Fussball interessiert uns nicht

18.07.2010: Kambodscha, Cambodian League, Wat Phnom FC – Chhma Khmao FC 3:3 (2:1), Phnom Penh National Olympic Stadium, Phnom Penh, 1200 Zuschauer

Zum Abschluss des Wochenendes stand das eigentliche Highlight der Runde auf dem Programm, auch wenn man dies aufgrund der Tabellenränge acht und zehn (gleichbedeutend mit dem drittletzten und letzten Platz) nicht unbedingt erahnen könnte. Zieht man jedoch in Betracht, dass das „Heimteam“ in den letzten drei Spielen zwölf Gegentore kassiert hat und das bemitleidenswerte Chhma Khmao im gleichen Zeitraum sogar noch zehn Gegentore mehr (jawohl, richtig gerechnet, 22 Tore in den letzten drei Spielen), durfte man ein wahres Torfestival erwarten.

Das Spiel begann dann auch recht verheissungsvoll, doch bald musste ich einsehen, dass schwache Defensiven nicht automatisch Tore garantieren, wenn die Offensivkräfte nichts wert sind. So gab es zwar Chance um Chance, doch der erfolgreiche Torabschluss fehlte noch. Dies änderte sich nach knapp einer halben Stunde auf äusserst kuriose Weise. Nach einem katastrophalen Fehlpass eines Chhma Khmao-Verteidigers begab sich ein Wat Phnom-Angreifer mit dem Ball Richtung Tor. Unverständlicherweise hob der Linienrichter die Fahne und zeigte eine Abseitsposition an. Der Schiedsrichter hatte jedoch gesehen, dass der Ball vom gegnerischen Spieler kam und pfiff die Partie nicht ab. Trotzdem blieben alle stehen, da die Fahne des Linienrichters immer noch oben war. Wild gestikulierend zeigte der Schiedsrichter „weiterspielen“ an. Nach einigen Sekunden reagierte der Stürmer am schnellsten, nahm den Ball, umkurvte die verdutzten Verteidiger und schob ohne Mühe zum 1:0 ein. Eine herrliche Szene, welcher natürlich heftige Proteste der Gegner folgten. Ohne Erfolg. Unsereins hingegen fühlte sich vier Jahre zurück versetzt und wähnte sich in Hannover. Kaum war der Ball wieder im Spiel zahlten sich dann auch die Bemühungen von Chhma Khmao aus und weniger als zwei Minuten nach dem 1:0 fiel der Ausgleich. Auch dieses Resultat hielt jedoch nur sieben Minuten und noch vor der Halbzeit konnte die Heimmannschaft erneut jubeln.

Nach der Pause ging zunächst mal nicht viel. Das erhoffte Torfestival blieb aus. Erst eine Viertelstunde vor Schluss konnte sich ein weiterer Spieler in die Torschützenliste eintragen. Die im Rückstand liegenden Tabellenletzten durften einen Elfmeter ausführen, welcher sicher zum 2:2 verwandelt wurde. Der Jubel fiel jedoch bescheiden aus, denn Wat Phnom war klar überlegen und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie wieder das Führungstor erzielten. Dachten alle. Doch nur zwei Minuten nach dem Elfmeter ging Chhma Khmao sensationell mit 2:3 in Führung. Nun riesiger Jubel bei den Spielern. Sollte es nach 14 Niederlagen in den ersten 15 Saisonspielen doch noch die Punkte 4-6 geben? Nein. Denn die Führung hielt nur fünf Minuten. Das 3:3 fiel dann wiederum ziemlich kurios. Eine Kopfballrückgabe des Verteidigers zum Torhüter war so schlecht getimt, dass der heranbrausende Stürmer fast an den Ball kam und der Torhüter diesen in der letzten Sekunde nur noch wegfausten konnte. Dummerweise nur bis zum Kopf des Stürmers, von welchem der Ball ins Tor prallte. Dumm gelaufen. Aber nach einem 0:7, einem 0:6 und einem 1:9 darf man ein 3:3 sicherlich als Erfolg werten.

Der Zuschaueraufmarsch war wie in den ersten drei Spielen wiederum bescheiden. Dennoch waren bei diesem Spiel mit Abstand am meisten Leute im Stadion. Nebst den in den letzten Spielberichten erwähnten Joggern, welche dank des schönen Wetters sehr zahlreich erschienen sind, waren heute noch weitere Sportler im Stadion zugegen. Auf den obersten Stufen sammelten sich mehrere Gruppen, welche ein Fitnessprogramm absolvierten. Aus Lautsprechern tönte Musik, sowie die Stimme des Anführers und im Takt hüpften alle mit, währenddessen unten auf dem Rasen das Spiel lief. Ein legendärer Anblick. Insgesamt waren mehr als tausend Personen im Stadion, wovon wohl die Hälfte sich dem Spiel widmeten. Für die anderen galt: Fussball interessiert uns nicht.

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