Fussball in Korea

 06.12.2009: Südkorea, K-League, Playoff-Final-Rückspiel, Jeonbuk Hyundai Motors FC – Seongnam Ilhwa Chunma FC 3:1 (2:0), Jeonju World Cup Stadium, Jeonju, 36246 Zuschauer

K-League Finale 2009: Jeonbuk Hyundai Motors FC - Seongnam Ilhwa Chunma FC

Ein bisschen mehr als eine Stunde vor dem Spiel traf ich beim imposanten Stadion ein. Das Jeonju World Cup Stadium, auch Jeonju Castle genannt, befindet sich ca. 12 Kilometer vom Bahnhof entfernt ausserhalb der Stadt. Das Stadion wurde von 1999-2001 erbaut als eines der 10 südkoreanischen Stadien, in welchen die Spiele der Fussball-WM 2002 stattfanden. Seither dient das Stadion als Heimstadion für den Jeonbuk Hyundai Motors FC. Das Stadion verfügt über eine Kapazität von ca. 43′000 Plätzen und hat eine sehr eigenwillige Form; wurde aber unlängst von den südkoreanischen Fussball-Fans zum schönsten Stadion des Landes gewählt. Nach ein paar Fotos kaufte ich mir ein Ticket der teursten Kategorie für umgerechnet 13 Franken, und betrat das Stadion, welches erstaunlich schlecht gefüllt war, sollte doch heute das absolute Endspiel der K-League stattfinden.

Das Heimteam hatte dabei die Möglichkeit seinen ersten Meistertitel seit der Gründung 1994 zu erringen. Auf nationaler Ebene hatte man bisher 3 Cupsiege errungen, international war man mit dem Gewinn des Cupsiegercups 2002 sowie der Champions League 2006 ungleich erfolgreichreicher. Der Gegner aus Seongnam hatte da schon bisschen mehr vorzuweisen, sind sie doch Rekordmeister Südkoreas. Dennoch war Jeonbuk der Favorit, da sie die reguläre Saison auf Platz 1 beendeten. Seongnam erreichte Rang 4, aufgrund des komplexen Playoff-Verfahrens in Südkorea konnten sie dennoch den Final erreichen. Dazu brauchten sie jedoch 3 Siege in den vorherigen drei Playoff-Spielen, währenddessen Jeonbuk ein Freilos fürs Finale hatte. Das Hinspiel in Seongnam endete vor 21′000 Zuschauern mit 0:0.

Eine halbe Stunde vor Spielbeginn deutete nichts darauf hin, dass diese Zuschauerzahl heute übertroffen werden könnte. Der Saisonschnitt von Jeonbuk lag bei 14′000 Zuschauern, was überdurchschnittlich ist für diese Liga. Eigentlich schade bei diesen grossen Stadien. Kurz vor Spielbeginn änderte sich jedoch die Szenerie und das Stadion füllte sich ganz ordentlich. Die Heimsupporter machten auch ordentlich Lärm, was sich die folgenden 90 Minuten nicht ändern sollte. Auch eine Choreo und ein paar Fackeln fehlten nicht in der “Curva Nord”. Auswärtssupporter waren lediglich ca. 300 am Start. Enttäuschend.

Das Spiel war ganz ansehnlich und nach ca. 20 Minuten ging Jeonbuk durch einen direkt verwandelten Freistoss völlig verdient mit 1:0 in Führung . Kurz vor der Pause konnten sie auf 2:0 erhöhen und im Stadion war die Hölle los. Seongnam war bis dahin nur beim Reklamieren existent, zweimal allerdings wohl zurecht, als zwei Handspiele im Jeonbuk-Strafraum ungeahndet blieben. Wer weiss, was gewesen wäre…

Egal. Die Pause wurde zwecks Aufwärmen (es war wirklich scheisse kalt, wie froh wäre ich gewesen, hätte es irgendwo Fanartikel wie Schals gegeben) in der Herrentoilette verbracht. Halbzeit 2 ging dann mit ganz grossem Kino los. Nach nur 2 Minuten liess der 6. Offizielle (5 waren auf dem Platz) zwei Seongnam-Spieler wegen ständigem Meckerns auf die Tribüne verweisen. Diese waren aber gar nicht einverstanden und so entstand ein Unterbruch. Während dieses Unterbruches wurde einer der vier Schiedsrichter-Assistenten anscheinend von einem Gegenstand aus dem Gästeblock getroffen und verletzt. Das Spiel stand vor dem Abbruch, das Schiedsrichter-Quintett versammelte sich im Mittelkreis zur Beratung. Anscheinend stand aber zu viel auf dem Spiel und das Spiel wurde weitergeführt. Nach 70 Minuten konnte Jeonbuk mittels Penalty auf 3:0 erhöhen und die Sache war gelaufen. Der Anschlusstreffer war nur noch Resultatkosmetik. Auf den Rängen wurde wie wild der erste Meistertitel gefeiert und ich freute mich, dass ich hoffentlich bald irgendwo in der Wärme sein würde.

 

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