So macht Fussball Spass

17.07.2010: Kambodscha, Cambodian League, Naga Corp FC – Khemara Keila FC 4:3 (2:1), Phnom Penh National Olympic Stadium, Phnom Penh, 500 Zuschauer

Am heutigen Samstag fanden die ersten zwei der vier Spiele dieses Wochenendes in der Cambodian League, der höchsten Liga Kambodschas, statt. Das Land ist nicht unbedingt für starke Fussballer bekannt und so gehört denn die kambodschanische Nationalmannschaft auch zu den acht schlechtesten Teams in Asien. Dass man in der WM-Qualifikation das Heimspiel gegen Turkmenistan nur mit 0:1 verlor, wurde bereits als grosser Erfolg gewertet. Verständlich, wenn man in den letzten 50 Länderspielen 14mal fünf oder mehr Tore kassiert hat.

Alle Spiele der Cambodian League werden im Phnom Penh National Olympic Stadium in der Hauptstadt ausgetragen. Der Name ist ein wenig trügerisch, fanden die Olympischen Spiele doch noch nie in Kambodscha statt. Das Stadion wurde anfangs der 60er Jahre für die Südostasienspiele 1963 erbaut, welche dann aufgrund politischer Unruhen in Kambodscha aber abgesagt wurden. Dumm gelaufen. Seither wurde das Stadion anscheinend nie renoviert und befindet sich heute in einem baufälligen Zustand. Dennoch wird die 50’000 Personen fassende Anlage, welche auch noch eine Schwimmhalle sowie eine Sporthalle beinhaltet, von Einheimischen häufig für jegliche Art von sportlichen Aktivitäten genutzt.

Per Tuk-Tuk machte ich mich auf zum Stadion, welches zwei Kilometer ausserhalb des Stadtzentrums befindet. Dort angekommen staunte ich nicht schlecht über die grosse Anzahl Fahrzeuge sowie über den Lärm, welcher mir entgegenkam. Ich stieg die wenigen Treppen hoch, um mich kurze Zeit später in einer prall gefüllten Halle zu befinden. Irgendwas war da falsch. Ich war mitten in einem Volleyball-Spiel gelandet und die Zuschauer jubelten bei jedem Punkt wie blöd. Das ganze machte einen spannenden Eindruck; ich jedoch blieb nicht lange, sondern machte mich auf die Suche nach dem Eingang zum Fussballstadion, welcher wenig später gefunden wurde.

Das erste Spiel dieses Wochenendes war auch gleich das TV-Spiel der 15. Meisterschaftsrunde. Der Meister der vergangenen Saison und aktuelle Spitzenreiter, Naga Corp FC, traf auf den siebtplatzierten Khemara Keila FC. Die höchste Liga Kambodschas besteht aus zehn Teams, welche eine Hin- und Rückrunde bestreiten. Die vier besten Teams qualifizieren sich für die Playoffs, welche dann im KO-System ausgespielt werden. Naga Corp, in dieser Saison noch ungeschlagen, konnte sich mit einem Sieg heute definitiv für die Playoffs qualifizieren, während die „Auswärtsmannschaft“ keine Chance mehr auf einen Rang unter den ersten vier hat.

Als ich den richtigen Eingang dann endlich gefunden hatte, kam auch schon der erste Schock. An der Kasse teilte man mir mit, dass man keine US-Dollar, welche sonst eigentlich als offizielles Zahlungsmittel am liebsten gesehen werden, annehmen könne. Einheimische Währung hatte ich keine bei mir und so überlegte ich mir, was denn die beste Lösung für diese Situation sei. Als ich nachfragte, ob es denn wirklich nicht ginge, sagte man mir, dass sie meinen Ein-Dollar-Schein schon annehmen können, aber einfach kein Rückgeld für mich hätten. DAS war das Problem. 1 USD war das Doppelte des normalen Eintrittspreises und sie hatten kein USD-Wechselgeld. Als ich den beiden Herren mitteilte, dass sie die restlichen 50 Cents für sich behalten können, war ihnen die Freude regelrecht ins Gesicht geschrieben und ich erhielt mein Eintrittsticket.

Das Spiel ging dann gleich munter los und bereits nach 12 Minuten hatten beide Teams einmal getroffen. Das Niveau war wie erwartet schwach, dies betrifft vor allem das Spieltempo. Da habe ich in der Schweiz schon bessere 3.-Liga-Spiele gesehen. Trotzdem war das Spiel sehr unterhaltsam. Das lag vor allem daran, dass die Abwehrreihen praktisch inexistent waren und sich so Chance um Chance reihte. Es hätte nach den ersten 12 Minuten anstatt 1:1 genausogut 3:3 stehen können – und nein, ich übertreibe nicht! Das dritte Tor fiel dann nach einer halben Stunde als die Favoriten einen Freistoss direkt verwandeln konnten. Halbzeitstand 2:1.

Wie bereits in der ersten Halbzeit lohnte es sich auch in der zweiten Hälfte, von Anfang an dabei zu sein, denn bereits nach 30 Sekunden fiel der Ausgleich. Als ob das nicht genug wäre, beging ein Naga Corp-Spieler nur drei Minuten später ein absolut dämliches Handspiel im eigenen Strafraum, was einen Elfmeter und das 2:3 zur Folge hatte. Diese Führung hielt jedoch nur gerade 10 Minuten stand und nach einer guten Stunde Spielzeit glich Naga Corp bereits wieder aus. Es war ein einziges Hin und Her. Herrlich. So macht Fussball Spass. Die Sensation – die erste Saisonniederlage des Leaders – blieb jedoch aus, man konnte zehn Minuten vor Schluss sogar noch den 4:3-Siegtreffer erzielen. Endstand 4:3. Ach, eigentlich wäre auch ein 8:8 gerecht gewesen.

Nun ja, ich war natürlich hoch erfreut, als ich bereits bei Ankunft einige Schlachtrufe vernahm. Wie sich dann herausstellte, kamen diese jedoch aus der Volleyball-Halle. Auch während des Spiels war in der Halle die Hölle los, währenddem sich die Zuschauer, welche das Fussballspiel verfolgten, vornehm zurück hielten. Einzig bei den Toren wurde applaudiert, ansonsten war nichts los. Selbst die Zuschauerzahl war mit etwa 500 um einiges tiefer als diejenige in der Halle. Jaja, Volleyball-Fan müsste man sein.

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