Wären wir gefahren?

01.04.2010: Brasilien, Copa do Brasil, CA Paranaense – Sampaio Corrêa FC 2:0 (0:0), Estádio Joaquim Américo Guimarães, Curitiba, 13222 Zuschauer

Am Donnerstag durfte dann der zweite Klub aus Curitiba, der Clube Atlético Paranaense, sein Cupspiel austragen. Obwohl der Gegner, Sampaio Corrêa aus São Luís, national nur in der Série D spielt, kam Atlético im Hinspiel nicht über ein 1:1 hinaus. Die Ausgangslage war also resultatmässig die selbe wie am Tag zuvor, dennoch war Atlético natürlich haushoher Favorit.

Der Clube Atlético Paranaense entstand im Jahre 1924 aus einer Fusion der beiden Klubs Internacional FC und América FC und wurde zugleich zum ärgsten Konkurrent von Coritiba im Staate Paraná. Insgesamt konnte man die Staatsmeisterschaft 22mal gewinnen und ist somit die klare Nr. 2 hinter Coritiba. National spielt man seit 1996 durchgehend in der Série A und konnte 2001 den ersten und bisher einzigen Meistertitel feiern. 2005 stand man zudem im Finale der Copa Libertadores, verlor dieses jedoch gegen den São Paulo FC.

Der Gegner aus São Luís ist zwar mit 28 Staatsmeisterschaften die erfolgreichste Mannschaft aus dem Bundesstaat Maranhão, doch hat dieser Staat keine national bedeutenden Mannschaften. Die beste Zeit hatte Sampaio Corrêa in den 70er und 80er-Jahren als man acht Saisons in der Série A spielen konnte. 1998-2002 gab es ein kurzes Gastspiel in der Série B, doch diese Zeiten sind wohl vorbei. Letzte Saison stieg man aus der Série C ab und spielt 2010 nur noch viertklassig. Somit ist der gesamte Bundesstaat Maranhão nicht mehr in den ersten drei Ligen vertreten.

Das Heimstadion des Clube Atlético Paranaense ist das Estádio Joaquim Américo Guimarães, welches von 2005-2008 als Kyocera Arena bekannt war. Diesem Namen nach kann man bereits entnehmen, um was für eine Art Stadion es sich handelt. Die „Arena“ wurde erst 1999 eröffnet und ist eine dieser modernen All-Seater, welche man heutzutage bereits vielfach in Europa sehen kann. In Brasilien ist dies aber klar das modernste Stadion, was sich wohl mit der WM 2014 ändern dürfte. Aktuell haben im Stadion, welches auf drei Seiten über zwei gedeckte Ränge und auf der einen Längsseite über einen ungedeckten Rang verfügt, 28000 Personen Platz. Da hier in vier Jahren allerdings WM-Spiele ausgetragen werden, wird die Stadionkapazität in naher Zukunft auf 40’000 erweitert.

Von Beginn weg merkte man, wer der Oberklassige ist. Sampaio hatte nicht den Hauch einer Chance, lediglich deren Torhüter machte das Spiel seiner Karriere (nein, ich habe vorher noch kein Spiel von ihm gesehen, aber wenn er jemals so gehalten hätte wie heute, würde er definitiv nicht bei einem Série-D-Klub in Brasilien spielen!). Nur ihm und dem Unvermögen der Atlético-Stürmer in einigen Situationen ist es zu verdanken, dass es zur Pause noch 0:0 stand und die Heimmannschaft nicht mit vier, fünf oder sechs Toren in Front lag. Das Team aus São Luís hatte in der ersten Halbzeit nicht einen Schuss zu verzeichnen. Die 2. Halbzeit begann so wie die erste endete, ausser dass auch endlich das Tor getroffen wurde. Bereits in der 1. Minute nach Wiederanpfiff ging Atlético in Front. In der Folge verpasste man es jedoch, das Skore zu erhöhen, unter anderem wurde ein Elfmeter neben das Tor gesetzt. Plötzlich spielte nun auch der Unterklassige mit (mussten wohl zuerst Kräfte schonen, bevor sie nach einer Stunde den ersten Torschuss zu Stande brachten), und da deren Torhüter weiter sensationell hielt, blieb es bis zum Schluss spannend. In den letzten 5 Minuten war man dem Ausgleich nahe, doch anstatt dessen konnte Atlético in der Nachspielzeit einen Konter zum 2:0 abschliessen. Weniger souverän als erwartet zieht Paranaense ins 1/8-Finale ein.

Die Atlético-Fans machten anständig Stimmung und vor dem Spiel und in der Pause waren paar grosse Fahnen zu sehen. Lediglich in der 1. Halbzeit war ich auf den „Stehplätzen“ auf der Gegentribüne positioniert und konnte das Geschehen auf den Rängen mitverfolgen. Zur 2. Halbzeit verzog ich mich in den Oberrang hinter dem Tor und sass so genau oberhalb der Heim-Supporter. So konnte ich die Torjubel zwar nicht sehen, doch laut war es alleweil. Ausserdem waren auch einige Leute mehr anwesend als beim Coritiba FC am Tag zuvor. Moderne Stadien scheinen Leute anzuziehen…

Bei der Distanz von mehr als 3000 Kilometer an einem Donnerstag Abend ist es verständlich, dass Auswärtsfans rar waren. Wären „wir“ gefahren? Der abgegrenzte Gästeblock war mit Ausnahme von Polizisten und Hunden komplett leer, doch auf der Tribüne daneben waren vereinzelte Fans mit einem Dress der Auswärtsmannschaft zu sehen. Wohl Sympathisanten aus der Umgebung…

Alles in allem ein gemütliches Spiel für einen Donnerstag Abend und für einmal war auch das Gezeigte auf dem Platz (zumindest von 12 Akteuren) ganz ansprechend.

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