Krank
19 06 2010Fleissige Besucher meines Blogs werden bemerkt haben, dass der letzte Eintag schon ein bisschen länger zurück liegt. Dies hat (natürlich) einen Grund: Ich bin krank. Nun wird es einige geben, welche sich in ihrer Meinung über mich bestätigt fühlen, doch so ist es nicht gemeint. Ich spiele mit dieser Bemerkung auch nicht auf den letzten Freitag an, welchen ich mit einer Mischung aus Lebensmittelvergiftung und Kopfweh im Bett verbracht habe. Nein, ich bin mit dem WM-Virus infiziert. Mal ehrlich: Woher soll ich die Zeit für einen Blogeintrag nehmen, wenn ich täglich knappe sechs Stunden Fussball schauen muss?
Dabei hat vor drei Wochen noch gar nichts auf die kommende Fussball-WM hingedeutet. Kein Wunder, befand ich mich doch zu diesem Zeitpunkt noch in den USA, wo Fussball nicht unbedingt die wichtigste Rolle in der (Sport-)Welt innehat. Die dritte Woche unserer USA-Reise (ihr erinnert euch, dass ich eine lustige Begleitung bei mir hatte) verbrachten wir (fast) ausschliesslich in Miami Beach. Der im letzten Artikel erwähnte Abstecher an die Golfküste war nur von kurzer Dauer, denn ein unvorhergesehenes Ereignis zwang uns, umzuplanen. Ursprünglich war gedacht, die Tage von Mittwoch bis zu unserem Abflug am Samstag in Miami Beach zu verbringen, doch der „Memorial Day“, welcher am Montag darauf gefeiert wurde und der den Amerikanern ein verlängertes Wochenende bescherte, machte uns einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Die (sonst schon gesalzenen) Hotelpreise in Miami Beach stiegen von Donnerstag bis Montag in die Höhe, so dass man ab ca. USD 500 pro Nacht im Geschäft war. Das war uns dann doch ein bisschen zuviel des Guten. So beschlossen wir, bereits am Montag nach Miami zu reisen und Donnerstag und Freitag noch den kurzen Weg nach Key West auf uns zu nehmen, um zu schauen was dort so los ist. Die Tage in Miami Beach, genauer gesagt in South Beach, dem Stadtteil, in welchem unser ausgewähltes Hotel lag (ok, ich hatte dazu eigentlich nicht allzuviel zu sagen; wäre das gebuchte Hotel nicht an der exakt bestimmten Strasse gelegen, ich hätte jetzt wohl einen Freund weniger), sind so ziemlich schnell erklärt. Frühstück, Strand, Abendessen beim Italiener, überteuerte Drinks „geniessen“, schlafen.
Einzig der Mittwoch bot eine Ausnahme, denn es begann bereits mittags zu regnen. So begab man sich ins grösste Einkaufszentrum Floridas (275 Geschäfte / 223’000 m2), welches sich in der Nähe Miamis befindet. Da am selben Abend noch das Fussballspiel von Miami FC auf dem Programm stand, und sich das Einkaufszentrum genau in der Mitte zwischen Miami Beach und Stadion befand, passte dies tipptopp. Mein Ziel, mit den Einkäufen im dreistelligen Dollar-Bereich zu bleiben, wurde locker erreicht. Dies lag wohl hauptsächlich daran, dass es all die schönen, eleganten, wunderbaren, absolut toll anzuschauenden Schuhe, welche ich auf der Stelle gekauft hätte (alle!), in meiner Grösse nicht gab. Schuhgrösse ist 42 ist also die kleinste Herrengrösse. Darf ich wirklich für meine Füsse bestraft werden? Skandal! Die grösste Überraschung des Tages war jedoch zweifellos als ich (ja, ich ganz alleine, aus freien Stücken) entschied, das Spiel sausen zu lassen, um dafür noch länger in diesem genialen Einkaufszentrum verweilen zu können. Keine Ahnung, welcher Sinn mich zu diesem Zeitpunkt regiert hat, aber ihr hättet mal die absolut erstaunte Reaktion meines Gegenübers sehen müssen, als ich ihm dies mitteilte. So blieb noch genügend Zeit, auch für die daheimgebliebenen Damen was nettes zu kaufen. Man merke jedoch, dass es nicht sonderlich gut ankommt, wenn man Hosen zwei Nummern zu gross nach Hause bringt. Wieso müssen die Amis auch immer eigene Masse haben?
Da sich der kurze Weg nach Key West als drei Stunden Fahrzeit pro Weg herausstellte, blieben wir kurzfristig noch eine Nacht länger in Miami Beach, wo es uns ausgezeichnet gefiel. Der Donnerstag war dann auch der Beginn des Memorial Day Weekends. Was wir da miterlebten, ist in Worten kaum zu beschreiben. Nur soviel: Um dazuzugehören musste man tief in die Tasche greifen. Outfits und Frisuren der meisten Leute waren sichtlich neu, was auch für einige der Fahrzeuge zutreffen dürfte (ok, die sahen vielleicht nur so aus, aber mit meinem Fiat wäre es wohl verboten gewesen, der Strandpromenade entlang zu fahren; und falls nicht, dann zumindest peinlich inmitten dieser Limousinen). Dazu musste natürlich jeder, der was auf sich hielt, eine dicke Zigarre bei sich haben (nicht rauchen, natürlich nur bei sich haben), von den Goldketten (Mehrzahl!) ganz zu schweigen. Schliesslich durften die neuen Nike-Treter nicht das einzig glänzende am Mann sein. Zu krass oder eigentlich schon fast krank – womit wir wieder beim Titel dieses Artikels wären – was da rumlief. Zumindest die Männer, denn die Frauen waren ganz hübsch anzuschauen. Wenn schon für das Äussere ein paar Benjamins draufgehen, darf einem natürlich auch das Geld für die Drinks nicht reuen. Für solch einen legte man an der Bar inzwischen $20 hin und der Eintritt in die (populären) Clubs kostete zwischen USD 300 und 400, wobei immerhin eine Flasche Hochprozentiges inbegriffen ist. Nach langen Diskussionen entschieden wir, den Abend vorzeitig abzubrechen und verdrückten uns ins Hotel, immer noch gestört von den soeben gesammelten Eindrücken. Dass in jener Nacht der Feueralarm defekt war und eine Stunde lange praktisch ununterbrochen hupte, passte zu diesem wirren Abend.
Der darauffolgende Freitag war der letzte komplette Tag in den Staaten. Wir nutzten diesen, um einen Ausflug in den Everglades Nationalpark zu unternehmen. Die Fahrt mit dem Airboat war ebenso amüsant wie das Alligatoren-Wrestling. Nachahmen nicht empfohlen. Autsch! Schlussendlich durfte ich sogar einen schnusligen (nettes Wort, gebe ich zu) Alligator in den Händen halten – unverhältnismässig wagemutig von mir, wenn man bedenkt, dass einige Amerikaner in unserer Gruppe schon beim blossen Anblick eines harmlosen Skorpions flüchteten. Da dieser Ausflug nur einen halben Tag in Anspruch nahm, blieb noch der ganze Nachmittag zum Shoppen! Yeah! Schliesslich hatten wir durch den gestrichenen Ausgang am Vorabend noch je ungefähr USD 500 Budget übrig, welches wir nun verprassen konnten. Zum Glück hatte die Hälfte unserer Zweiergruppe (nein, es war nicht der André) den ultragrossen Koffer mitgenommen und das zulässige Gewicht von 23 kg bei der Hinreise sogar um 7 kg unterschritten. Platz genug. Was für ein Vorteil.
Den definitiven Abschied feierten wir dann am Abend unter dem Motto „typisch USA“, indem wir zuerst in dem feinen Fast-Food-Lokal mit dem goldenen M was essen gingen und nachher noch ein Baseball-Spiel besuchten. Dass der Typ, welcher gleich nach André die Bestellung aufgeben durfte, 150 Chicken Nuggets bestellte (Kostenpunkt USD 30), sei hier nur am Rande erwähnt.
Das war’s dann auch schon, zumindest fast. Die Heimreise verlief zwar weniger spektakulär als die Hinreise, aber nicht minder interessant. Am Flughafen passierte das, was passieren musste. Des Philipps Koffer war zu schwer. Die erlaubten 50 Pfund (22.7 kg) wurden um 10 Pfund überschritten, was bedeutete, dass mein Koffer elf Kilogramm schwerer war als noch drei Wochen zuvor am Flughafen Zürich. Soviel zum Vorteil. Dies sorgte bei André für einen grossen Lacher, bis die werte Dame am Schalter meinte, dass auch er Übergewicht habe (also sein Koffer – haha – Pointen-Alarm!). Wie dumm ich nach dem Umpacken ausgesehen habe, bleibt mein Geheimnis, doch beim zweiten Wiegen zeigte das Gerät exakte 50 Pfund an. Tipptopp. Der Flug von Miami nach New York, wo lediglich eine kurze Zwischenlandung stattfinden sollte, verlief problemlos. Unser Highlight war ganz klar, dass sich auch der legendäre Fussballer Carlos Valderrama an Bord befand. Glauben wir zumindest. Die Verspätung in New York von lediglich zwei Stunden war im Gegensatz zum Hinflug äusserst human und dass ich die ganze Nacht keine Auge schliessen konnte, daran war definitiv nicht der André Schuld. Völlig übermüdet trafen wir schliesslich in Zürich ein. Hinter uns lagen drei Wochen USA mit vielen Überraschungen, viel Freude und noch viel mehr Einkäufen.
Somit wäre auch diese Seite wieder up-to-date, zumindest fast. Denn der Vollständigkeit halber sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass ich bereits wieder abgereist bin. Schliesslich habe auch ich mal Ferien nötig. Aber dazu im nächsten Artikel. Und ja, Satz Nr. 4, vielleicht war er halt eben doch so gemeint…
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