Back again
6 05 2010Nachdem ich den letzten Artikel noch (fast) am Ende der Welt verfasst habe, bin ich nun bereits seit vorgestern zurück in der Heimat. Dahin war’s aber ein langer Weg…
Noch während des Verfassens meines letzten Blog-Artikels, habe ich eine weitere Meinung zum Thema Spontaneität gehört. Per (ausserordentlichem) Zufall gesellte sich eine Irin zu mir, welche mal als Reiseberichtautorin gearbeitet hat. Ohne dass ich ihr gesagt habe, worum es sich in meinem Blogartikel handelt, hat sie mir ihr Leid erklärt, welches (sinngemäss) mit dem Satz begann, dass sie ihr Leben lang nie mehr eine Reise machen werde, bei welcher alles im Voraus gebucht sei. Die Dame wird in Buenos Aires einen zweimonatigen Kurs besuchen und hatte vorher 14 Tage Ferien, welche sie mit 9 Tage Wandern in El Calafate und 5 Tage Wellness in einem Ort namens Bariloche, ein wenig nördlich von El Calafate, verbringen wollte. Hotels und Flüge waren gebucht, doch leider konnte sie augrund des Kollegen Eyjafjallajökull nicht wie geplant fliegen und musste sechs Tage auf ihren Flug von Paris nach Buenos Aires warten. Die neuntägigen Wanderferien wurden auf zwei Tage reduziert; hingehen musste sie trotzdem, das Hotel war ja gebucht. Nun sassen wir also da am Flughafen und der Flug wurde bereits wieder um drei Stunden verschoben. Hinzu kam, dass ein Gerücht eines Streiks des Flugpersonals die Runde machte, was nicht unbedingt darauf schliessen liess, dass überhaupt noch geflogen wird. Und tatsächlich: Nach stundenlangem Warten wurde der Flug schlussendlich gestrichen. Na toll. Ich regte mich ein wenig auf, doch zum Glück kostete mein Hotel, welches ich für die Nacht in Buenos Aires noch schnell gebucht hatte, nicht USD 200 pro Nacht, wie das Wellnesshotel meiner Gesprächspartnerin. Sie war so ziemlich angepisst, vor allem da es drei Tage lang keinen Direktflug mehr gab zu ihrem Bestimmungsort. Das heisst, dass sie zusätzlich noch den riesigen Umweg über Buenos Aires machen musste. Shit happens!
Nach einer Gratisnacht in einem ****-Hotel in El Calafate ging es dann am nächsten Morgen doch noch weiter nach Buenos Aires. Dort blieb ich allerdings nur für eine Nacht, bevor es mit dem Bus weiter ging nach Santiago de Chile. Was auf der Weltkarte nicht nach grosser Distanz ausschaut, ist in Wirklichkeit eine 22stündige Busfahrt. Diese war aber grandios. In Argentinien wird der Fernbusverkehr in der Regel mit sehr luxuriösen Fahrzeugen betrieben. Dabei werden die angebotenen Sitze normalerweise in drei Klassen unterteilt: Normal, Halbbett und Bett. Von einem anderen Pärchen aus der Schweiz habe ich erfahren, dass die Halbbett-Klasse in der Regel absolut genüge und sehr angenehm sei. Bei meiner Busbuchung habe ich dann entdeckt, dass es in meinem gewählten Busunternehmen noch eine vierte Kategorie gibt: Royal Suite. Ich zögerte nicht lange und buchte den letzten von sechs Royal-Suite-Plätzen im Bus. Das kostete mich ganze 20 Franken mehr als die Bett-Klasse, also um die 90 Rappen pro Stunde. Der Service und die Ausstattung hielten dann, was der Name versprach. Der Sitz konnte zu einem Bett umfunktioniert werden, auf dem man sich ganz ausstrecken konnte, man hatte seinen eigenen TV mit DVD-Player und zum Essen und Dessert gabs gratis Wein und Champagner. Ausserdem hatte jeder Royal-Suite-Gast sein eigenes Abteil, welches mit einem Vorhang abgetrennt werden konnte. Dazu kam, dass die Fahrt, nachdem man mehr als 12 Stunden quer durch Argentinien gecruist war, vor der Grenze zu Chile so richtig spektakulär wurde. Von Mendoza, der letzten grösseren Stadt auf argentinischem Boden, waren es zwar nur noch 350 Kilometer nach Santiago, doch die Fahrt dauerte acht Stunden. Die Strasse führte über die Anden und das Panorama mit der Morgensonne war überwältigend. Irgendwo auf einer Passhöhe wurde dann die sehr gründliche Grenzkontrolle durchgeführt und bald erreichte man Santiago de Chile.
Dies würde also meine letzte Station sein, ich hatte noch vier Nächte zur Verfügung. In Buenos Aires wurde mir von vielen Leuten abgeraten, zu viel Zeit in Santiago zu planen. Die Stadt wurde fast unisono als langweilig beschrieben. Bereits kurz nach der Ankunft tauschte ich jedoch das „langweilig“ gegen gemütlich. Santiago ist weniger hektisch und weniger aufregend als Buenos Aires, aber es ist wirklich ganz gemütlich. Die Fussgängerzonen sind weniger überfüllt und den Kern der Stadt kann man locker zu Fuss erkunden.
Mein erster ganzer Tag, der Freitag, wurde vor allem damit verbracht, in der Stadt umher zu schlendern und die billigen Preise zu bestaunen. Shopping wurde jedoch auf „später“ vertagt. Am nächsten Tag, dem 1. Mai, machte ich mich frühmorgens, sprich gegen neun, auf in Richtung Stadtzentrum. Die Stadt war wie ausgestorben, nur an jeder (an jeder!) Strassenecke standen mindestens fünf Polizisten in Vollmontur. Rund um den Hauptplatz in der Stadt war alles abgeriegelt und Hunderte von Polizisten standen bereit. Ich hatte keine Ahnung wieso, denn ich war praktisch der Einzige Nicht-Polizist auf der Strasse. Bereits im Vorfeld habe ich gewusst, dass der 1. Mai in Südamerika (zumindest sicher in Argentinien und Chile) ein hoher Feiertag ist. An diesem Tag finden zum Beispiel auch keine Fussballspiele statt. Meine Vermutung: Die Polizisten werden andersweitig gebraucht. Dass an diesem 1. Mai jegliche Geschäfte geschlossen haben, soweit habe ich jedoch nicht gedacht. Auch die Suche nach einem Restaurant gestaltete sich schwierig; mindestens 98% der gesehen Restaurants hatten geschlossen, das einzig offene war ein Burger King. Na toll. Es wurde nichts mit Shopping (dies galt auch für den nächsten Tag, da dies ein Sonntag war) und nicht mal ein richtiges Essen lag im Rahmen des Möglichen. Ich machte mich ziemlich schnell wieder auf zurück zum Hostel und habe somit wohl die 1.-Mai-Krawalle verpasst, von welchen ich erst am nächsten Tag im Fernsehen erfahren habe. Zürich ist ein Kindergeburtstag dagegen.
Das letzte Highlight meiner Reise erlebte ich dann an meinem allerletzten Abend in Chile. Da in meinem Hostel der Sonntagabend bereits vollständig ausgebucht war, wechselte ich in ein Hotel. Als man es sich abends um halb zehn vor dem TV gemütlich gemacht hatte, klopfte es an der Zimmertür, was mich aber unbeeindruckt liess, da ich den Weg vom Bett zur Tür nicht unbedingt auf mich nehmen wollte. Es war ein grosses Zimmer. Das Klopfen wollte jedoch nicht stoppen und als ich mich auf den Weg machte, merkte ich, dass meine Füsse ziemlich nass wurden. Ich spazierte in einem See. Vor der Türe standen der Hotelmanager und die Putzfrau, welche mich auf Spanisch zutexteten. Nachdem ich zu erkennen gab, dass ich nicht ganz verstanden hätte, brachte er mir bei, dass es im Laden unter meinem Zimmer von der Decke tropfe. Die nächsten 30 Minuten verbrachten sie mit Wasser aufnehmen und putzen in meinem Zimmer und ehrlich gesagt, schauten sie nicht sehr amüsiert. Es darf gesagt sein, dass es nicht mein Fehler war. Die Toilettenspülung war defekt und pumpte unaufhörlich Wasser, bis alles überflutet war. Ok, vielleicht hätte ich es merken dürfen.
Ein kleines Highlight zum Abschluss und am nächsten Tag ging es ab Richtung Flughafen und ich machte mich auf die Heimreise. Knappe 21 Stunden später landete ich, nach Zwischenstopps in São Paulo und Amsterdam, in Zürich und geniesse nun die regnerischen Tage in der Schweiz. Die gute Nachricht: Allzu viele werden es nicht sein, denn bereits in drei Tagen geht es wieder los. Start spreading the news…
Kategorien : Reiseberichte