Von historischen Momenten und modernen Vergnügungsparks

24 05 2010

Nachdem man am letzten Nachmittag in New York noch den fast schon historischen Moment der FCL-Europacup-Qualifikation (ich MUSS es einfach nochmals erwähnen!) miterlebt hatte, mussten die Feierlichkeiten kurz gehalten werden, denn am selben Abend sollten wir noch per Bus nach Philadelphia weiterfahren. Dass unser Hotelportier selbst nach 30 Minuten noch nicht in der Lage war, uns ein Taxi zu der Abfahrtsstation zu organisieren, damit hatten wir natürlich nicht gerechnet; schon gar nicht in New York, der Stadt der Taxis. So war unsere Zeit plötzlich knapp und wir entschlossen uns, die Metro zu benutzen. Leider schafften wir es nicht mehr rechtzeitig zur Busstation, doch da es der Bus auch nicht rechtzeitig schaffte, fiel das Ganze nicht so sehr ins Gewicht.

Philadelphia, die Stadt der brüderlichen Liebe, ist wohl eine der wichtigsten Städte in der Geschichte der USA. In der damals zweitgrössten Stadt des britischen Imperiums (nach London) wurde 1776 die Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten verkündet und elf Jahre später auch die Verfassung beschlossen. Um diese geschichtlichen Ereignisse dreht sich auch heute noch vieles in der Ex-Hauptstadt Philadelphia; dies bemerkte man spätestens auf der Stadtrundfahrt, welche man am ersten Tag unternahm. Der Name des berühmtesten Einwohner Philadelphias in diesem Zusammenhang, Benjamin Franklin, war allgegenwärtig und so liess man sich vom Benjamin-Franklin-Fieber anstecken und schaute sich die historischen Stätten an, welche so wichtig sind für die Geschichte dieses Landes. Zumindest ein paar. Vom Tourbus aus. Am selben Nachmittag ging’s noch zum Extrem-Shopping, zumindest war dies so vorgesehen. Die vier paar Schuhe, welche in der Endauswahl standen (gekauft worden wären höchstens drei davon – ehrlich!), waren in meiner Grösse jedoch alle nicht vorhanden. Schuhgrösse 40 ist wohl die Grösse, welche sich weder Männer noch Frauen wirklich wünschen. Der Frust, jedes Mal in die Kinderabteilung geschickt worden zu sein, wurde nach dem abendlichen Bowling-Sieg zumindest ein bisschen kleiner.

Der Samstag stand (nach langer Zeit) wieder mal ganz im Zeichen von König Fussball. Nachdem das spannende Spiel zwischen Philadelphia Union und dem Dallas FC vorbei war, hiess es aber bereits wieder Abschied nehmen von der netten Stadt in Pennsylvania und wiederum ging es per Bus weiter in die Landeshauptstadt Washington D.C. Die grösste Schande dabei war, dass es in den zwei Tagen in Philly nicht ein Mal für eines der legendären, fabulösen „Philly Cheese Steaks“ reichte. Zum Glück gibt es diese feine Speise auch im restlichen USA.

Washington D.C. wurde aufgrund mehrerer Verkehrsstaus erst mit einiger Verspätung erreicht und so reichte es an diesem Tag lediglich noch für einen Betttest. Der erste ganze Tag in Washington hatte es dann aber in sich. Nebst den wichtigen Sehenswürdigkeiten wie dem Weissen Haus (Anmerkung von André: Barack hat leider nicht geöffnet, als wir an der Türe klingelten) und dem Kapitol wurde auch dem National Museum of American History ein Besuch abgestattet und so ist man nun absolut up to date was in den letzten 250 Jahren auf der anderen Seite des Teiches so passierte. Gleichzeitig bemerkte man die Einzigartigkeit von Washington im Gegensatz zu anderen amerikanischen Städten. Da das Kapitol (der Sitz des Kongresses) allgemein als das wichtigste Gebäude der Stadt, sowie der gesamten USA, angesehen wird, entschied man sich, dass in Washington kein Gebäude höher sein darf als dieses. Dies ist bis heute so und darum sucht man vergeblich nach den für US-Städte so typischen Wolkenkratzern. Einzig der Turm des alten Postgebäudes und das Monument zu Ehren von George Washington, welche bereits vor diesem Beschluss gebaut wurden, übertreffen die Höhe des Kapitols.

Bei Regen und 15 Grad Celsius ging es am Dienstag dann in Richtung Süden. Von Baltimore, ca. eine Fahrstunde von Washington entfernt, flogen wir nach Orlando, Florida. Diese Strecke beinhaltete ein Umsteigen in Charlotte, North Carolina, und so fanden wir es nicht wirklich cool, als wir merkten, dass das Flugzeug nicht pünktlich abfliegen würde. Denn natürlich hatte man am selben Abend noch was vor. Als man dann endlich abflugbereit war, verkündete die Fluggesellschaft, dass das Flugzeug zu schwer sei (ja, wir haben oft Fast Food gegessen, aber konnten wir wirklich wissen, dass sich dies in diesem Masse negativ auswirken würde?) und zuerst mussten acht Freiwillige gefunden werden, welche das Flugzeug verliessen, um mit einer anderen Maschine nach Charlotte zu fliegen. Schlussendlich erwischte man das Flugzeug in Charlotte doch noch. Rückenwind sei dank.

In Orlando angekommen hatte man zuerst einen Temperaturschock. Nette 32 Grad erwarteten uns. Wir holten unser Mietauto ab und machten uns auf den Weg in das Quartier der Vergnügungsparks. Dort bezogen wir ein billiges Motel, verstauten unser Gepäck und fuhren auf direktem Wege zur Amway Arena, in welcher das zweite Finalspiel der Eastern Conference im Basketball stattfand. Die Magics aus Orlando unterlagen den Celtics aus Boston ganz knapp. Die Stimmung jedoch war grossartig und Florida gefiel uns bereits.

Eigentlich wollte man in zwei Tagen zwei der unzähligen Vergnügungsparks rund um Orlando besuchen, doch das Kind im Manne gewann Überhand und schlussendlich wurden es vier Parks in drei Tagen. Am ersten Tag gab ich dem ständigen quengeln des Tierlifreundes André nach und wir reisten ins SeaWorld. Die Shows waren das Eintrittsgeld von 100 Franken pro Person absolut wert (ernsthaft! glauben wir zumindest) und dass André den Killerwal Shamu aus nächster Nähe beobachten durfte, machte ihn so glücklich, dass er mich seither nicht mal mehr nervt. Die Abkühlung auf der Baumstamm-Deluxe-Bahn (Baumstamm, Europapark, know what I mean?) war dann das Highlight des Tages und völlig durchnässt (beide von uns) und mit defektem Mobiltelefon (einer von uns und sicher nicht mein IPhone) machte man sich auf den Weg zurück. Der Abend wurde auf einer 36-Loch-Minigolf-Bahn verbracht.

Da wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, dass wir schlussendlich einen Tag länger in Orlando bleiben werden, gab es schwierige Diskussionen, welcher Park am nächsten Tag besucht werden sollte. Zur Auswahl standen Walt Disney World und die Universal Studios. Dazu sollte man wissen, dass Walt Disney World aus vier verschiedenen Themenparks besteht, deren Besuch jeweils einen Tag in Anspruch nehmen. Als wir uns nicht entscheiden konnten, wurde um Mitternacht P.S. aus L. (Name der Redaktion bekannt) angesimst (nettes Wort), welcher letztes Jahr drei Wochen in Florida verbracht und ziemlich viele dieser Parks besucht hat. Die Bitte bestand darin, uns zu sagen, welchen Park wir nebst dem SeaWorld noch besuchen sollten. Die Antwort, welche wir am nächsten Tag auf dem Display lasen, war höchst zufriedenstellend. Entweder Universal Studios oder einen der Disney-World-Parks. Danke. Soweit waren wir auch schon. Wir fragten natürlich nach Präzisierung und als keine Antwort kam entschieden wir uns für den EPCOT-Park im Walt Disney World. Als wir soeben den Eintritt bezahlt hatten (wiederum 100 Franken pro Person) folgte dann noch die Antwort des besagten P.S.: Ausser dem EPCOT-Park haben ihm alle besuchten Parks sehr gut gefallen. Na toll. Dieser Park war dann auch ein wenig eine Enttäuschung, respektive war das Ganze wohl doch eher für wirkliche Kinder gedacht, nicht für Erwachsene, welche sich gerne wie Kinder benehmen. Dass es knapp 35 Grad heiss war, machte den Besuch nicht unbedingt erträglicher und so hatte man den Park schneller als geplant besichtigt. Bei der Grösse des Parks heisst das, dass man „nur“ sechs Stunden benötigte. So blieb immerhin noch genügend Zeit, um das Abendprogramm des vorherigen Tages zu wiederholen. Anderer Kurs, gleiche Anzahl Bahnen, selber Sieger, Fragen?

Der letzte Tag war dann DER Adventure-Tag. Unser Ziel waren die Universal Filmstudios, auf deren Gelände sich gleich zwei verschiedene Vergnügungsparks befinden. Da wir auf den Geschmack gekommen waren, besuchten wir gleich beide Parks und wir wurden nicht enttäuscht, trafen wir doch sogar Homer und Bart Simpson (die echten!) und den Terminator, konnten als Men In Black Aliens abknallen und eine Reise mit dem unglaublichen Hulk und den duellierenden Drachen unternehmen. Ach, war das schön. Als die Parks neun Stunden nach unserer Ankunft schlossen, wären wir gerne noch ein, zwei Stündchen länger geblieben. Dies war natürlich nicht möglich und so ging es zurück ins Hotel zum packen.

Das weitere Programm wurde ganz spontan entschieden und so geht es von Orlando aus los an die Golfküste. Der Vorteil an dieser Seite von Florida ist sicherlich, dass man sich nicht mehr einölen muss; einmal ins Wasser und gut ist.



New York, New York

17 05 2010

Nachdem ich bereits soviel gelesen und gehört habe über DIE Weltmetropole im Osten der USA, stand nun endlich auch für mich der erste Besuch von New York City auf dem Programm. Hier beginnt meine zweite USA-Reise in diesem Jahr; dieses Mal allerdings habe ich ein Opfer gefunden, welches mich für drei Wochen durch den östlichen Teil der Vereinigten Staaten begleitet. Da diese Person – verständlich, bei dem was alles bereits so geboten wurde – unerkannt bleiben will, wird in den folgenden Zeilen sowie allen weiteren Artikeln einfach das Pseudonym André verwendet.

Unsere Reise begann bereits mit einigen Hindernissen. Wurde der Flug von Zürich nach Paris noch ohne Probleme gemeistert, mussten am Charles-de-Gaulle-Airport bereits die unglaublich guten Französisch-Kenntnisse hervorgegraben werden. Der isländische Vulkan mit dem unaussprechbaren Namen hatte ganze Arbeit geleistet und in Paris, wo unser Flugzeug nach New York starten sollte, herrschte Chaos. Zwar hätte ich einen Platz im Flugzeug gehabt, doch André hätte erst Stunden später starten können. Irgendwann einigten wir uns mit der Fluggesellschaft auf zwei Plätze in einem späteren Flugzeug, und als wir dafür mit EUR 300 pro Person entschädigt wurden, war der Ärger auch nicht mehr ganz so gross.

Mit sieben Stunden Verspätung wurde New York dann erreicht und im Vergleich zum letzten Mal musste man auch bei der Immigration nicht anstehen. Auf dem Weg zum Gepäckband erspähte ich meinen Namen auf einer grossen Informationstafel mit dem Hinweis, ich solle mich doch bei einem Mitarbeiter melden. Das verhiess nichts Gutes. Man beschied mir, dass mein Gepäck irgendwo falsch abgebogen sei und ich mich beim nächsten Schalter der Fluggesellschaft (ja, ok, hier ist der Name: AIR FRANCE) melden solle. Mein Reisepartner konnte sein Glück kaum fassen, dass nur mein Gepäck nicht da war, doch als auch das letzte Gepäckstück auf dem Rollband seinem Koffer überhaupt nicht glich, war auch diese Freude vorbei. Wir beide in New York, mein Gepäck angeblich noch in Paris, Andrés Gepäck momentan unauffindbar. Mit diesem Status machten wir uns nach einem langen Tag auf Richtung Hotel, wo wir ca. 25 Stunden nach Tagwache endlich ankamen.

Gleich am ersten Morgen wurde das Empire State Building angesteuert, das zurzeit höchste Gebäude New Yorks. Von der 102. Etage (ca. 370 Meter über Boden) hat man einen umwerfenden Ausblick über ganz Manhattan und New York. Nur dumm, dass wir nicht die Einzigen mit dieser Idee waren und so dauerte der Besuch doch ein wenig länger als geplant. Egal, die Aussicht und eine Mitgliedschaft im „Elite 102 Club“ entschädigt für alles. Der Rest des Tages wurde dann dem Erkunden der Region rund um den Times Square sowie dem Shopping gewidmet. Die nicht angekommenen Gepäckstücke bescherten uns je $100, welche wir auf Kosten der Fluggesellschaft in neue Kleider investieren durften. Nichts einfacher als das. Am Abend stand dann echte amerikanische Kultur auf dem Programm: ein Baseball-Spiel. Besucht wurde die Partie zwischen den New York Mets und den Washington Nationals. Spätestens da bereute ich, dass ich anstatt einer Jacke – ich denke für solche Fälle wären die $100 eigentlich gedacht gewesen – ein paar Shorts und T-Shirts gekauft habe. Tja, selbst schuld. Coolness geht natürlich vor Wohlbefinden. War schon immer so.

Nach dem obligaten Frühstück im Starbucks (Starbucks hier, Starbucks da, Starbucks, Starbucks, Starbucks – I’m lovin it) ging es am Dienstag auf zu den nächsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ground Zero, New York Stock Exchange, Freiheitsstatue, Central Park… Es gibt soviel zu sehen, dass wir ein ziemlich gedrängtes Programm hatten und ehe wir uns versahen, war es bereits Mittwoch. Immerhin waren wir inzwischen im Besitz unseres Gepäcks.

Aufgrund der Wetterprognosen haben wir für diesen Tag den Museumsteil eingeplant (ja, liebe Leute, wir haben geplant). Überhaupt sollte dieser Tag der sogenannte „Kulturtag“ werden. Da ich mich am Morgen fühlte, wie wenn ich noch 20 wäre, entschied ich mich kurzerhand für Jogging im Central Park. Dies hat zwar rein gar nichts mit Kultur zu tun und ich denke nicht, dass dies jemanden interessiert, aber es ist doch so aussergewöhnlich, dass es hier Erwähnung finden muss. Weitere Details wie dass ich nach 30 Minuten bereits wieder zurück war (inkl. Starbucks), bei meinem noch im Bett liegenden Mitreisenden, lasse ich hier mal unerwähnt.

Der wahre Kulturtag sollte in einem Museum starten, vor dessen Eingang die Schlange so ziemlich der Strecke entsprach, die ich bei meinem Morgenlauf zurückgelegt hatte. So wurde kurzfristig umgeplant und das berühmte Guggenheim-Museum angesteuert. Hey, war das interessant. Abersowasvon. Noch nie in unserem Leben haben wir $18 sinnvoller ausgegeben. Um möglichst schnell zu vergessen, machten wir uns gleich auf ins Metropolitan Museum of Art, dem grössten Kunstmuseum der Vereinigten Staaten. Der Vorteil: Da es so gross ist, hatte es doch einige Sachen, welche auch meinem Geschmack entsprachen. Nach diesen Eindrücken beschäftigten wir uns noch den ganzen Nachmittag mit kontemporärer Fotokunst und vielleicht sind einige dieser hochqualitativen Werke schon bald an dieser Stelle zu bestaunen. Der Kulturtag fand seinen Höhepunkt dann im Besuch des Green-Day-Musicals (was es nicht alles gibt!) am Broadway. Die Musik war ganz nett, die Story FF. Den Abend liess man dann ganz newyorkerisch in einigen der unzähligen Jazzclubs in NYC ausklingen.

Da unser Hotel, trotz 27 Etagen, komplett ausgebucht war und man unserem Wunsch für eine Verlängerungsnacht nicht entsprechen konnte, war der vierte Tag bereits unser letzter in New York. Da der Vorabend nicht allzu kurz war, fiel das Aufstehen dementsprechend schwer und man verliess das Hotel nicht vor dem Mittag. Nachdem die letzten Must-Sees-and-Dos abgehakt wurden, blieb eben noch Zeit, um die grandiose Gala des FC Luzern gegen den BSC YB live im TV (Internet) mitzuerleben. Es soll hier nochmals geschrieben stehen: EUROPAPOKAL!!

Dies war dann so ziemlich die letzte Tat in New York. Die Stadt wäre gross genug gewesen um noch einen, zwei, drei oder auch hundert Tage anzuhängen, doch warten noch weitere Perlen auf uns. Bevor es in Richtung Florida geht, werden wir noch in der Geschichte der USA wühlen und ein paar historische Stätten besuchen. Hier erfährt man bald mehr.



Fotos Argentinien/Uruguay/Chile

8 05 2010


Back again

6 05 2010

Nachdem ich den letzten Artikel noch (fast) am Ende der Welt verfasst habe, bin ich nun bereits seit vorgestern zurück in der Heimat. Dahin war’s aber ein langer Weg…

Noch während des Verfassens meines letzten Blog-Artikels, habe ich eine weitere Meinung zum Thema Spontaneität gehört. Per (ausserordentlichem) Zufall gesellte sich eine Irin zu mir, welche mal als Reiseberichtautorin gearbeitet hat. Ohne dass ich ihr gesagt habe, worum es sich in meinem Blogartikel handelt, hat sie mir ihr Leid erklärt, welches (sinngemäss) mit dem Satz begann, dass sie ihr Leben lang nie mehr eine Reise machen werde, bei welcher alles im Voraus gebucht sei. Die Dame wird in Buenos Aires einen zweimonatigen Kurs besuchen und hatte vorher 14 Tage Ferien, welche sie mit 9 Tage Wandern in El Calafate und 5 Tage Wellness in einem Ort namens Bariloche, ein wenig nördlich von El Calafate, verbringen wollte. Hotels und Flüge waren gebucht, doch leider konnte sie augrund des Kollegen Eyjafjallajökull nicht wie geplant fliegen und musste sechs Tage auf ihren Flug von Paris nach Buenos Aires warten. Die neuntägigen Wanderferien wurden auf zwei Tage reduziert; hingehen musste sie trotzdem, das Hotel war ja gebucht. Nun sassen wir also da am Flughafen und der Flug wurde bereits wieder um drei Stunden verschoben. Hinzu kam, dass ein Gerücht eines Streiks des Flugpersonals die Runde machte, was nicht unbedingt darauf schliessen liess, dass überhaupt noch geflogen wird. Und tatsächlich: Nach stundenlangem Warten wurde der Flug schlussendlich gestrichen. Na toll. Ich regte mich ein wenig auf, doch zum Glück kostete mein Hotel, welches ich für die Nacht in Buenos Aires noch schnell gebucht hatte, nicht USD 200 pro Nacht, wie das Wellnesshotel meiner Gesprächspartnerin. Sie war so ziemlich angepisst, vor allem da es drei Tage lang keinen Direktflug mehr gab zu ihrem Bestimmungsort. Das heisst, dass sie zusätzlich noch den riesigen Umweg über Buenos Aires machen musste. Shit happens! 

Nach einer Gratisnacht in einem ****-Hotel in El Calafate ging es dann am nächsten Morgen doch noch weiter nach Buenos Aires. Dort blieb ich allerdings nur für eine Nacht, bevor es mit dem Bus weiter ging nach Santiago de Chile. Was auf der Weltkarte nicht nach grosser Distanz ausschaut, ist in Wirklichkeit eine 22stündige Busfahrt. Diese war aber grandios. In Argentinien wird der Fernbusverkehr in der Regel mit sehr luxuriösen Fahrzeugen betrieben. Dabei werden die angebotenen Sitze normalerweise in drei Klassen unterteilt: Normal, Halbbett und Bett. Von einem anderen Pärchen aus der Schweiz habe ich erfahren, dass die Halbbett-Klasse in der Regel absolut genüge und sehr angenehm sei. Bei meiner Busbuchung habe ich dann entdeckt, dass es in meinem gewählten Busunternehmen noch eine vierte Kategorie gibt: Royal Suite. Ich zögerte nicht lange und buchte den letzten von sechs Royal-Suite-Plätzen im Bus. Das kostete mich ganze 20 Franken mehr als die Bett-Klasse, also um die 90 Rappen pro Stunde. Der Service und die Ausstattung hielten dann, was der Name versprach. Der Sitz konnte zu einem Bett umfunktioniert werden, auf dem man sich ganz ausstrecken konnte, man hatte seinen eigenen TV mit DVD-Player und zum Essen und Dessert gabs gratis Wein und Champagner. Ausserdem hatte jeder Royal-Suite-Gast sein eigenes Abteil, welches mit einem Vorhang abgetrennt werden konnte. Dazu kam, dass die Fahrt, nachdem man mehr als 12 Stunden quer durch Argentinien gecruist war, vor der Grenze zu Chile so richtig spektakulär wurde. Von Mendoza, der letzten grösseren Stadt auf argentinischem Boden, waren es zwar nur noch 350 Kilometer nach Santiago, doch die Fahrt dauerte acht Stunden. Die Strasse führte über die Anden und das Panorama mit der Morgensonne war überwältigend. Irgendwo auf einer Passhöhe wurde dann die sehr gründliche Grenzkontrolle durchgeführt und bald erreichte man Santiago de Chile.

Dies würde also meine letzte Station sein, ich hatte noch vier Nächte zur Verfügung. In Buenos Aires wurde mir von vielen Leuten abgeraten, zu viel Zeit in Santiago zu planen. Die Stadt wurde fast unisono als langweilig beschrieben. Bereits kurz nach der Ankunft tauschte ich jedoch das „langweilig“ gegen gemütlich. Santiago ist weniger hektisch und weniger aufregend als Buenos Aires, aber es ist wirklich ganz gemütlich. Die Fussgängerzonen sind weniger überfüllt und den Kern der Stadt kann man locker zu Fuss erkunden.

Mein erster ganzer Tag, der Freitag, wurde vor allem damit verbracht, in der Stadt umher zu schlendern und die billigen Preise zu bestaunen. Shopping wurde jedoch auf „später“ vertagt. Am nächsten Tag, dem 1. Mai, machte ich mich frühmorgens, sprich gegen neun, auf in Richtung Stadtzentrum. Die Stadt war wie ausgestorben, nur an jeder (an jeder!) Strassenecke standen mindestens fünf Polizisten in Vollmontur. Rund um den Hauptplatz in der Stadt war alles abgeriegelt und Hunderte von Polizisten standen bereit. Ich hatte keine Ahnung wieso, denn ich war praktisch der Einzige Nicht-Polizist auf der Strasse. Bereits im Vorfeld habe ich gewusst, dass der 1. Mai in Südamerika (zumindest sicher in Argentinien und Chile) ein hoher Feiertag ist. An diesem Tag finden zum Beispiel auch keine Fussballspiele statt. Meine Vermutung: Die Polizisten werden andersweitig gebraucht. Dass an diesem 1. Mai jegliche Geschäfte geschlossen haben, soweit habe ich jedoch nicht gedacht. Auch die Suche nach einem Restaurant gestaltete sich schwierig; mindestens 98% der gesehen Restaurants hatten geschlossen, das einzig offene war ein Burger King. Na toll. Es wurde nichts mit Shopping (dies galt auch für den nächsten Tag, da dies ein Sonntag war) und nicht mal ein richtiges Essen lag im Rahmen des Möglichen. Ich machte mich ziemlich schnell wieder auf zurück zum Hostel und habe somit wohl die 1.-Mai-Krawalle verpasst, von welchen ich erst am nächsten Tag im Fernsehen erfahren habe. Zürich ist ein Kindergeburtstag dagegen.

Das letzte Highlight meiner Reise erlebte ich dann an meinem allerletzten Abend in Chile. Da in meinem Hostel der Sonntagabend bereits vollständig ausgebucht war, wechselte ich in ein Hotel. Als man es sich abends um halb zehn vor dem TV gemütlich gemacht hatte, klopfte es an der Zimmertür, was mich aber unbeeindruckt liess, da ich den Weg vom Bett zur Tür nicht unbedingt auf mich nehmen wollte. Es war ein grosses Zimmer. Das Klopfen wollte jedoch nicht stoppen und als ich mich auf den Weg machte, merkte ich, dass meine Füsse ziemlich nass wurden. Ich spazierte in einem See. Vor der Türe standen der Hotelmanager und die Putzfrau, welche mich auf Spanisch zutexteten. Nachdem ich zu erkennen gab, dass ich nicht ganz verstanden hätte, brachte er mir bei, dass es im Laden unter meinem Zimmer von der Decke tropfe. Die nächsten 30 Minuten verbrachten sie mit Wasser aufnehmen und putzen in meinem Zimmer und ehrlich gesagt, schauten sie nicht sehr amüsiert. Es darf gesagt sein, dass es nicht mein Fehler war. Die Toilettenspülung war defekt und pumpte unaufhörlich Wasser, bis alles überflutet war. Ok, vielleicht hätte ich es merken dürfen.

Ein kleines Highlight zum Abschluss und am nächsten Tag ging es ab Richtung Flughafen und ich machte mich auf die Heimreise. Knappe 21 Stunden später landete ich, nach Zwischenstopps in São Paulo und Amsterdam, in Zürich und geniesse nun die regnerischen Tage in der Schweiz. Die gute Nachricht: Allzu viele werden es nicht sein, denn bereits in drei Tagen geht es wieder los. Start spreading the news…