerben, was eigentlich problemlos möglich sein sollte. Da ich im Einreiseformulare ausfüllen inzwischen ziemlich erprobt war, befand ich mich als Erster bei der „visa on arrival“-Stelle. Mein Antrag wurde kurz  begutachtet, um mir dann mitzuteilen, dass man mir kein Visum ausstellen könne. Auf genauere Nachfrage hiess es, dass man Schweizern kein Visum ausstellen könne. Das war so ziemlich das Dümmste, was mir passieren konnte. Nach meinen fragenden Blicken (die Englisch-Kommunikation funktionierte nicht so ganz), meinte der Zöllner nur, dass ich nun endlich zur Passkontrolle weitergehen solle. Nun habe auch ich verstanden: Klein Philipp braucht gar kein Visum für Laos. Umso besser, 35 US-Dollar gespart und ein grosses Aufschnaufen.

Vientiane war eigentlich das pure Gegenteil von Phnom Penh. Klein, gemütlich, ruhig und äusserst wenig Verkehr. Genau richtig zum Abschalten. Ursprünglich wollte ich noch einen oder zwei Tagesausflüge ins Umland unternehmen. Da es aber die meiste Zeit richtig stark regnete und ich dafür nicht ganz richtig ausgerüstet war, verzichtete ich schlussendlich auf Wasserfälle und Elefantencamps. Irgendwie schade, aber ich mochte es einfach, in Vientiane von Café zu Café zu schlendern, Zeitung zu lesen, Tempel anzuschauen und auszuruhen. Auch Laos gehört wie Kambodscha zu den ärmsten Ländern in Asien, nur ist dies in der Hauptstadt überhaupt nicht zu spüren. Im Zentrum tummeln sich vor allem die reicheren Laoten sowie Touristen auf der Durchreise und trotzdem ist das Ganze irgendwie authentisch. Die Ruhe war das pure Gegenteil von Phnom Penh. Mir gefiel es jedenfalls so sehr, dass ich meine Abreise nach Thailand um einen Tag nach hinten schob.

Die Weiterreise erfolgte dann mit dem Zug mit einer ziemlich spektakulären Reiseroute. Von Vientiane ging es zuerst per Kleinbus (wir quetschten uns zu sechst vorne rein) an den nächst gelegenen Bahnhof, wo alle Formalitäten auf laotischer Seite erledigt wurden. Nach mehr als einer Stunde Wartezeit ging es mit dem wohl lautesten Zug, den es gibt, über die „Freundschaftsbrücke“, welche eigentlich für den Strassenverkehr gedacht ist, aber jeweils für diesen gesperrt wird, wenn ein Zug die Brücke überqueren muss, ins 10 Fahrminuten entfernte Nong Khai auf der thailändischen Seite der Brücke. Dort wurden die thailändischen Formalitäten erledigt und das Bett im 1.-Klass-Schlafabteil bezogen. Nach einer weiteren Stunde Wartezeit fuhr dann der Zug los Richtung Bangkok. Erfreulicherweise gesellte sich niemand sonst zu mir ins Abteil und ich hatte das 2er-Abteil die ganze Nacht für mich allein.

In Bangkok angekommen, musste ich mir zuerst einen Weg durch die Menge wartender Taxifahrer bahnen. Irgendeiner schaffte es dann doch, mich zu überreden, dass er mich zu meinem Hotel bringen dürfe. Für umgerechnet 5 Franken – wohl ein Mehrfaches des normalen Preises – sagte ich zu. Bei seinen Kollegen angekommen, zwinkerte er mir zu und sagte, ich solle einfach mitspielen. Mitspielen bei was? In viel lauterem Ton sagte er dann:  „Also, Adresse xy, ja, ok, 30 Franken!“ Die anderen Taxifahrer schauten verdutzt und schüttelten den Kopf. Er fuhr mit seinem Tuk-Tuk (eigentlich dachte ich, er hätte ein normales Taxi) los und lachte sich die Seele aus dem Leib. Nach 50 Metern schon der erste Stopp und ich musste ihm nochmals die Adresse zeigen, damit er jemanden fragen konnte, wo er hin muss. Erneut sagte er sehr laut, dass die Fahrt 30 Franken koste und liess einen kopfschüttelnden Taxikollegen zurück. Nach dem vierten Mal nach dem Weg fragen, wusste er anscheinend wohin und die wohl halsbrecherischste Fahrt seit Chisinau hatte begonnen. Voller Angst klammerte ich mich an die seitlichen Lehnen, währenddem der Fahrer die Fahrt sichtlich genoss. Ein Erlebnis der Sonderklasse. Schlussendlich war ich froh, heil angekommen zu sein und dass ich lediglich die fünf Franken zahlen musste. Insgeheim dachte ich, dass der Typ mich irgendwie abzocken will. Nix wars. Vorerst. Als nächstes hatte ich nämlich nach der 12-Stunden-Nachtzug-Fahrt ziemlichen Hunger. In meinem Hotel gab es jedoch nur Mittagsmenüs, welche aber für umgerechnet 4-6 Franken äusserst billig waren. Wohlgemerkt in einem *****-Hotel. Da es erst acht uhr morgens war, wollte ich jedoch lieber ein Frühstück. An der Reception nachgefragt teilte man mir mit, dass es gleich vis-a-vis ein anderes *****-Hotel gäbe, welches auch für Nicht-Gäste Frühstück anbieten würde. Ich begab mich dorthin und stand kurze Zeit später am wohl reichhaltigsten Frühstücksbuffet, welches ich je gesehen habe. Schnell gezählt kam ich auf 75 verschiedene Speisen, von denen ich ca. die Hälfte trotz englischer Beschriftung nicht zuordnen konnte. Zu meinem Entsetzen fehlte auch noch der gebratene Speck. Dieses Entsetzen wich jedoch als ich den abgesonderten Schweinefleisch-Ecken entdeckte. Einiges besser als diese hässliche chinesische Entenwurst, welche ich bereits auf den Teller geladen hatte. Ich erfreute mich an diesem herrlichen Buffet und die Inhaber erfreuten sich wohl an diesem dämlichen Gast aus Westeuropa, welcher sich nicht nach dem Preis erkundigt hatte. Knapp 30 Franken kostete der Spass. Nicht, dass dies viel wäre für ein Frühstücksbuffet, aber wenn man den Preis als „5-10 durchschnittliche Mittagessen“ bezeichnet, na dann ist es nicht mehr billig.

Der Ärger währte kurz, was soll’s? Der Rest des Tages wurde dann mit Fussball verbracht, ehe ich mich am Montag, meinem letzten Tag in Südostasien nochmals ins Zentrum von Bangkok begab. Ziel war ein grosses Einkaufszentrum, welches aber anscheinend bei den politischen Unruhen vor einigen Monaten ziemlich heftig zerstört wurde. Darum war das Zentrum leider geschlossen. Zum Abschluss besichtigte ich noch einen der grössten Tempel Thailands, den Wat Phra Chettuphon Wimon Mangkhalaram Ratchawhoramahawihan (kein Gewähr für fehlerlose Schreibweise). Dort befindet sich auch die grösste liegende Buddha-Statue der Welt mit einer Länge von 46 Metern und einer Höhe von 15 Metern. Ein netter Abschluss für meinen Kurztrip.

Schlussendlich war es schade, dass ich in Bangkok nur so wenig Zeit zur Verfügung hatte. Denn der erste Eindruck der Stadt war gewaltig und um einiges positiver als erwartet. Aber da ich wusste, was mich daheim erwartet, fiel der Abschied dann doch nicht ganz so schwer. Umso mehr, als ich die Titelseite der Zeitung betrachtete, welche ich im Flugzeug erhielt. Vor dem Café, welches ich neben dem geschlossenen Einkaufszentrum besuchte, hatte es am Vortag einen tödlichen Bombenanschlag gegeben. Zum Glück war ich heute dort…



Kurztrip nach Südostasien

20 07 2010

Verehrte Leser des Blogs, hier bin ich wieder. Zurück in alter Frische. Wie einige von euch schnell bemerkten, habe ich meinen letzten Artikel in Malaysia geschrieben. Dass ich mich in dieses Land begebe, war eigentlich überhaupt nicht geplant und mehr ein spontaner Anfall; besser gesagt, stellte sich in der ersten Juli-Woche die Frage, ob ich das Wochenende am Openair Frauenfeld verbringen will oder nochmals eine Reise unternehme. Ich entschied mich für die gesündere Variante. Meine Flugbestätigung erhielt ich per E-Mail Freitag morgens um 09.30 Uhr, mein Zug fuhr um 09.45 Uhr. Soviel zum Zeitplan. Mit einem rekordverdächtig leichten Rucksack von 8 Kilogramm machte ich mich auf die 18 Tage dauernde Reise.

Einen Tag später bin ich dann in Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias, gelandet. Besser gesagt, ich bin am Kuala Lumpur Airport gelandet, welcher sich ca. 50 Kilometer ausserhalb von KL, wie die Stadt umgangssprachlich genannt wird, befindet. Von dort wollte ich eigentlich den Expresszug zum Hauptbahnhof nehmen, die mit Abstand schnellste Variante, um in die Stadt zu kommen. Nach einer halben Stunde Suche gab ich entnervt auf und stieg in ein Taxi. Später erfuhr ich, dass der Zug von einem anderen Terminal gefahren wäre, welches zwar nur 300 Meter Luftlinie entfernt liegt, per Strasse aber erst nach 20 Kilometern erreicht wird. Zuerst hätte ich also mit einem Bus 20 Kilometer in das 300 Meter entfernte Terminal fahren müssen, um dort den Zug zu besteigen. Macht Sinn.

Kuala Lumpur ist eine der Städte, welche mich schon lange faszinierten und welche ich eigentlich schon immer mal besuchen wollte. Keine Ahnung, wieso das so ist, aber von den südostasiatischen Städten reizte mich KL am meisten. So war es nicht verwunderlich, dass ich meinen Trip hier begann. Mein Hotel bezog ich mitten in Chinatown, wo einiges los war. Unglaublich viele Stände mit Billigstware („is original quality, my friend) lockten und warteten darauf, gekauft zu werden. Ich war erstaunt, wie gut ich mich zurückhalten konnte und wie wenig ich gekauft habe. Trotzdem ist mein Rucksack inzwischen 12 Kilogramm schwer. Komische Sache.

Bereits am ersten Abend stand das erste Highlight auf dem Programm. In Shah Alam, einer Stadt ein wenig ausserhalb Kuala Lumpurs, stand das Spitzenspiel der malaysischen Fussballmeisterschaft auf dem Programm. Den Spielbericht dazu findet man in der entsprechenden Rubrik.

Die weiteren Tage in Kuala Lumpur wurden dann mehrheitlich mit Sightseeing verbracht. Das bekannteste Wahrzeichen der Stadt sind sicherlich die Petronas Twin Towers. Die 452 Meter hohen Türme waren bis 2004 die höchsten Gebäude der Welt und sind heute noch die höchsten Zwillingstürme weltweit. Imposant wie die Türme mitten in der Stadt in den Himmel ragen. Fast genau so imposant ist der KL Tower, mit 421 Metern Höhe der fünfthöchste Fernsehturm der Welt. Im Gegensatz zu den Twin Towers kann man per Lift auf eine Aussichtsplattform fahren, von der man einen wunderbaren Überblick über KL und das Umland hat. So wurde die Stadt auch aus der Vogelperspektive erkundet.

Dabei fiel mir auf, dass Kuala Lumpur eine ziemlich wirre Stadt ist. Klare Strukturen sind nirgends erkenbar, moderne Bauten wechseln sich mit zerfallenden Ruinen ab und es ist genau so laut, schmutzig und verkehrsreich wie man sich eine Stadt in Südostasien wohl vorstellt. Die Stadt ist keine Schönheit und trotzdem irgendwie speziell. Dies könnte daran liegen, dass es eine absolute Multi-Kulti-Metropole ist. Denn die Mehrheit der Einwohner Kuala Lumpurs sind Chinesen. Dazu kommen noch eine beträchtliche Anzahl Inder und natürlich die Einheimischen. Alles in allem doch ein recht bunter Mix.

Dies zeigte sich auch als ich die verschiedenen religiösen Bauten besichtigte. Denn obwohl der Islam Staatsreligion Malaysias ist, sah ich nebst der schönen Masjid Negara, der Nationalmoschee Malaysias, auch Hindu- und Buddhisten-Tempel in der Stadt. Ja, es soll sogar Kirchen mit Kirchtürmen geben. Dies alles wäre natürlich ein wunderbarer Aufhänger, um eine politische Diskussion anzuregen. Aber einerseits soll dies ein Reiseblog bleiben, und andererseits kann ich es mir nicht leisten, allenfalls 57,5% meiner Leser zu verlieren. Im Allgemeinen gilt es zu sagen, dass KL sehr westlich anmutete, auch wenn man ab und zu, jedoch einiges seltener als erwartet, ein paar vollständig verhüllte Frauen auf den Strassen sah. Nimmt man aber die Party anlässlich des Finals der Fussball-WM als Beispiel (man bedenke, dass der Final morgens um 2.30 Uhr Lokalzeit stattfand), hätte man genauso gut in irgendeiner europäischen Stadt sein können. Natürlich kann man daraus nicht auf ganz Malaysia schliessen, denn in den ländlicheren Gebieten wird das wohl anders aussehen.

Nach viel Sightseeing und noch mehr Rumgelatsche besuchte ich am letzten Tag ein Highlight, welches ich mehr zufällig entdeckte. Auf der Suche nach einem Restaurant geriet ich am Vorabend an ein riesiges Einkaufszentrum, welches sich Berjaya Times Square nennt. Dessen Grösse kann man sich kaum vorstellen, selbst wenn man die Zahlen nennt und sich die 35 Millionen Besucher jährlich vorstellt. War ich bei meinem kürzlichen Florida-Aufenthalt noch fasziniert vom Einkaufszentrum mit 275 Läden, reden wir hier von einer Anzahl Stores im vierstelligen Bereich! Nebst den über 1000 Shops dürfen natürlich auch die 65 Restaurants nicht unerwähnt bleiben, sowie der Indoor-Freizeitpark, mit einer Achterbahn, welche durch die Stockwerke 7-10 des Zentrums rast. Mit einer Fläche von 700’000 Quadratmetern ist dies das drittgrösste Einkaufszentrum der Welt. Riesig. Im wahrsten Sinne des Wortes. Gekauft wurde aber nichts, denn die Artikel im Adidas- und Nike-Store waren geschätzte 20mal so teuer wie in Chinatown. Und schliesslich sind auch die Artikel in Chinatown Originalware. Hat er gesagt. My friend.

Nach drei Nächten und vielen Eindrücken ging es dann bereits weiter nach Singapur. Die Reise wurde natürlich, ganz dem ökologischen Gedanken entsprechend, mit dem Zug zurückgelegt. Die 1. Klass-Sitze waren äusserst bequem und die knapp acht Stunden vergingen wie im Nu.

Natürlich war ich gespannt auf Singapur, hatte ich doch schon so viel von dieser Stadt gehört, die so anders sein soll. Schön und sauber. Angeblich. Denn zumindest für mein Hotelzimmer traf dies nicht wirklich zu, hatte ich doch bereits bei Ankunft gegen 50 kleine, schwarze Mitbewohner, welche es sich unter und auf meinem Bett gemütlich machten. Schade, denn die Aussicht aus dem Hotelzimmer wäre gut gewesen. Was man von meinem zweiten Zimmer nicht unbedingt behaupten kann. Denn wo kein Fenster auch keine Aussicht. Dafür umso mehr im Geschmack im Zimmer. Fein. Naja, nächstes Mal halt wieder tiefer in die Tasche greifen, was bei den Hotelpreisen in Singapur ganz schön teuer gekommen wäre.

Das Hotel war dann aber auch der einzige Negativpunkt während meines dreitägigen Aufenthalts in der Millionenmetropole. War ich von Kuala Lumpur noch nicht wirklich überzeugt, änderte sich das bei Singapur. Spaziert man von Chinatown die 10-15 Minuten ins Financial District kann man sich kaum vorstellen, dass man sich wirklich noch in der selben Stadt befindet; und würden inmitten all der riesigen Bankgebäude nicht so viele asiatische Leute umherwirbeln, man könnte sich auch in NYC wähnen. Andererseits gibt es ruhige Nebengassen und Grünzonen, welche eher zu einem Dorf in der Innerschweiz passen als zu einer Grossstadt. Ein ganz angenehmer Mix.

Das Highlight war dann aber ganz klar der „Flug“ mit dem Singapore Flyer, dem grössten Riesenrad der Welt. Während der ca. 35minütigen Umdrehung hat man genug Zeit, Singapur in aller Ruhe von oben zu betrachten. Erstaunlicherweise waren mindestens sieben der 15 Personen in unserer Kapsel Schweizer, die beiden mit dem Stanserhorn-Chäppi, welche aufgrund mangelnder verbaler Kommunikation nicht zuzuordnen waren, noch nicht dazu gezählt. Auch sonst hörte ich doch ab und zu Konversationen auf Schweizerdeutsch. Wenn ich es mir so überlege, könnte ich es mir durchaus vorstellen, dort zu arbeiten. Wohl mal einen Vorschlag für eine neue Filiale einreichen…

Zum Schluss des Artikels komme ich jetzt noch auf das Thema zu sprechen, welches mich eigentlich immer interessiert: Essen. Natürlich freute ich mich darauf, endlich mal authentische asiatische Kost zu mir zu nehmen, anstatt das ewig Gleiche in den Thai-Restaurants in Luzern. Dabei wollte ich mich gleich am ersten Abend in Kuala Lumpur so richtig einleben. Als ich aber bereits nach wenigen Metern an einem Nando’s vorbeilief, war es um mich geschehen und anstatt Poulet mit Reis im asiatischen Stil gab es jetzt halt Hot Chicken Drumsticks mit Peri Peri Chips; natürlich nicht, ohne dabei ab und zu an unseren Lemon-and-Herbs-Päddy zu denken. In Malaysia wurde zwar auch die einheimische Küche probiert, aber alles in allem dann eher unspektakulär gegessen. Dies änderte sich in Singapur schlagartig. Gleich neben meinem Hotel befand sich ein Food Court (Markthalle mit diversen Essensständen), bei welchem sich normalerweise nicht die Touristen sondern eher die Einheimischen verpflegen. Obwohl Singapur ansonsten ein relativ teures Pflaster ist, waren die Preise dort spottbillig. Ich entschied mich für eine Schüssel Nudeln, welche mich umgerechnet CHF 2.50 kostete. Ich hatte keine Ahnung, was ich nebst den Nudeln noch alles gegessen habe und aus was die komische Füllung der dazu gereichten Teigtaschen bestand, aber es war sensationell fein. So ging ich am nächsten Abend wiederum zum selben Stand, um festzustellen, dass der Nudelmann zwei Tage Betriebsferien hatte. Na toll. Ich schaute mich an den vielen anderen Ständen um, doch weder gegrillter Entenkopf noch Rindsinnereien (wer weiss, was damit genau gemeint ist?) noch Schweineschwanzsuppe (wer weiss, was DAMIT genau gemeint ist??) machten mich wirklich an. Auch die beiden Nationalgerichte, Chilikrabben und Fischkopfcurry, welche man praktisch überall bekommt, waren nicht ganz nach meinem Gusto und so genoss ich zum Abendessen einen Schokoriegel. Kurzzeitig war mir die Lust an asiatischen Spezialitäten ein bisschen vergangen. Dies wird sich jedoch sicher bald ändern, kenne ich doch die Küche meiner nächsten Destination ebenfalls von einem Restaurant in Luzern, welches regelmässig besucht wird.

Diese Hauptstadt wird dann wohl wieder ein wenig lauter, dreckiger und verkehrsreicher sein als Singapur. Das „wahre“ Südostasien halt.



Kurz gefasst

10 07 2010

Selamat tengah hari, meine Lieben. Da ich nach dem 23stündigen Trip ein wenig müde bin, müsst ihr euch bis zu meinem nächsten Reisebericht noch ein paar Tage gedulden. Wollte nur schnell schreiben, dass ich gut hier angekommen bin.

(Nein, nachschauen beim aktuellen Standort nützt nichts. Ja, das ist Absicht.)



Heiteres Rätselraten

5 07 2010

Wie ich nachträglich festgestellt habe, sind während meiner letzten Abwesenheit etliche Diskussionen entbrannt, wo ich denn nun in den Ferien sei. Es freut mich natürlich, wenn jetzt bereits über meine Feriendestinationen gerätselt wird. Kanaren? Karibik? Oder ist er tatsächlich noch nach Südafrika gereist?

Eins mal vorneweg: Das Abenteuer „South Africa 2010“ ist ohne mich über die Bühne gegangen. Nichtsdestotrotz habe ich im Juni schöne Ferien verbracht. Für die, die es noch nicht wissen: Ich war in Westindien. Nachdem ich im Mai 2009 die südlichen Karibikinseln Aruba und Curaçao besucht hatte, war dieses Jahr die östliche Karibikinsel Antigua, ein Teil des Inselstaats Antigua und Barbuda, an der Reihe. Gebucht wurde diese Reise ganz spontan und knappe 36 Stunden nach Buchung fuhren wir (Martina und ich) bereits mit meinem Fiat in Richtung Frankfurt, wo unser Flieger nach Antigua starten sollte. Der Abflug war für Montagmittag geplant. Um Stress zu vermeiden, beschlossen wir, bereits am Sonntag nach Frankfurt zu fahren und in der Nähe des Flughafens zu übernachten – ein weiser Entscheid. Kurz nach Karlsruhe, ca. 100 Kilometer vor unserem Ziel, gab mein Fiat, welchen ich in den letzten sechs Jahren doch so liebgewonnen hatte, den Geist auf. Für immer. Er ruhe in Frieden. Nachdem wir abgeschleppt wurden und den nötigen Papierkram erledigt hatten, ging unsere Reise mittels Mietwagen weiter und am späten Abend erreichten wir das Hotel in der Nähe des Flughafens.

Den nächsten Tag hatte ich nicht unbedingt herbeigesehnt. Zum siebten Mal innert dreieinhalb Monaten überflog ich nun den Atlantik und ich befürchtete, dass mir die knapp zehn Stunden Flug wie eine Ewigkeit vorkommen würden. Nix da. Die Zeit verging wie im Fluge (sollte ich den schon einmal gebracht haben, entschuldige ich mich höflichst) und kurz nach Start landeten wir bereits wieder in Antigua.

Die Woche verlief dann so, wie man sich relaxte Strandferien vorstellt. Das Hotel war toll, das WM-Stübli ebenso und der Strand und das Meer waren einfach traumhaft. Die meiste Zeit verbrachte man am Strand, aufgestanden wurde eigentlich nur, um an der Bar zwei weitere „Passion Ladies“ zu bestellen. Tagtäglich der selbe Drink, bis wir am späten Nachmittag jeweils feststellen mussten, dass wir (und ich hatte meist weniger als meine Begleitung) wieder mal den ganzen Vorrat weggetrunken hatten.

Die einzige Ausnahme in unserem Tagesprogramm bildete der Freitag, an welchem wir ein Auto mieteten, um die Insel zu erkunden. Dieses Vorhaben erwies sich als recht schwierig, da man eine antiguanische Fahrerlaubnis braucht, um legal ein Auto lenken zu dürfen. Diese sollte ich zusammen mit meinem Autovermieter beim örtlichen Polizeiposten erwerben – nur dumm, dass die gerade kein Papier vorrätig hatten. Der nächste Polizeiposten befand sich 30 Fahrminuten entfernt, was dem Vermieter zu weit war. Kurzerhand übergab er mir das Auto und seine Telefonnummer mit dem Hinweis, dass ich ihn anrufen könne, sofern ich in eine Polizeikontrolle gerate. Er würde das dann den Polizisten erklären. Mir war es nicht ganz wohl dabei, aber da ich das Auto bereits bezahlt hatte, hatte ich wohl keine grosse Wahl. Im selben Moment kam dem Herrn aber eine andere Idee und er rief einen Kollegen an, welcher solche Ausweise jeweils auf Vorrat bei sich trägt. Glücklicherweise war der in der Nähe und bereit, uns für USD 20 einen Ausweis zu verkaufen.

Die Inselrundfahrt war dann weit weniger spektakulär als erwartet. Wir fuhren zu einigen Stränden und fanden bald mal heraus, dass keiner so schön war, wie der direkt bei unserem Hotel. Die Inselhauptstadt Saint John’s, wo ca. 35’000 der 85’000 Einwohner von Antigua wohnen, war zwar sehr geschäftig, aber ebenso arm an Sehenswürdigkeiten wie der Rest der Insel. Eines der wenigen Highlights war dann der Besuch des Sir Vivian Richards Stadium, dem grössten Cricket-Stadion auf Antigua, welches extra für die Cricket-Weltmeisterschaften 2007 erstellt wurde. Das Stadion, welches für 10’000 Leute  Platz bietet (während der WM betrug die Kapazität 20’000), dient auch heute noch für Spiele der Nationalmannschaft Westindiens. Zwar fand an diesem Tag sogar ein Heim-Länderspiel statt, jedoch leider in Basseterre auf der Insel St. Kitts.

Die letzten beiden Tage wurden dann wieder am Strand verbracht. Einfach mal nichts tun ist doch auch schön. Leider war nach einer Woche bereits wieder Schluss mit Ferien und wir traten die Heimreise an. Der Rückflug dauerte nun sogar noch drei Stunden länger als der Hinflug, da wir zuerst die venezolanische „Isla Margarita“ anflogen. Da wir es uns zu zweit (wie bereits beim Hinflug) auf total fünf Sitzen gemütlich machen konnten, war auch der Rückflug ganz angenehm und die sechs Stunden Schlaf am Stück waren für mich wohl persönlicher Rekord. Mit dem Zug ging’s dann von Frankfurt nach Hause. An dieser Stelle noch ein allerletztes „Goodbye“ an meinen Fiat, welcher wohl in den nächsten Tagen irgendwo in Deutschland verschrottet wird.

Die nächsten zwei bis drei Wochen ist vorerst nichts mehr geplant, bevor es dann auf die lang ersehnte Europapokal-Reise mit dem FCL geht. Ob Thessaloniki, Sofia oder Bukarest – sicher kann man hier dann wieder was darüber lesen. Ach ja, auch zwischendurch mal reinschauen kann nicht schaden – vielleicht habe ich ja wieder einen von meinen spontanen Anfällen…



Krank

19 06 2010

Fleissige Besucher meines Blogs werden bemerkt haben, dass der letzte Eintag schon ein bisschen länger zurück liegt. Dies hat (natürlich) einen Grund: Ich bin krank. Nun wird es einige geben, welche sich in ihrer Meinung über mich bestätigt fühlen, doch so ist es nicht gemeint. Ich spiele mit dieser Bemerkung auch nicht auf den letzten Freitag an, welchen ich mit einer Mischung aus Lebensmittelvergiftung und Kopfweh im Bett verbracht habe. Nein, ich bin mit dem WM-Virus infiziert. Mal ehrlich: Woher soll ich die Zeit für einen Blogeintrag nehmen, wenn ich täglich knappe sechs Stunden Fussball schauen muss?

Dabei hat vor drei Wochen noch gar nichts auf die kommende Fussball-WM hingedeutet. Kein Wunder, befand ich mich doch zu diesem Zeitpunkt noch in den USA, wo Fussball nicht unbedingt die wichtigste Rolle in der (Sport-)Welt innehat. Die dritte Woche unserer USA-Reise (ihr erinnert euch, dass ich eine lustige Begleitung bei mir hatte) verbrachten wir (fast) ausschliesslich in Miami Beach. Der im letzten Artikel erwähnte Abstecher an die Golfküste war nur von kurzer Dauer, denn ein unvorhergesehenes Ereignis zwang uns, umzuplanen. Ursprünglich war gedacht, die Tage von Mittwoch bis zu unserem Abflug am Samstag in Miami Beach zu verbringen, doch der „Memorial Day“, welcher am Montag darauf gefeiert wurde und der den Amerikanern ein verlängertes Wochenende bescherte, machte uns einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Die (sonst schon gesalzenen) Hotelpreise in Miami Beach stiegen von Donnerstag bis Montag in die Höhe, so dass man ab ca. USD 500 pro Nacht im Geschäft war. Das war uns dann doch ein bisschen zuviel des Guten. So beschlossen wir, bereits am Montag nach Miami zu reisen und Donnerstag und Freitag noch den kurzen Weg nach Key West auf uns zu nehmen, um zu schauen was dort so los ist. Die Tage in Miami Beach, genauer gesagt in South Beach, dem Stadtteil, in welchem unser ausgewähltes Hotel lag (ok, ich hatte dazu eigentlich nicht allzuviel zu sagen; wäre das gebuchte Hotel nicht an der exakt bestimmten Strasse gelegen, ich hätte jetzt wohl einen Freund weniger), sind so ziemlich schnell erklärt. Frühstück, Strand, Abendessen beim Italiener, überteuerte Drinks „geniessen“, schlafen.

Einzig der Mittwoch bot eine Ausnahme, denn es begann bereits mittags zu regnen. So begab man sich ins grösste Einkaufszentrum Floridas (275 Geschäfte / 223’000 m2), welches sich in der Nähe Miamis befindet. Da am selben Abend noch das Fussballspiel von Miami FC auf dem Programm stand, und sich das Einkaufszentrum genau in der Mitte zwischen Miami Beach und Stadion befand, passte dies tipptopp. Mein Ziel, mit den Einkäufen im dreistelligen Dollar-Bereich zu bleiben, wurde locker erreicht. Dies lag wohl hauptsächlich daran, dass es all die schönen, eleganten, wunderbaren, absolut toll anzuschauenden Schuhe, welche ich auf der Stelle gekauft hätte (alle!), in meiner Grösse nicht gab. Schuhgrösse ist 42 ist also die kleinste Herrengrösse. Darf ich wirklich für meine Füsse bestraft werden? Skandal! Die grösste Überraschung des Tages war jedoch zweifellos als ich (ja, ich ganz alleine, aus freien Stücken) entschied, das Spiel sausen zu lassen, um dafür noch länger in diesem genialen Einkaufszentrum verweilen zu können. Keine Ahnung, welcher Sinn mich zu diesem Zeitpunkt regiert hat, aber ihr hättet mal die absolut erstaunte Reaktion meines Gegenübers sehen müssen, als ich ihm dies mitteilte. So blieb noch genügend Zeit, auch für die daheimgebliebenen Damen was nettes zu kaufen. Man merke jedoch, dass es nicht sonderlich gut ankommt, wenn man Hosen zwei Nummern zu gross nach Hause bringt. Wieso müssen die Amis auch immer eigene Masse haben?

Da sich der kurze Weg nach Key West als drei Stunden Fahrzeit pro Weg herausstellte, blieben wir kurzfristig noch eine Nacht länger in Miami Beach, wo es uns ausgezeichnet gefiel. Der Donnerstag war dann auch der Beginn des Memorial Day Weekends. Was wir da miterlebten, ist in Worten kaum zu beschreiben. Nur soviel: Um dazuzugehören musste man tief in die Tasche greifen. Outfits und Frisuren der meisten Leute waren sichtlich neu, was auch für einige der Fahrzeuge zutreffen dürfte (ok, die sahen vielleicht nur so aus, aber mit meinem Fiat wäre es wohl verboten gewesen, der Strandpromenade entlang zu fahren; und falls nicht, dann zumindest peinlich inmitten dieser Limousinen). Dazu musste natürlich jeder, der was auf sich hielt, eine dicke Zigarre bei sich haben (nicht rauchen, natürlich nur bei sich haben), von den Goldketten (Mehrzahl!) ganz zu schweigen. Schliesslich durften die neuen Nike-Treter nicht das einzig glänzende am Mann sein. Zu krass oder eigentlich schon fast krank – womit wir wieder beim Titel dieses Artikels wären – was da rumlief. Zumindest die Männer, denn die Frauen waren ganz hübsch anzuschauen. Wenn schon für das Äussere  ein paar Benjamins draufgehen, darf einem natürlich auch das Geld für die Drinks nicht reuen. Für solch einen legte man an der Bar inzwischen $20 hin und der Eintritt in die (populären) Clubs kostete zwischen USD 300 und 400, wobei immerhin eine Flasche Hochprozentiges inbegriffen ist. Nach langen Diskussionen entschieden wir, den Abend vorzeitig abzubrechen und verdrückten uns ins Hotel, immer noch gestört von den soeben gesammelten Eindrücken. Dass in jener Nacht der Feueralarm defekt war und eine Stunde lange praktisch ununterbrochen hupte, passte zu diesem wirren Abend.

Der darauffolgende Freitag war der letzte komplette Tag in den Staaten. Wir nutzten diesen, um einen Ausflug in den Everglades Nationalpark zu unternehmen. Die Fahrt mit dem Airboat war ebenso amüsant wie das Alligatoren-Wrestling. Nachahmen nicht empfohlen. Autsch! Schlussendlich durfte ich sogar einen schnusligen (nettes Wort, gebe ich zu) Alligator in den Händen halten – unverhältnismässig wagemutig von mir, wenn man bedenkt, dass einige Amerikaner in unserer Gruppe schon beim blossen Anblick eines harmlosen Skorpions flüchteten. Da dieser Ausflug nur einen halben Tag in Anspruch nahm, blieb noch der ganze Nachmittag zum Shoppen! Yeah! Schliesslich hatten wir durch den gestrichenen Ausgang am Vorabend noch je ungefähr USD 500 Budget übrig, welches wir nun verprassen konnten. Zum Glück hatte die Hälfte unserer Zweiergruppe (nein, es war nicht der André) den ultragrossen Koffer mitgenommen und das zulässige Gewicht von 23 kg bei der Hinreise sogar um 7 kg unterschritten. Platz genug. Was für ein Vorteil.

Den definitiven Abschied feierten wir dann am Abend unter dem Motto „typisch USA“, indem wir zuerst in dem feinen Fast-Food-Lokal mit dem goldenen M was essen gingen und nachher noch ein Baseball-Spiel besuchten. Dass der Typ, welcher gleich nach André die Bestellung aufgeben durfte, 150 Chicken Nuggets bestellte (Kostenpunkt USD 30), sei hier nur am Rande erwähnt.

Das war’s dann auch schon, zumindest fast. Die Heimreise verlief zwar weniger spektakulär als die Hinreise, aber nicht minder interessant. Am Flughafen passierte das, was passieren musste. Des Philipps Koffer war zu schwer. Die erlaubten 50 Pfund (22.7 kg) wurden um 10 Pfund überschritten, was bedeutete, dass mein Koffer elf Kilogramm schwerer war als noch drei Wochen zuvor am Flughafen Zürich. Soviel zum Vorteil. Dies sorgte bei André für einen grossen Lacher, bis die werte Dame am Schalter meinte, dass auch er Übergewicht habe (also sein Koffer – haha – Pointen-Alarm!). Wie dumm ich nach dem Umpacken ausgesehen habe, bleibt mein Geheimnis, doch beim zweiten Wiegen zeigte das Gerät exakte 50 Pfund an. Tipptopp. Der Flug von Miami nach New York, wo lediglich eine kurze Zwischenlandung stattfinden sollte, verlief problemlos. Unser Highlight war ganz klar, dass sich auch der legendäre Fussballer Carlos Valderrama  an Bord befand. Glauben wir zumindest. Die Verspätung in New York von lediglich zwei Stunden war im Gegensatz zum Hinflug äusserst human und dass ich die ganze Nacht keine Auge schliessen konnte, daran war definitiv nicht der André Schuld. Völlig übermüdet trafen wir schliesslich in Zürich ein. Hinter uns lagen drei Wochen USA mit vielen Überraschungen, viel Freude und noch viel mehr Einkäufen.

Somit wäre auch diese Seite wieder up-to-date, zumindest fast. Denn der Vollständigkeit halber sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass ich bereits wieder abgereist bin. Schliesslich habe auch ich mal Ferien nötig. Aber dazu im nächsten Artikel. Und ja, Satz Nr. 4, vielleicht war er halt eben doch so gemeint…



Von historischen Momenten und modernen Vergnügungsparks

24 05 2010

Nachdem man am letzten Nachmittag in New York noch den fast schon historischen Moment der FCL-Europacup-Qualifikation (ich MUSS es einfach nochmals erwähnen!) miterlebt hatte, mussten die Feierlichkeiten kurz gehalten werden, denn am selben Abend sollten wir noch per Bus nach Philadelphia weiterfahren. Dass unser Hotelportier selbst nach 30 Minuten noch nicht in der Lage war, uns ein Taxi zu der Abfahrtsstation zu organisieren, damit hatten wir natürlich nicht gerechnet; schon gar nicht in New York, der Stadt der Taxis. So war unsere Zeit plötzlich knapp und wir entschlossen uns, die Metro zu benutzen. Leider schafften wir es nicht mehr rechtzeitig zur Busstation, doch da es der Bus auch nicht rechtzeitig schaffte, fiel das Ganze nicht so sehr ins Gewicht.

Philadelphia, die Stadt der brüderlichen Liebe, ist wohl eine der wichtigsten Städte in der Geschichte der USA. In der damals zweitgrössten Stadt des britischen Imperiums (nach London) wurde 1776 die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten verkündet und elf Jahre später auch die Verfassung beschlossen. Um diese geschichtlichen Ereignisse dreht sich auch heute noch vieles in der Ex-Hauptstadt Philadelphia; dies bemerkte man spätestens auf der Stadtrundfahrt, welche man am ersten Tag unternahm. Der Name des berühmtesten Einwohner Philadelphias in diesem Zusammenhang, Benjamin Franklin, war allgegenwärtig und so liess man sich vom Benjamin-Franklin-Fieber anstecken und schaute sich die historischen Stätten an, welche so wichtig sind für die Geschichte dieses Landes. Zumindest ein paar. Vom Tourbus aus. Am selben Nachmittag ging’s noch zum Extrem-Shopping, zumindest war dies so vorgesehen. Die vier paar Schuhe, welche in der Endauswahl standen (gekauft worden wären höchstens drei davon – ehrlich!), waren in meiner Grösse jedoch alle nicht vorhanden. Schuhgrösse 40 ist wohl die Grösse, welche sich weder Männer noch Frauen wirklich wünschen. Der Frust, jedes Mal in die Kinderabteilung geschickt worden zu sein, wurde nach dem abendlichen Bowling-Sieg zumindest ein bisschen kleiner.

Der Samstag stand (nach langer Zeit) wieder mal ganz im Zeichen von König Fussball. Nachdem das spannende Spiel zwischen Philadelphia Union und dem Dallas FC vorbei war, hiess es aber bereits wieder Abschied nehmen von der netten Stadt in Pennsylvania und wiederum ging es per Bus weiter in die Landeshauptstadt Washington D.C. Die grösste Schande dabei war, dass es in den zwei Tagen in Philly nicht ein Mal für eines der legendären, fabulösen „Philly Cheese Steaks“ reichte. Zum Glück gibt es diese feine Speise auch im restlichen USA.

Washington D.C. wurde aufgrund mehrerer Verkehrsstaus erst mit einiger Verspätung erreicht und so reichte es an diesem Tag lediglich noch für einen Betttest. Der erste ganze Tag in Washington hatte es dann aber in sich. Nebst den wichtigen Sehenswürdigkeiten wie dem Weissen Haus (Anmerkung von André: Barack hat leider nicht geöffnet, als wir an der Türe klingelten) und dem Kapitol wurde auch dem National Museum of American History ein Besuch abgestattet und so ist man nun absolut up to date was in den letzten 250 Jahren auf der anderen Seite des Teiches so passierte. Gleichzeitig bemerkte man die Einzigartigkeit von Washington im Gegensatz zu anderen amerikanischen Städten. Da das Kapitol (der Sitz des Kongresses) allgemein als das wichtigste Gebäude der Stadt, sowie der gesamten USA, angesehen wird, entschied man sich, dass in Washington kein Gebäude höher sein darf als dieses. Dies ist bis heute so und darum sucht man vergeblich nach den für US-Städte so typischen Wolkenkratzern. Einzig der Turm des alten Postgebäudes und das Monument zu Ehren von George Washington, welche bereits vor diesem Beschluss gebaut wurden, übertreffen die Höhe des Kapitols.

Bei Regen und 15 Grad Celsius ging es am Dienstag dann in Richtung Süden. Von Baltimore, ca. eine Fahrstunde von Washington entfernt, flogen wir nach Orlando, Florida. Diese Strecke beinhaltete ein Umsteigen in Charlotte, North Carolina, und so fanden wir es nicht wirklich cool, als wir merkten, dass das Flugzeug nicht pünktlich abfliegen würde. Denn natürlich hatte man am selben Abend noch was vor. Als man dann endlich abflugbereit war, verkündete die Fluggesellschaft, dass das Flugzeug zu schwer sei (ja, wir haben oft Fast Food gegessen, aber konnten wir wirklich wissen, dass sich dies in diesem Masse negativ auswirken würde?) und zuerst mussten acht Freiwillige gefunden werden, welche das Flugzeug verliessen, um mit einer anderen Maschine nach Charlotte zu fliegen. Schlussendlich erwischte man das Flugzeug in Charlotte doch noch. Rückenwind sei dank.

In Orlando angekommen hatte man zuerst einen Temperaturschock. Nette 32 Grad erwarteten uns. Wir holten unser Mietauto ab und machten uns auf den Weg in das Quartier der Vergnügungsparks. Dort bezogen wir ein billiges Motel, verstauten unser Gepäck und fuhren auf direktem Wege zur Amway Arena, in welcher das zweite Finalspiel der Eastern Conference im Basketball stattfand. Die Magics aus Orlando unterlagen den Celtics aus Boston ganz knapp. Die Stimmung jedoch war grossartig und Florida gefiel uns bereits.

Eigentlich wollte man in zwei Tagen zwei der unzähligen Vergnügungsparks rund um Orlando besuchen, doch das Kind im Manne gewann Überhand und schlussendlich wurden es vier Parks in drei Tagen. Am ersten Tag gab ich dem ständigen quengeln des Tierlifreundes André nach und wir reisten ins SeaWorld. Die Shows waren das Eintrittsgeld von 100 Franken pro Person absolut wert (ernsthaft! glauben wir zumindest) und dass André den Killerwal Shamu aus nächster Nähe beobachten durfte, machte ihn so glücklich, dass er mich seither nicht mal mehr nervt. Die Abkühlung auf der Baumstamm-Deluxe-Bahn (Baumstamm, Europapark, know what I mean?) war dann das Highlight des Tages und völlig durchnässt (beide von uns) und mit defektem Mobiltelefon (einer von uns und sicher nicht mein IPhone) machte man sich auf den Weg zurück. Der Abend wurde auf einer 36-Loch-Minigolf-Bahn verbracht.

Da wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, dass wir schlussendlich einen Tag länger in Orlando bleiben werden, gab es schwierige Diskussionen, welcher Park am nächsten Tag besucht werden sollte. Zur Auswahl standen Walt Disney World und die Universal Studios. Dazu sollte man wissen, dass Walt Disney World aus vier verschiedenen Themenparks besteht, deren Besuch jeweils einen Tag in Anspruch nehmen. Als wir uns nicht entscheiden konnten, wurde um Mitternacht P.S. aus L. (Name der Redaktion bekannt) angesimst (nettes Wort), welcher letztes Jahr drei Wochen in Florida verbracht und ziemlich viele dieser Parks besucht hat. Die Bitte bestand darin, uns zu sagen, welchen Park wir nebst dem SeaWorld noch besuchen sollten. Die Antwort, welche wir am nächsten Tag auf dem Display lasen, war höchst zufriedenstellend. Entweder Universal Studios oder einen der Disney-World-Parks. Danke. Soweit waren wir auch schon. Wir fragten natürlich nach Präzisierung und als keine Antwort kam entschieden wir uns für den EPCOT-Park im Walt Disney World. Als wir soeben den Eintritt bezahlt hatten (wiederum 100 Franken pro Person) folgte dann noch die Antwort des besagten P.S.: Ausser dem EPCOT-Park haben ihm alle besuchten Parks sehr gut gefallen. Na toll. Dieser Park war dann auch ein wenig eine Enttäuschung, respektive war das Ganze wohl doch eher für wirkliche Kinder gedacht, nicht für Erwachsene, welche sich gerne wie Kinder benehmen. Dass es knapp 35 Grad heiss war, machte den Besuch nicht unbedingt erträglicher und so hatte man den Park schneller als geplant besichtigt. Bei der Grösse des Parks heisst das, dass man „nur“ sechs Stunden benötigte. So blieb immerhin noch genügend Zeit, um das Abendprogramm des vorherigen Tages zu wiederholen. Anderer Kurs, gleiche Anzahl Bahnen, selber Sieger, Fragen?

Der letzte Tag war dann DER Adventure-Tag. Unser Ziel waren die Universal Filmstudios, auf deren Gelände sich gleich zwei verschiedene Vergnügungsparks befinden. Da wir auf den Geschmack gekommen waren, besuchten wir gleich beide Parks und wir wurden nicht enttäuscht, trafen wir doch sogar Homer und Bart Simpson (die echten!) und den Terminator, konnten als Men In Black Aliens abknallen und eine Reise mit dem unglaublichen Hulk und den duellierenden Drachen unternehmen. Ach, war das schön. Als die Parks neun Stunden nach unserer Ankunft schlossen, wären wir gerne noch ein, zwei Stündchen länger geblieben. Dies war natürlich nicht möglich und so ging es zurück ins Hotel zum packen.

Das weitere Programm wurde ganz spontan entschieden und so geht es von Orlando aus los an die Golfküste. Der Vorteil an dieser Seite von Florida ist sicherlich, dass man sich nicht mehr einölen muss; einmal ins Wasser und gut ist.



New York, New York

17 05 2010

Nachdem ich bereits soviel gelesen und gehört habe über DIE Weltmetropole im Osten der USA, stand nun endlich auch für mich der erste Besuch von New York City auf dem Programm. Hier beginnt meine zweite USA-Reise in diesem Jahr; dieses Mal allerdings habe ich ein Opfer gefunden, welches mich für drei Wochen durch den östlichen Teil der Vereinigten Staaten begleitet. Da diese Person – verständlich, bei dem was alles bereits so geboten wurde – unerkannt bleiben will, wird in den folgenden Zeilen sowie allen weiteren Artikeln einfach das Pseudonym André verwendet.

Unsere Reise begann bereits mit einigen Hindernissen. Wurde der Flug von Zürich nach Paris noch ohne Probleme gemeistert, mussten am Charles-de-Gaulle-Airport bereits die unglaublich guten Französisch-Kenntnisse hervorgegraben werden. Der isländische Vulkan mit dem unaussprechbaren Namen hatte ganze Arbeit geleistet und in Paris, wo unser Flugzeug nach New York starten sollte, herrschte Chaos. Zwar hätte ich einen Platz im Flugzeug gehabt, doch André hätte erst Stunden später starten können. Irgendwann einigten wir uns mit der Fluggesellschaft auf zwei Plätze in einem späteren Flugzeug, und als wir dafür mit EUR 300 pro Person entschädigt wurden, war der Ärger auch nicht mehr ganz so gross.

Mit sieben Stunden Verspätung wurde New York dann erreicht und im Vergleich zum letzten Mal musste man auch bei der Immigration nicht anstehen. Auf dem Weg zum Gepäckband erspähte ich meinen Namen auf einer grossen Informationstafel mit dem Hinweis, ich solle mich doch bei einem Mitarbeiter melden. Das verhiess nichts Gutes. Man beschied mir, dass mein Gepäck irgendwo falsch abgebogen sei und ich mich beim nächsten Schalter der Fluggesellschaft (ja, ok, hier ist der Name: AIR FRANCE) melden solle. Mein Reisepartner konnte sein Glück kaum fassen, dass nur mein Gepäck nicht da war, doch als auch das letzte Gepäckstück auf dem Rollband seinem Koffer überhaupt nicht glich, war auch diese Freude vorbei. Wir beide in New York, mein Gepäck angeblich noch in Paris, Andrés Gepäck momentan unauffindbar. Mit diesem Status machten wir uns nach einem langen Tag auf Richtung Hotel, wo wir ca. 25 Stunden nach Tagwache endlich ankamen.

Gleich am ersten Morgen wurde das Empire State Building angesteuert, das zurzeit höchste Gebäude New Yorks. Von der 102. Etage (ca. 370 Meter über Boden) hat man einen umwerfenden Ausblick über ganz Manhattan und New York. Nur dumm, dass wir nicht die Einzigen mit dieser Idee waren und so dauerte der Besuch doch ein wenig länger als geplant. Egal, die Aussicht und eine Mitgliedschaft im „Elite 102 Club“ entschädigt für alles. Der Rest des Tages wurde dann dem Erkunden der Region rund um den Times Square sowie dem Shopping gewidmet. Die nicht angekommenen Gepäckstücke bescherten uns je $100, welche wir auf Kosten der Fluggesellschaft in neue Kleider investieren durften. Nichts einfacher als das. Am Abend stand dann echte amerikanische Kultur auf dem Programm: ein Baseball-Spiel. Besucht wurde die Partie zwischen den New York Mets und den Washington Nationals. Spätestens da bereute ich, dass ich anstatt einer Jacke – ich denke für solche Fälle wären die $100 eigentlich gedacht gewesen – ein paar Shorts und T-Shirts gekauft habe. Tja, selbst schuld. Coolness geht natürlich vor Wohlbefinden. War schon immer so.

Nach dem obligaten Frühstück im Starbucks (Starbucks hier, Starbucks da, Starbucks, Starbucks, Starbucks – I’m lovin it) ging es am Dienstag auf zu den nächsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ground Zero, New York Stock Exchange, Freiheitsstatue, Central Park… Es gibt soviel zu sehen, dass wir ein ziemlich gedrängtes Programm hatten und ehe wir uns versahen, war es bereits Mittwoch. Immerhin waren wir inzwischen im Besitz unseres Gepäcks.

Aufgrund der Wetterprognosen haben wir für diesen Tag den Museumsteil eingeplant (ja, liebe Leute, wir haben geplant). Überhaupt sollte dieser Tag der sogenannte „Kulturtag“ werden. Da ich mich am Morgen fühlte, wie wenn ich noch 20 wäre, entschied ich mich kurzerhand für Jogging im Central Park. Dies hat zwar rein gar nichts mit Kultur zu tun und ich denke nicht, dass dies jemanden interessiert, aber es ist doch so aussergewöhnlich, dass es hier Erwähnung finden muss. Weitere Details wie dass ich nach 30 Minuten bereits wieder zurück war (inkl. Starbucks), bei meinem noch im Bett liegenden Mitreisenden, lasse ich hier mal unerwähnt.

Der wahre Kulturtag sollte in einem Museum starten, vor dessen Eingang die Schlange so ziemlich der Strecke entsprach, die ich bei meinem Morgenlauf zurückgelegt hatte. So wurde kurzfristig umgeplant und das berühmte Guggenheim-Museum angesteuert. Hey, war das interessant. Abersowasvon. Noch nie in unserem Leben haben wir $18 sinnvoller ausgegeben. Um möglichst schnell zu vergessen, machten wir uns gleich auf ins Metropolitan Museum of Art, dem grössten Kunstmuseum der Vereinigten Staaten. Der Vorteil: Da es so gross ist, hatte es doch einige Sachen, welche auch meinem Geschmack entsprachen. Nach diesen Eindrücken beschäftigten wir uns noch den ganzen Nachmittag mit kontemporärer Fotokunst und vielleicht sind einige dieser hochqualitativen Werke schon bald an dieser Stelle zu bestaunen. Der Kulturtag fand seinen Höhepunkt dann im Besuch des Green-Day-Musicals (was es nicht alles gibt!) am Broadway. Die Musik war ganz nett, die Story FF. Den Abend liess man dann ganz newyorkerisch in einigen der unzähligen Jazzclubs in NYC ausklingen.

Da unser Hotel, trotz 27 Etagen, komplett ausgebucht war und man unserem Wunsch für eine Verlängerungsnacht nicht entsprechen konnte, war der vierte Tag bereits unser letzter in New York. Da der Vorabend nicht allzu kurz war, fiel das Aufstehen dementsprechend schwer und man verliess das Hotel nicht vor dem Mittag. Nachdem die letzten Must-Sees-and-Dos abgehakt wurden, blieb eben noch Zeit, um die grandiose Gala des FC Luzern gegen den BSC YB live im TV (Internet) mitzuerleben. Es soll hier nochmals geschrieben stehen: EUROPAPOKAL!!

Dies war dann so ziemlich die letzte Tat in New York. Die Stadt wäre gross genug gewesen um noch einen, zwei, drei oder auch hundert Tage anzuhängen, doch warten noch weitere Perlen auf uns. Bevor es in Richtung Florida geht, werden wir noch in der Geschichte der USA wühlen und ein paar historische Stätten besuchen. Hier erfährt man bald mehr.



Fotos Argentinien/Uruguay/Chile

8 05 2010