An inconvenient truth
16 12 2009Es muss ca. 2 Jahre oder ein bisschen mehr her sein, seit ich diesen Film (zu deutsch: Eine unbequeme Wahrheit) von Fast-US-Praesident Al Gore ueber die globale Erwaermung geschaut habe. Ich habe mir meine Gedanken ueber die dargelegten Fakten gemacht, genau so wie ich mir Gedanken darueber gemacht habe wie schoen doch Al Gores Villa sein wuerde, deren mehr als 20 Zimmer, der wunderschoene Pool mit beheiztem Poolhaus und dass der Herr dafuer jaehrlich 20 Mal so viel Strom braucht wie ein durchschnittlicher Amerikaner. Wie gesagt, ich habe mir Gedanken gemacht.
Waehrend meiner vier Tage in Tuvalu, habe ich mich ploetzlich wieder an den Titel dieses Films erinnert. Auch hier musste ich einer unbequemen Wahrheit ins Auge sehen. An meinem dritten Tag wollte ich per Mountain-Bike die Hauptinsel Fongafale, auf der ca. 40-50% der Einwohner Tuvalus leben und welche nur ca. 8 km lang ist, erkunden. An der Rezeption beschied man mir, dass es sehr schwer sei in Tuvalu ein Fahrrad zu finden, aber man koenne mir ein Motorbike besorgen, sofern ich in der Lage sei, sowas zu fahren. Ich bejahte natuerlich, obwohl ich weder jemals Toeffli geschweige denn Roller gefahren bin (jawoll, Philipp blieb bis zum Erwerb des Fuehrerscheins eifriger Velofahrer, darum ist er auch heute noch so verdammt gut in Form) und hoffte insgeheim, dass jetzt niemand mit irgend einer 250ccm-Maschine auftauchen wuerde. Ca. 90 Minuten spaeter drueckte man mir die Schluessel in die Hand und vor mir stand ein Roller, wie ihn in der Schweiz bereits 16jaehrige fahren koennen (glaube ich zumindest, obwohl der Tacho bis 120 anzeigte, ich kenne mich da nicht so aus…), also kein Problem fuer mich. Ich versteckte mich hinter dem Haus, um herauszufinden wie man das Ding starten konnte und das klappte auch ziemlich bald und ich machte mich – mit hoechstens 30 km/h zu Beginn, denn Helm traegt hier keiner, nicht mal die Polizei, welche mit Motorraedern unterwegs ist – auf, die Insel zu erkunden.
In diesen paar Stunden sah ich eben die unbequeme Wahrheit, dass Tuvalu ein sehr, sehr armes Land ist. Nicht, dass ich das nicht gewusst haette, denn natuerlich habe ich mich auf das vorbereitet, aber dennoch uebertraf es das, was ich erwartet hatte, um ein Vielfaches. Tuvalu gilt als eines von 49 LDC (Least Developed Countries) weltweit, was umgangssprachlich den sogenannten „Viert-Welt-Laendern“ entspricht. Fuer Westeuropaer wohl nur sehr, sehr schwer vorstellbar, wenn man diese „Haeuser“, welche teilweise seitlich ungeschuetzt gegen Wind und Wetter sind, nicht selbst gesehen hat. Ausserdem versinkt Tuvalu im Dreck, da immer mehr Sachen importiert werden, welche viel Abfall generieren, welcher schlichtwegs nirgends entsorgt werden kann. Alte Autos rosten am Wegesrand dahin und die Hauptstrasse (Tuvalu besitzt ca. 8 km asphaltierte Strasse) wird einfach vom noerdlichen Ende her mit Abfall zugeschuettet, da hoch im Norden niemand wohnt. Ich sah diese Armut, aber dennoch waren praktisch alle Leute, denen ich begegnete, am Strahlen. Denn die Tuvaluaner sind vielleicht arm, wenn man materielle Gueter als Massstab nimmt, doch sind sie sehr reich an Lebensfreude und Stolz.
Dies wird wohl so bleiben, solange es Tuvalu noch gibt. Und dies ist der eigentliche Link zu Al Gores Film. Denn Tuvalu droht zu versinken. Der hoechste Punkt des Landes liegt 5 Meter ueber Meer, der Durchschnitt des Landes 3 Meter. Bei der aktuellen Erhoehung des Meeresspiegels gehen Schaetzungen davon aus, dass Tuvalu zwischen 2040 und 2050 unbewohnbar wird und ca. 20 Jahre spaeter ganz versunken sein wird. Doch sprechen mag hier niemand davon, denn aendern koennen sie selbst das sowieso nicht. Da haben sie wohl recht.
Was ich in den vier Tagen erlebt habe, ist schwierig zusammenzufassen. Am Meisten zu schaffen machte mir schlussendlich wohl die Freundlichkeit aller. Ich war tatsaechlich der einzige Gast im Hotel und wohl einer der einzigen Touristen seit langem. Jeder war ueberfreundlich und alle waren um mich besorgt. Natuerlich war dies freundlich gemeint, doch manchmal fast zu viel. Im Hotel z.B. wurde ein Fruehstuecksbuffett mit frisch gemachten Omeletten (ca. 20 Stueck), selbst gemachtem Kuchen, Poulet und Fisch nur fuer mich hergerichtet (haette ich denn alles essen sollen?) und 4 Angestellte kuemmerten sich waehrend des ganzen Morgenessens um mich. Wie gesagt, manchmal fast zu viel, aber dennoch probierte ich natuerlich so viel wie moeglich zurueckzugeben. Auf jeden Fall habe ich freundliche Leute, eine wunderschoene Insel mit einer unglaublichen Lagune, welche die Farbe je nach Tageszeit aendert und ganz viel Armut am selben Ort innert kuerzester Zeit erlebt und dieses Erlebte werde ich wohl nicht so schnell vergessen. Fotos habe ich auch gemacht, sobald ich mal die Moeglichkeit zum Hochladen habe, werde ich das natuerlich tun.
Gestern Dienstag hiess es dann auschecken und als ich dies tun wollte, wurde mir mitgeteilt, dass mein Flug nach Suva auf den Fidschi-Inseln gecancelt sei, wegen einem dort herrschenden Zyklon. Man wisse nicht, wann der naechste Flug gehe, denn normalerweise wird Tuvalu nur 2mal woechentlich angeflogen. Dies stellte mich vor ein logistisches Problem, denn einerseits hatte ich einen Anschlussflug in Suva nach Nadi, ebenfalls Fidschi, und andererseits hatte ich schlichtweg zu wenig Geld, um weiter auf Tuvalu zu bleiben. Denn man wisse, in ganz Tuvalu gibt es keinen einzigen Bancomaten, also alles Geld, dass man braucht muss man mitnehmen. Nur Bares ist Wahres, Kreditkarte ein Fremdwort.
So war ich ein paar Stunden nervoes, doch schlussendlich startete mein Flieger, wenn auch mit massiver Verspaetung. Die „positive“ Nachricht dann waehrend des Fluges. Der Flughafen Suva war ueberflutet und geschlossen, wir wurden nach Nadi umgeleitet. Somit war wenigstens dieses Problem geloest. Ich sollte dann eigentlich weiter an die Coral Coast, zwei Busstunden von Nadi entfernt, doch da alle Busse bereits weg waren, bin ich jetzt halt die naechsten Tage wieder in Nadi, wie bereits vor meinem Tuvalu-Aufenthalt.
Der Zyklon ist inzwischen vorueber, nur ist heute bereits der dritte Tag ohne Strom im Resort und es sieht nicht danach aus, als ob die das so schnell in den Griff kriegen wuerden. Tja, that’s Fiji-Time. Wuerde doch nur die Klimaanlage funktionieren…
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