Back again

6 05 2010

Nachdem ich den letzten Artikel noch (fast) am Ende der Welt verfasst habe, bin ich nun bereits seit vorgestern zurück in der Heimat. Dahin war’s aber ein langer Weg…

Noch während des Verfassens meines letzten Blog-Artikels, habe ich eine weitere Meinung zum Thema Spontaneität gehört. Per (ausserordentlichem) Zufall gesellte sich eine Irin zu mir, welche mal als Reiseberichtautorin gearbeitet hat. Ohne dass ich ihr gesagt habe, worum es sich in meinem Blogartikel handelt, hat sie mir ihr Leid erklärt, welches (sinngemäss) mit dem Satz begann, dass sie ihr Leben lang nie mehr eine Reise machen werde, bei welcher alles im Voraus gebucht sei. Die Dame wird in Buenos Aires einen zweimonatigen Kurs besuchen und hatte vorher 14 Tage Ferien, welche sie mit 9 Tage Wandern in El Calafate und 5 Tage Wellness in einem Ort namens Bariloche, ein wenig nördlich von El Calafate, verbringen wollte. Hotels und Flüge waren gebucht, doch leider konnte sie augrund des Kollegen Eyjafjallajökull nicht wie geplant fliegen und musste sechs Tage auf ihren Flug von Paris nach Buenos Aires warten. Die neuntägigen Wanderferien wurden auf zwei Tage reduziert; hingehen musste sie trotzdem, das Hotel war ja gebucht. Nun sassen wir also da am Flughafen und der Flug wurde bereits wieder um drei Stunden verschoben. Hinzu kam, dass ein Gerücht eines Streiks des Flugpersonals die Runde machte, was nicht unbedingt darauf schliessen liess, dass überhaupt noch geflogen wird. Und tatsächlich: Nach stundenlangem Warten wurde der Flug schlussendlich gestrichen. Na toll. Ich regte mich ein wenig auf, doch zum Glück kostete mein Hotel, welches ich für die Nacht in Buenos Aires noch schnell gebucht hatte, nicht USD 200 pro Nacht, wie das Wellnesshotel meiner Gesprächspartnerin. Sie war so ziemlich angepisst, vor allem da es drei Tage lang keinen Direktflug mehr gab zu ihrem Bestimmungsort. Das heisst, dass sie zusätzlich noch den riesigen Umweg über Buenos Aires machen musste. Shit happens! 

Nach einer Gratisnacht in einem ****-Hotel in El Calafate ging es dann am nächsten Morgen doch noch weiter nach Buenos Aires. Dort blieb ich allerdings nur für eine Nacht, bevor es mit dem Bus weiter ging nach Santiago de Chile. Was auf der Weltkarte nicht nach grosser Distanz ausschaut, ist in Wirklichkeit eine 22stündige Busfahrt. Diese war aber grandios. In Argentinien wird der Fernbusverkehr in der Regel mit sehr luxuriösen Fahrzeugen betrieben. Dabei werden die angebotenen Sitze normalerweise in drei Klassen unterteilt: Normal, Halbbett und Bett. Von einem anderen Pärchen aus der Schweiz habe ich erfahren, dass die Halbbett-Klasse in der Regel absolut genüge und sehr angenehm sei. Bei meiner Busbuchung habe ich dann entdeckt, dass es in meinem gewählten Busunternehmen noch eine vierte Kategorie gibt: Royal Suite. Ich zögerte nicht lange und buchte den letzten von sechs Royal-Suite-Plätzen im Bus. Das kostete mich ganze 20 Franken mehr als die Bett-Klasse, also um die 90 Rappen pro Stunde. Der Service und die Ausstattung hielten dann, was der Name versprach. Der Sitz konnte zu einem Bett umfunktioniert werden, auf dem man sich ganz ausstrecken konnte, man hatte seinen eigenen TV mit DVD-Player und zum Essen und Dessert gabs gratis Wein und Champagner. Ausserdem hatte jeder Royal-Suite-Gast sein eigenes Abteil, welches mit einem Vorhang abgetrennt werden konnte. Dazu kam, dass die Fahrt, nachdem man mehr als 12 Stunden quer durch Argentinien gecruist war, vor der Grenze zu Chile so richtig spektakulär wurde. Von Mendoza, der letzten grösseren Stadt auf argentinischem Boden, waren es zwar nur noch 350 Kilometer nach Santiago, doch die Fahrt dauerte acht Stunden. Die Strasse führte über die Anden und das Panorama mit der Morgensonne war überwältigend. Irgendwo auf einer Passhöhe wurde dann die sehr gründliche Grenzkontrolle durchgeführt und bald erreichte man Santiago de Chile.

Dies würde also meine letzte Station sein, ich hatte noch vier Nächte zur Verfügung. In Buenos Aires wurde mir von vielen Leuten abgeraten, zu viel Zeit in Santiago zu planen. Die Stadt wurde fast unisono als langweilig beschrieben. Bereits kurz nach der Ankunft tauschte ich jedoch das „langweilig“ gegen gemütlich. Santiago ist weniger hektisch und weniger aufregend als Buenos Aires, aber es ist wirklich ganz gemütlich. Die Fussgängerzonen sind weniger überfüllt und den Kern der Stadt kann man locker zu Fuss erkunden.

Mein erster ganzer Tag, der Freitag, wurde vor allem damit verbracht, in der Stadt umher zu schlendern und die billigen Preise zu bestaunen. Shopping wurde jedoch auf „später“ vertagt. Am nächsten Tag, dem 1. Mai, machte ich mich frühmorgens, sprich gegen neun, auf in Richtung Stadtzentrum. Die Stadt war wie ausgestorben, nur an jeder (an jeder!) Strassenecke standen mindestens fünf Polizisten in Vollmontur. Rund um den Hauptplatz in der Stadt war alles abgeriegelt und Hunderte von Polizisten standen bereit. Ich hatte keine Ahnung wieso, denn ich war praktisch der Einzige Nicht-Polizist auf der Strasse. Bereits im Vorfeld habe ich gewusst, dass der 1. Mai in Südamerika (zumindest sicher in Argentinien und Chile) ein hoher Feiertag ist. An diesem Tag finden zum Beispiel auch keine Fussballspiele statt. Meine Vermutung: Die Polizisten werden andersweitig gebraucht. Dass an diesem 1. Mai jegliche Geschäfte geschlossen haben, soweit habe ich jedoch nicht gedacht. Auch die Suche nach einem Restaurant gestaltete sich schwierig; mindestens 98% der gesehen Restaurants hatten geschlossen, das einzig offene war ein Burger King. Na toll. Es wurde nichts mit Shopping (dies galt auch für den nächsten Tag, da dies ein Sonntag war) und nicht mal ein richtiges Essen lag im Rahmen des Möglichen. Ich machte mich ziemlich schnell wieder auf zurück zum Hostel und habe somit wohl die 1.-Mai-Krawalle verpasst, von welchen ich erst am nächsten Tag im Fernsehen erfahren habe. Zürich ist ein Kindergeburtstag dagegen.

Das letzte Highlight meiner Reise erlebte ich dann an meinem allerletzten Abend in Chile. Da in meinem Hostel der Sonntagabend bereits vollständig ausgebucht war, wechselte ich in ein Hotel. Als man es sich abends um halb zehn vor dem TV gemütlich gemacht hatte, klopfte es an der Zimmertür, was mich aber unbeeindruckt liess, da ich den Weg vom Bett zur Tür nicht unbedingt auf mich nehmen wollte. Es war ein grosses Zimmer. Das Klopfen wollte jedoch nicht stoppen und als ich mich auf den Weg machte, merkte ich, dass meine Füsse ziemlich nass wurden. Ich spazierte in einem See. Vor der Türe standen der Hotelmanager und die Putzfrau, welche mich auf Spanisch zutexteten. Nachdem ich zu erkennen gab, dass ich nicht ganz verstanden hätte, brachte er mir bei, dass es im Laden unter meinem Zimmer von der Decke tropfe. Die nächsten 30 Minuten verbrachten sie mit Wasser aufnehmen und putzen in meinem Zimmer und ehrlich gesagt, schauten sie nicht sehr amüsiert. Es darf gesagt sein, dass es nicht mein Fehler war. Die Toilettenspülung war defekt und pumpte unaufhörlich Wasser, bis alles überflutet war. Ok, vielleicht hätte ich es merken dürfen.

Ein kleines Highlight zum Abschluss und am nächsten Tag ging es ab Richtung Flughafen und ich machte mich auf die Heimreise. Knappe 21 Stunden später landete ich, nach Zwischenstopps in São Paulo und Amsterdam, in Zürich und geniesse nun die regnerischen Tage in der Schweiz. Die gute Nachricht: Allzu viele werden es nicht sein, denn bereits in drei Tagen geht es wieder los. Start spreading the news…



Spontaneität

27 04 2010

Wenn man eine Reise plant, gibt es grundsätzlich zwei extreme Arten der Planung. Die einen machen eine Weltreise und wissen bereits drei Monate im Voraus an welchem Tag sie in welcher Stadt in welchem Hotel sein werden und dann gibt es noch die anderen, die wissen nicht mal, wo sie am nächsten Tag sein werden. Seit jeher gehöre ich zur zweiten Sorte, ab und an wird die erste Sorte sogar ein wenig belächelt. Spontaneität heisst das Zauberwort – ein unglaubliches schönes Wort, nicht nur wegen des überflüssigen Buchstabens an achter Stelle. Damit bin ich eigentlich noch nie schlecht gefahren. Ab und zu „muss“ man vielleicht einen Tag länger an einem Ort bleiben oder aufgrund fehlender Verbindungen eine ungeplante Nacht einlegen (Gruss hierbei an den Belgrader Bahnhof und nach Podgorica), aber irgendwie kommt man schon zum Ziel. Das war schon immer so – bis heute.

Am Samstag habe ich Ushuaia verlassen und bin per Flugzeug nach El Calafate weitergereist. Der Flug mit Aerolineas Argentinas verlief reibungslos, die erneute zweistündige Verspätung hätte allerdings nicht unbedingt sein müssen. El Calafate liegt knapp tausend Kilometer nördlich von Ushuaia, nahe der Grenze zu Chile. Der Grund warum ich dieses Ziel ausgewählt habe, ist der nahe gelegene Parque Nacional Los Glaciares, in welchem sich der Perito-Moreno-Gletscher, eines der Highlights von Patagonien, befindet.  Das Dorf – andere nennen es Kleinstadt- El Calafate liegt einsam und verlassen am Lago Argentino. Eine wunderschöne Lage, aber der einzige Grund, warum es dieses Dorf wohl wirklich gibt, ist der Tourismus. In der Umgebung gibt es ausser dem Nationalpark und dem See so ziemlich nichts, der nächste grössere Ort ist Rio Gallegos 300 Kilometer südöstlich von hier.

Da ich nur noch bisschen mehr als eine Woche Zeit habe, wurde der Nationalparkbesuch gleich gestern Sonntag gemacht. Frühmorgens wurde ich beim Hotel abgeholt und zum Gletscher gefahren. Ein Riesending. Der Perito-Moreno-Gletscher ist ca. 60 km lang, knappe sechs Kilometer breit und ragt bis zu 75 Meter hoch über dem Lago Argentino. Der letzte Gletscher, welcher besucht wurde, der Franz-Josef-Gletscher in Neuseeland, ist im Vergleich zum Perito Moreno eher ein zu gross geratener Eiswürfel denn ein Gletscher.  Meine Tour führte mich zuerst mit dem Boot sehr nahe an den Gletscher heran, bevor es zu Fuss zu den verschiedenen Aussichtspunkten ging. Wow! Als es dann das Wetter nicht mehr so gut meinte, verzog ich mich ins Restaurant und im Verlaufe des Nachmittags ging es zurück zum Hostel.

Gegen Abend fiel mir dann ein, dass ich dann doch mal meine Weiterreise am nächsten Tag planen könnte. Dies war dann der ungemütlichere Teil des Tages. Schon bald merkte ich, dass ich so richtig im Ghetto war. Mein Ziel ist es, spätestens am Freitag in Santiago de Chile,welches doch noch ein wenig nördlich von El Calafate liegt, anzukommen. Die interessanteste Variante dafür hatte ich schon lange im Kopf. Mit dem Bus ginge es von hier innert fünf Stunden nach Puerto Natales in Chile. Dort könnte ich am Montag Abend auf einem Frachtschiff einchecken, welches am Freitag in Puerto Montt anlegen wird. Von diesem Ort sind es dann nur noch tausend Kilometer bis Santiago de Chile, sprich ein zweistündiger Flug oder eine knapp zwölfstündige Busfahrt. Unzählige Reiseberichte habe ich über diese (sehr bekannte) Schifffahrt durch die chilenischen Fjorde gelesen. Viele haben von den positiven Eindrücken geschwärmt, aber ebenso viele haben davor gewarnt, dass dies nun mal kein Kreuzfahrtschiff und der Wellengang zuweilen ziemlich hoch sei und dass die ebenfalls an Bord transportierten Tiere ab und zu seekrank würden, trüge auch nicht unbedingt zu einem guten „Klima“ auf dem Schiff bei. Immer wieder sind mir dabei Szenen von der knapp dreistündigen Überfahrt von Wellington nach Picton im Kopf rumgeschwirrt; eine Schifffahrt, bei welcher ich mich aufgrund der Wellen nicht wirklich wohl fühlte. Will ich wirklich 84 Stunden auf einem Schiff verbringen?

Möglichkeit Nr. 2 wäre mit dem Bus mal in Richtung Norden zu fahren. Ironischerweise hätte ich dafür zuerst mal nach Rio Gallegos müssen, der oben bereits erwähnten Stadt, welche jedoch in südlicher Richtung liegt. Von dort hätte ich eine Verbindung nach Santiago de Chile in mehreren Etappen hingebracht, reine Fahrzeit wäre um die 50 Stunden gewesen.

Und dann gibt es noch Möglichkeit Nr. 3 –  das Flugzeug. Vom stets überfüllten, riesigen, unübersichtlichen Flughafen in El Calafate gibt es pro Tag unglaubliche acht Flüge. Fünf davon nach Patagonien und Feuerland (also in die Regionen, in denen ich mich bereits befinde), die restlichen drei nach Buenos Aires. Der Flug nach Buenos Aires ist nicht unbedingt die billigste, aber natürlich weitaus die bequemste und in Anbetracht der Alternativen auch die logischste Variante. Trotzdem wäre ein Flug zurück nach B.A. für mich wohl die schlimmste aller Möglichkeiten. Dabei geht es mir keineswegs um den Preis – ich habe mich längst damit abgefunden, dass eine Weltreise kein billiges Unterfangen ist, vor allem nicht, wenn man an abgelegene Orte reist -, hier geht es um Sachen wie Stolz, Sturheit und andere so Ego-Dinger. Es muss doch möglich sein, einen Weg aus diesem verfl***ten Kaff zu finden, ohne dabei zurück nach Buenos Aires zu müssen. Vor allem für einen erfahrenen Reisenden wie mich!  Um das geht es.

Nachdem ich gestern Abend mindestens sechs Stunden lang alle möglichen Varianten von vorne nach hinten und unten nach oben durchleutet habe, konnte ich mich immer noch nicht entscheiden. So entschloss ich mich um Mitternacht mal das Busterminal aufzusuchen. Doch auch dieser Besuch brachte mich nicht wirklich weiter und als ich mich morgens um eins ins Bett legte, hatte ich immer noch keinen Plan für heute.

Zumindest wusste ich, dass die Frachtschiffidee nicht mehr in Frage kommen würde, sofern ich nicht vor acht Uhr am Busterminal auftauchen würde, denn der Bus Richtung Chile fährt um halb neun. Natürlich erwachte ich prompt um sieben, was ich eigentlich so erwartet hatte, da ich dieses blöde Schiff immer noch im Kopf hatte. Der Gedanke an den hohen Wellengang führte jedoch dazu, dass ich schnell wieder einschlief.

Als ich mich dann um elf Uhr in Richtung „Stadt“ aufmachte, gab es noch die Möglichkeit des 12.30 Uhr-Busses nach Rio Gallegos sowie dieses widerliche Flugding in die Hauptstadt. Unverbindlich ging ich mal ins Büro der Fluggesellschaft um nachzufragen für welchen Flug es noch Plätze hätte und was das kosten würde. Dabei stellte ich erstaunt fest, dass der Preis um knappe hundert Franken tiefer war als noch am Vortag im Internet gelistet. Das überzeugte mich jedoch immer noch nicht und ich musste eine schwache Minute abwarten, bis mein Ego schliesslich nachgab. Ich kaufte das Ticket für den Flug um 19 Uhr nach Buenos Aires. Dort werde ich wohl ein bis zwei Nächte bleiben, bevor ich die zwanzigstündige Busfahrt nach Santiago de Chile starten werde.

Nun sitze ich hier im Flughafen, wo ich soeben erfahren habe, dass der Flug – wen wundert’s – wieder mal Verspätung hat. Diesmal sollen es drei Stunden sein. Geplante Ankunft in Buenos Aires => morgens um zwei. Hätte ich doch bloss den Bus genommen…



Irreführende Songs führen zu spontanen Entscheidungen, welche fehlerhafte Blogtexte auffliegen lassen – kurz: Dank DJ Buddy in Ushuaia.

23 04 2010

Ladies and Gentlemen, keine Ahnung woran es liegt, aber ich habe eine Schreibblockade. Dies ist wirklich nicht lustig, gemäss Wikipedia kann eine Schreibhemmung (dieses Wort tönt noch besser als Schreibblockade) dazu führen, „dass Leute schon beim Gedanken an die Anfertigung ihrer Arbeit oder beim Anblick ihres Computers oder Bildschirms von körperlicher Übelkeit oder Unruhe befallen werden, und es noch nicht einmal schaffen, ihren Computer oder das Schreibprogramm zu starten.“ Ok, die Schnelldenker haben gemerkt, dass es bei mir noch nicht so weit ist, da ich es offensichtlich geschafft habe, den Computer zu starten. Aber einen passenden Blogtitel hab ich nicht hingebracht.

Nachdem ich entschieden hatte, nicht frühzeitig nach Santiago de Chile zu reisen, ging es darum, für die restlichen zwei Wochen ein passendes Alternativprogramm zusammenzustellen. Als ich meine Reise in Richtung Nordwesten Argentiniens mit einem kurzen Abstecher nach Bolivien fast schon perfekt durchgeplant hatte, kam DJ Buddy ins Spiel. Genau zu diesem Zeitpunkt lief nämlich dessen nervtötender Apres-Ski-Ischgl-Dauerhit „Ab in den Süden“ im Radio (ok, logisch, dass das hier in Argentinien nicht läuft, aber ist irgendwie noch ein guter Aufhänger). Sommer, Sonne, Strand, Sonnenschein ist so ziemlich der ganze Text dieses musikalischen Meisterwerkes und da dies genau das wiederspiegelte, wonach mir der Sinn war, buchte ich anstatt eines Trips in den Norden spontan einen Flug in den Süden. Da dies so richtig spontan war (morgens um halb 3-Style), ging es auch so richtig in den Süden. Mein Ziel hiess Ushuaia. Da diese Stadt nix mit Uschi Glas gemein hat (ey, es ist ne schöne Stadt), bitte immer so aussprechen: Uswaja.

Der Flug von Buenos Aires war für Dienstag Morgen geplant, irgendwann gegen Mittag hoben wir dann auch ab. Keine Ahnung wieso, aber Flugverspätungen sind etwas, was mich jeweils extremst beunruhigt, da ich dann immer das Gefühl habe, dass mit der Maschine was nicht stimmt. Auch die sorglos dreinschauenden Stewardessen konnten mich nicht aufheitern und ich war heilfroh, als wir nach knapp 4 Stunden in Ushuaia landeten. Der Anflug erinnerte mich dann stark an den Trip auf die Färöer-Inseln vor fünf Jahren. Ushuaia ist schon ein wenig Torshavn, einfach in gross.

Die Stadt liegt am südlichsten Zipfel des südamerikanischen Kontinents, auf der „Isla Grande de Tierra del Fuego“, der Hauptinsel des Feuerland-Archipels und gleichzeitig grösste Insel Südamerikas. Mit einer Fläche von 47’200 Quadratkilometern ist die Insel, welche teils zu Argentinen, teils zu Chile gehört, grösser als die Schweiz, besteht jedoch nebst Ushuaia nur aus drei weiteren Siedlungen; einer Stadt und zwei kleinen Dörfern. Ziemlich unbewohnt.

Hauptsächlich gibt es zwei Gründe, wieso es Reisende nach Ushuaia zieht. Der erste Grund: Ushuaia ist die südlichste Stadt der Welt. Der zweite Grund: Die Nähe zur Antarktis macht Ushuaia zum Ausgangsort für die meisten Antarktis-Kreuzfahrten. Leider bin ich nicht wegen des zweiten Grundes hier gelandet, obwohl eine Antarktis-Expedition wohl was vom erlebenswertesten wäre. Solche Fahrten kosten jedoch durchschnittlich zwischen 8’000 und 14’000 US-Dollar (für 1 bis 2 Wochen), was dann doch leicht über meinem Budget liegt. Ausserdem ist die Saison vorbei, hier wird es langsam Winter. Somit sei gesagt: Nix mit Sommer, Sonne, Sonnenschein und Strand (by the way: macht das Sinn nach „Sonne“ noch „Sonnenschein“ zu erwähnen oder ist dies ein aktiver Fall von Pleonasmus?). Danke DJ Buddy. Als ich bei angenehmen 1° C aus dem Flugzeug stieg, war ich kurzzeitig geschockt, denn immerhin war es in Montevideo am Tag zuvor noch 27 Grad warm. Aber man gewöhnt sich schnell dran.

Da ich mir an diesem 20. April auch mal was gönnen wollte, stieg ich ausnahmsweise mal in einem teuren Hotel ab. Man bedenke, dass ich durch die nicht gemachte Antarktis-Kreuzfahrt mehr als 10’000 Franken gespart habe, die kann ich jetzt schliesslich andersweitig ausgeben… 🙂 Als ich später erfahren habe, dass gewisse Hostels Probleme mit der Heizung und kein heisses Wasser zum Duschen haben, freute ich mich umso mehr, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Bei der Entdeckungsreise durch diese Stadt (Ushuaia hat immerhin 75’000 Einwohner), wurde mir dann bewusst, dass ich die Leser dieses Blogs bei einem meiner früheren Beiträge wohl fehlinformiert habe. Ja, dies kann passieren; selbst wenn die Fakten meiner Beiträge besser recherchiert sind als jeder einzelne Artikel der meistverkauften Tageszeitung der Schweiz (ok, I agree, ist nicht schwer). Aber man möge mir verzeihen, denn zu dem Zeitpunkt als ich die neuseeländische Traumstadt Invercargill als „A…. der Welt“ bezeichnet habe, wusste ich auch noch nicht, dass ich knappe drei Monate später am richtigen „A…. der Welt“ sein werde. Here I am. Ende der Welt. So sieht es aus.

Um ehrlich zu sein, muss man auch betonen, dass hier mindestens zehnmal so viel los ist wie in Invercargill. Die Stadt ist voll von Restaurants und Einkaufsläden und im Gegensatz zu Buenos Aires, einer Millionenstadt, habe ich hier sogar ansprechende Bücher in englischer Sprache gefunden. Ushuaia ist sowas von touristisch. Dies alles gilt für die Hauptstrasse. 500 Meter davon entfernt und, again, Ende der Welt, here I am. Mal von den Distanzen abgesehen, ist die Lage Ushuaias nicht von schlechten Eltern. Im Süden der Stadt liegt der Beagle Kanal, von welchem aus die Schiffe in die Antarktis starten und rundherum liegt die Bergkette der Anden. Ein traumhaftes Panorama. Zudem mein Zimmer mit Bergsicht. Wow.

Gebucht wurde vorerst ein Aufenthalt von zwei Nächten, da ich absolut keinen Plan hatte, was es hier zu machen gibt. Umso mehr wusste ich, wie ich meine Reise fortsetzen wollte. Als erstes sollte es weitergehen nach Puerto Williams. Dieses Dorf liegt – man staune – südlich von Ushuaia und wird von einigen als südlichste Stadt der Welt bezeichnet; bei knapp 2000 Einwohnern von einer Stadt zu sprechen, finde ich dann schon ein bisschen vermessen (hierbei ein grüezi an die Städte Lungern und Hildisrieden). Als es dann an die Feinplanung ging, stellte sich heraus, dass diese Weiterreise nicht so einfach zu sein scheint. „Dummerweise“ liegt Puerto Williams auf der chilenischen Seite von Feuerland. Somit ist diese Überfahrt, welche per Boot in ca. einer Stunde gemacht werden könnte, hauptsächlich eine politische Angelegenheit. Dies wirkt sich auch auf die Preise aus. Oder sind umgerechnet 150 Franken für ein bisschen Böötlifahren in einem Land wie Argentinien etwa normal? Keinesfalls. Hinzu kommt, dass der Bootsbetrieb saisonal bedingt bereits eingestellt wurde, es blieb also nur das Flugzeug. Der Flug dauert knappe 15 Minuten ist aber nochmals teurer als das Boot. Kommt hinzu, dass momentan (man ahnt es schon, saisonal bedingt) keine regulären Flüge angeboten werden, aber immerhin hätte ich ein Flugzeug chartern können. Die Idee war extrem reizvoll: Ein Flugzeug für mich alleine chartern, um damit ins südlichste Dorf der Welt zu fliegen. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass ich ja irgendwie wieder von Puerto Williams wegkommen müsste und die oben erwähnten Preise sind alle one-way… Tja, wird nix mit dem Birnentor.

Da es mir hier wirklich gefällt (no joke!) wurde der Aufenthalt inzwischen auf vier Nächte verlängert. Heute Donnerstag stand ein Ausflug in den nahe gelegenen Feuerland-Nationalpark auf dem Programm. Dabei habe ich via Hotel eine geführte Halbtages-Tour gebucht. Erwartet wurde eigentlich ein Reisecar voller Touristen (off-season, aber es wimmelt hier von Leuten), welche dann von Lookout zu Lookout chauffiert werden. Abgeholt wurde ich von einem Jeep, in dem nebst Reiseleiter und Fahrer vier Touristen Platz genommen hatten. Je ein Pärchen aus Brasilien und Spanien, allesamt eingekleidet mit Skianzügen, Wanderschuhen und Rucksäcken. Philipp in Jeans, Turnschuhen und Sommerjacke fehl am Platz? Bereits beim ersten Stop fragte mich der Reiseleiter, ob ich nicht kalt habe und ob ich für die Wanderungen bereit sei. Wanderungen? Hä? Ich antwortete ihm, dass ich aus der Schweiz komme, für uns dieses Wetter normal sei und nicht kalt und Wanderungen noch nie ein Problem gewesen seien. Spätestens jetzt fühlte ich mich fehl am Platz. Aber: Schlussendlich wurde es ein genialer Tag, die Kälte, ca. 3 Grad plus (gemäss Wetterbericht gefühlte -5 Grad) spürte man irgendwann nicht mehr und die Berge, Seen, Flüsse, das Meer, die Füchse und Gänse entschädigten auch für die „Wanderungen“, welche sich als 40- 20- und 15minütige Spaziergänge herausstellten.

Morgen gibt es für mich, sofern das Wetter mitspielt, eine Bootsfahrt auf dem Beagle Kanal, welche sozusagen die „abgesagte“ Überfahrt nach Puerto Williams ersetzen soll. Am Samstag sollte es dann weitergehen, allerdings habe ich noch keine Ahnung wohin (ok, höchstwahrscheinlich Richtung Norden, höhö) – hierher zu kommen war definitiv einfacher als einen vernünftigen Weg zurück zu finden. Tägliche Flüge gibt es zwar, allerdings gehen die nach Buenos Aires. Nun ja, macht das Sinn? Eben.

Irgendwie werde ich den Weg nach Santiago de Chile schon schaffen, immerhin bleibt mir noch mehr als ne Woche Zeit. So lange geniesse ich es in der südlichsten Stadt der Welt, welche viel mehr zu bieten hat als nur diesen Titel.



Einmal über den Fluss und zurück

20 04 2010

Nachdem ich zehn Tage in Buenos Aires verbracht habe, hiess es für mich dann doch Abschied nehmen von dieser (sehen wir mal von einigen Unannehmlichkeiten ab) wunderschönen Stadt. Meine Reise führte mich über den Fluss Río de Plata nach Uruguay. Erstes Ziel im neuen Land war Colonia del Sacramento, ein kleines Städtchen, welches mit der Fähre von Buenos Aires in einer Stunde erreicht werden kann. Das Interessante an dieser Stadt ist wohl vor allem, dass sie der pure Kontrast zu Buenos Aires darstellt. Gerade mal 20’000 Einwohner und praktisch menschenleere Strassen, dazu eine Altstadt (Colonia ist die älteste Stadt Uruguays), in welcher man sich ins 17. Jahrhundert zurückversetzt fühlt. Die Ruhe zu geniessen nach eineinhalb Wochen Buenos Aires hatte doch auch was Schönes. Nachdem die wichtigsten Sachen gesehen wurden und die Sonne langsam am Himmel verschwand, ging es für mich am Abend weiter nach Montevideo, der Hauptstadt Uruguays. Montevideo ist  zwar weitaus kleiner und weniger hektisch als Buenos Aires, mit den vielen historischen Gebäuden und Denkmalen sowie der verschmutzten Luft haben die beiden Städte aber doch auch Ähnlichkeiten. Die relaxte Art gefiel mir auch ziemlich, um ein Wochenende auszuspannen und doch wäre ich hier wohl nicht zehn Tage geblieben. Konnte ich in B.A. ständig neue Sachen entdecken, hat man Montevideo dann doch mal gesehen. Einen Vorteil hat die Stadt dennoch: Sie ist eine der wenigen Weltstädte, welche einige schöne Strände ihr Eigen nennen kann. Leider war es dann zum Baden doch zu kalt (das Wasser meine ich, die 27 Grad Lufttemperatur waren ganz angenehm) und der Río de la Plata ist, nun ja, sagen wir mal, nicht sehr einladend. Die Strände und auch die Promenade können sich jedoch sehen lassen.

Nachdem am Samstag ein erster Stadtrundgang erfolgte, freute ich mich besonders auf den Sonntag. An diesem Tag stand das Fussballspiel zwischen den beiden wichtigsten und erfolgreichsten Klubs des Landes, dem CA Peñarol und dem Club Nacional de Football statt. Das Besondere an dieser Begegnung ist, dass sie jeweils im Estadio Centenario gespielt wird, dem Stadion, in dem vor 80 Jahren (und glaubt mir, man sieht dem Stadion das Alter an) der erste WM-Final überhaupt gespielt wurde und der Gastgeber seinen ersten von bisher zwei WM-Titeln errang. Mit 55’000 Personen im Stadion war auch die Zuschauerkulisse ziemlich ansprechend. Dass das Spiel, welches übrigens weltweit das älteste Fussball-Derby ausserhalb der britischen Inseln sein soll, 0:0 endete, war dabei Nebensache. An diesem Tag galt: Dabei sein ist alles.

Da mir von mehreren Seiten abgeraten wurde, am Wochenende die Altstadt zu besuchen (zu gefährlich), wurde dieser Teil für den Montag geplant. Als ich am Montagmittag dort ankam, war dann allerdings alles gespentisch ruhig und ausser ein paar zwielichtigen Gestalten und (glücklicherweise) massenhaft Polizei war fast niemand auf der Strasse. Auch die meisten Läden hatten geschlossen, was ich darauf zurückführte, dass Siesta-Time war. Mehr durch Zufall erfuhr ich dann, dass heute ein lokaler Feiertag war. So wurde die Zeit halt sonstwie vertrieben und nebenbei die nächsten Tage näher geplant.

Wie im letzten Artikel angetönt, war es schlussendlich eine schwere Entscheidung, wohin die Reise noch führen sollte. Ursprünglich war der Plan eigentlich ziemlich klar. Mein Rückflug startet in zwei Wochen (3. Mai) in Santiago de Chile und der Weg dorthin von Buenos Aires führt einmal quer durch Argentinien. Lediglich 1400 Kilometer, also locker machbar mit zwei Wochen Zeit. Dabei ungefähr drei bis vier Tage vor Abflug in Santiago eintreffen, damit man auch diese Stadt noch erkunden kann. Soweit der Plan. Das Erdbeben in Chile vor einiger Zeit ergab für mich jedoch eine neue Möglichkeit. Durch diese Naturkatastrophe stand das Land einige Zeit still, das galt natürlich auch (ja, einige ahnen es schon) für den Fussball. Schlussendlich führte dies dazu, dass sämtliche Spiele der höchsten Ligen um zwei Wochen verschoben wurden. In Chile gibt es eigentlich nur ein Fussballspiel, welches besonders sehenswert ist. Dasjenige von Colo-Colo gegen die Universidad de Chile. Dieses Spiel war für den 11. April angesetzt. Da nun aber alle Spiele um zwei Wochen verschoben wurden… Genau. Nun ist es natürlich verrückt, den zweiwöchigen Reiseplan nach einem 90 Minuten dauernden Fussballspiel zu richten. Stimmt. Aber das ist nicht irgendein Fussballspiel, das sind Emotionen einer ganzen Nation, fünfzig- sechzig- oder siebzigtausend Fans im Stadion, ein Highlight auf einem Kontinent, für dessen Bewohner Fussball mehr ist als bloss ein Sport. Ja, die, die mich kennen, wissen jetzt wohl, wie ich mich entschieden habe. Nein, Überraschung, ich lasse mich nicht hetzen. Es ist verrückt, den zweiwöchigen Reiseplan nach einem 90 Minuten dauernden Fussballspiel zu richten. Ich fahre nicht hin. Anstatt dessen begebe ich mich per Fähre (dieses Mal auf dem direkten Weg) zurück nach Buenos Aires, wo meine Reise morgen Dienstag zu früher Stunde weitergehen wird. Wohin? Es wird wohl erneut der pure Kontrast zu Buenos Aires sein…



Buenos Aires

16 04 2010

Vor acht Tagen habe ich Abschied von Brasilien genommen. Meine letzte Station im Land des Caipirinhas war jedoch nicht Curitiba, sondern Florianópolis. Die Stadt im Süden ist bekannt für ihre Strände, von denen es in der Region mehrere Dutzend gibt. Mein Aufenthalt am Praia Mole, dem bekanntesten Strand der Umgebung, dauerte vier Tage und eigentlich hätte ich es wissen müssen. Wie bereits in Australien war diese Zeit nämlich geprägt von schlechtem Wetter, schlechtem Wetter und schlechtem Wetter vermischt mit schlechtem Wetter (genau, für jeden Tag eins, gut gemerkt!). Philipp und Strandbesuch; es sollte wohl einfach nicht sein. Ein wenig enttäuscht machte ich mich dann letzten Mittwoch auf den Weg Richtung Buenos Aires. Als Verkehrsmittel wurde dabei das Flugzeug (5 Std.) dem Bus (25 Std.) vorgezogen.

Mit ziemlich genau drei Millionen Einwohnern ist B.A. die mit Abstand bevölkerungsreichste Stadt Argentiniens, jedoch „nur“ Nr. 6 in Südamerika. Ein Grund dafür ist, dass das Stadtgebiet im Vergleich zu anderen Städten flächenmässig ziemlich klein ist. (Buenos Aires hat ca. 1/8 der Fläche von São Paulo). Zählt man die Agglomerationsstädte hinzu ist die Hauptstadt Argentiniens die klare Nummer 2 in Südamerika hinter São Paulo. In der Umgebung leben ca. 13 Millionen Menschen, was in etwa 1/3 der ganzen argentinischen Bevölkerung entspricht! Dabei hätte es doch in diesem riesigen Land genügend Platz…

Seit mehr als einer Woche verweile ich nun also in dieser Stadt, deren Name die aktuelle Luftqualität sehr trügerisch wiedergibt. Der Aufenthalt wäre eigentlich einiges kürzer geplant gewesen, was ein Indiz dafür sein dürfte, dass es mir nicht so schlecht gefällt. Die ersten paar Tage standen vor allem im Zeichen des Fussballs. Buenos Aires ist wahrscheinlich weltweit DIE Fussball-Metropole schlechthin. In der Stadt selbst stehen neun Fussballstadien mit einer Kapazität für 30’000 Zuschauer oder mehr, sechs weitere in der Metropolregion (ausnahmsweise weise ich darauf hin, dass hier kein Anspruch auf Richtigkeit besteht, alles handgezählt). Wenn jemand eine andere solche Stadt kennt, kann er es mir gerne sagen (wenn möglich inklusive Flugverbindungen dorthin). Hinzu kommt, dass 15 der 20 Teams der höchsten argentinischen Liga aus Buenos Aires und Umgebung kommen. Da ein Spieltag hier jeweils auf 3-4 Tage aufgesplittet wird, ist die Möglichkeit gross, an einem Wochenende mehrere Spiele besuchen zu können. Dies tat ich dann auch. Die entsprechenden Berichte werden bald mal aufgeschaltet (natürlich einer nach dem anderen, ich möchte ja niemanden überfordern).

Selbstverständlich gibt es in der „Stadt, die niemals schläft“ (ein Übername, welcher auch von New York und Las Vegas gebraucht wird => abgenutzt) auch noch einiges anderes zu sehen und zu erleben. Um genauer zu sein: nicht nur einiges, sondern vieles. Bekannt ist Argentinien unter anderem für den Tango. So liess ich es mir nicht nehmen, einige Tangoshows anzuschauen. I am sorry, Gabriela, aber für Tangolektionen hat’s dann doch nicht gereicht. Diese Shows waren ganz nett, aber dann doch ein wenig zu touristisch. Die „Verpackung“ hätte genauso gut von einem Animationsteam eines Hotels an einem der Mittelmeerstrände stammen können (where are you from? ooooh, Switzerland, give a round of applause for Switzerland, blabla). Ok, die Rindssteaks, die es dazu gab, waren wohl von leicht besserer Qualität. Zack, der Bogen (nicht die Bohne) zum nächsten Hauptthema der letzten Tage wäre gespannt: ESSEN!! Mal ehrlich? Die einst so geschätzten Rütli-Cordon-Bleus haben knapp die Grösse dessen, was hier ein Mini-Steak genannt wird; und ich meine die grössere Variante der Bleus. Diese Leckereien sind zudem nicht nur von bester Qualität, sondern auch noch spottbillig. Man bedenke, dass meine Unterkunft im touristischen Zentrum der Stadt liegt, und ich nicht unbedingt dazu neige, mich mehr als nötig zu bewegen. Gut kombiniert ergibt das, dass ich eher in der teureren Region esse. Selbst hier schlägt ein Steak (und dieses Mal spreche ich von der grossen Variante = über 500 Gramm) lediglich mit umgerechnet 10 Franken zu Buche. Fantastisch! Allgemein gilt es zu sagen, dass das Leben (demzufolge natürlich auch die Löhne der Einheimischen, das ist mir schon bewusst) in Argentinien billiger ist als in Brasilien, und somit natürlich wesentlich billiger als in der Schweiz. Mit der berühmten HG*π-Methode würde ich behaupten, dass hier im Vergleich zur Schweiz grundsätzlich alles ca. 1/3 kostet. Dies ist natürlich sehr verallgemeinert, trifft jedoch ziemlich genau auf Essen und Getränke zu. Den Rest kann ich nicht wirklich beurteilen. Ok, eine Fahrt mit der U-Bahn kostet ca. 30 Rappen, ein Kilometer Taxifahrt das Doppelte. Brauche wohl nicht zu erwähnen, welches mein liebstes Fortbewegungsmittel war… 🙂

Die ersten Tage habe ich mich also eher dem Fussball und dem Essen gewidmet. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt wurden dabei jeweils per Zufall entdeckt. Eigentlich der viel schönere Weg eine Stadt zu erkunden, als mit dem Reiseguide in der Hand von Must-See zu Must-See zu hetzen. Diese Hetzerei wäre in Buenos Aires wohl besonders anstrengend. Es gibt so viele schöne, bedeutende und historische (ja, ich hab mich tatsächlich in die Geschichte Argentiniens eingelesen, zumindest Basics) Gebäude in dieser Stadt, dass ich wohl mindestens die Hälfte verpasst habe. Da ich am Dienstag, als ich eigentlich meine Reise in Richtung Uruguay fortsetzen wollte, noch lange nicht alles gesehen hatte, entschloss ich mich, einen weiteren (fussballfreien) Tag anzuhängen. Nicht, dass jetzt jemand denkt, dass keine Spiele stattgefunden hätten, aber bisschen Vernunft muss auch sein. Anstatt dessen wollte ich meine Joggingschuhe schnüren, um die Rindssteaks wieder vergessen zu machen. Zu viel Vernunft? Als ich dann mittwochmorgens erwachte, sah ich das Unglaubliche! Es regnete! Eine Woche lang war schönstes Wetter, mit bis zu 27 Grad und ausgerechnet an meinem Jogging-Tag regnet es? Ich suchte das Waterproof-Zeichen auf meinen Schuhen. Vergebens. So war es natürlich viel zu gefährlich (Rutschgefahr!) und ich liess das mit dem Jogging sein.

Leider musste ich auch feststellen, dass eine Stadtbesichtigung bei Dauerregen nicht so das Wahre ist und das Sightseeing wurde um einen Tag verschoben. Da in Buenos Aires leider kein Te Papa vorhanden ist (und 97 von 100 Lesern werden sich nun fragen: „Was meint er mit Te Papa?“), ging ich ins grösste Shopping-Center der Stadt. Die Preise dort waren jedoch gesalzener als das ungeniessbare Brot zum Frühstück und die Menge eingekaufter Ware war gleich Null. Sämtliche gesehenen Markenkleider waren teurer als in den USA. Übel.

Heute Donnerstag dann meteotechnisch wieder das gleiche Bild. Das Thermometer zeigte zudem angenehme 12 Grad als das Haus verlassen wurde; zusammen mit dem Regen eine wunderbare Kombination. Im Verlaufe des Tages wurde es dann ein wenig besser und so konnte ich doch noch ein wenig die Parks, von denen es hier ziemlich viele gibt, geniessen. Mit dem Recoleta-Friedhof wurde zum Abschluss noch eines der grössten Highlights besucht. Obwohl mir ein Friedhof als Highlight einer Stadt zuerst doch ein wenig makaber erschien, muss ich zugeben, dass ich ziemlich beeindruckt war.

Morgen geht es nun endgültig weiter nach Uruguay. Geplant ist zuerst ein Besuch des kleinen Städtchens Colonia del Sacramento. Danach geht’s weiter in die Hauptstadt Montevideo, wo ich bis mindestens montags bleiben werde. Was danach geschieht, ist noch offen. Das Erdbeben in Chile vor nicht allzu langer Zeit hat meinen nicht vorhandenen Reiseplan ziemlich durcheinander gewirbelt. Tönt komisch, ist aber so. Vielleicht werde ich das bei meinem nächsten Blogeintrag erklären, eventuell aber auch nicht. Nur wer wieder reinschaut, wird es je erfahren… 😉



Wenn man Zeit hat…

8 04 2010

Nach dem (viel zu frühen) Abschied aus Foz do Iguaçu ging es per einstündigem Flug weiter nach Curitiba. Die siebtmeist bevölkerte Stadt Brasiliens ist eigentliche keine typische Touristenstadt. Es gibt dort nur wenige Sehenswürdigkeiten und da die Stadt im Landesinnern liegt, sind auch Strände Fehlanzeige. Der Grund warum ich mich dennoch entschieden habe, nach Curitiba zu fliegen, war der Serra Verde Express. Dieser Touristenzug führt in 3 Stunden von Curitiba nach Morretes und soll gemäss diversen Quellen eine der schönsten Zugstrecken der Welt sein.

Mein Plan sah vor, lediglich zwei Nächte in Curitiba zu verbringen, und den einzig ganzen Tag für eben diese Zugfahrt zu verwenden. Der Zug fährt nur einmal täglich, morgens um 8.15 Uhr; deshalb wurde der Wecker auf 7 Uhr gestellt. Da die Nächte in Foz do Iguaçu hauptsächlich von wenig Schlaf geprägt waren, war mir um 7 Uhr aber überhaupt nicht nach aufstehen, und da ich wusste, dass ich die Zugfahrt problemlos einen Tag hinausschieben kann, wurde halt weitergeschlafen. Wenn man Zeit hat… 🙂

So wurde der erste Tag, also eigentlich nur der Nachmittag, mit einer Stadtrundfahrt verbracht. Nebst dem Touristenzug rühmt sich Curitiba vor allem dafür die „grünste“ und innovativste Stadt Brasiliens zu sein. In Zeiten als Umweltschutz und Städteplanung in Brasilien Fremdwörter waren, konzipierte man in Curitiba Pläne wie die Stadt in Zukunft aussehen sollte, und begann den Verkehr zu verringern, die Innenstadt zu entlasten und Pärke zu bauen. Dies war vor mehr als 40 Jahren. Entstanden ist dabei ein gelungenes Projekt und eine Stadt, der man, im Gegensatz zu São Paulo, die Städteplanung auch ansieht. Ausserdem besitzt Curitiba das beste öffentliche Bussystem in Brasilien, auch wenn ich aus den komischen Bushaltestellen bis heute nicht schlau werde, aber die sollen angeblich genial sein. So viel Ruhm für diese nicht sehr bekannte Stadt, welche vom Städteplaner-Kongress (was es nicht alles gibt) vor einiger Zeit als innovativste Stadt der Welt gekürt wurde. Meine Stadtrundfahrt, auf der es doch einiges zu sehen gab, dauerte dann über sechs Stunden und ich war froh, dass ich diese gemacht habe. Der Zug fuhr ja auch am nächsten Tag noch. Ausserdem war dieser nächste Tag Karfreitag, was heisst, dass sowieso alle Geschäfte geschlossen sein würden. Ideal für Tschutschu-Bahn.

Als ich dann Karfreitag erwachte, dachte ich mir, dass eigentlich der Wecker, welcher wiederum auf 7 Uhr gestellt wurde, nächstens klingeln müsste. Als ich meine Armbanduhr konsultierte, sah ich, dass es fünf vor war. Gutes Timing. Moment. Fünf vor was? Fünf vor acht? Shit. Wecker wo? Iphone her! Akku leer… Den 8.15-Uhr-Zug konnte ich getrost vergessen, immerhin konnte ich das Morgenessen gemütlich geniessen. Zurück im Zimmer dämmerte es mir dann, dass an Sonn- und Feiertagen jeweils um 9.15 Uhr ein weiterer Zug (die Luxus-Variante) fährt. Logisch. Im Internet schnell die Preise gecheckt und gemerkt, dass dieser Zug anstatt der von mir geplanten 40 Franken 120 Franken kosten würde. Dafür hat man einige unglaubliche Annehmlichkeiten wie ein eigenes Sofa sowie einen Plasma-Bildschirm, welche die draussen vorbeirauschende Landschaft real-time überträgt. Fragen, ob es Platz hat, kostet ja nichts. Ab zum Bahnhof. Als ich dort ankam, sah ich den Zug noch und wenige Sekunden später war er in Bewegung. Zu spät. Was nun? Variante 1 wäre gewesen, ohne dieses Erlebnis weiterzureisen. Variante 2 noch einen Tag anzuhängen. Tja, wenn man Zeit hat… 🙂

Da ich schon am Bahnhof war, kaufte ich mir gleich das Ticket für den nächsten Tag. In diesem Moment erklärte man mir, dass der Luxuszug zwar wirklich 120 Franken gekostet hätte, aber nur für die Rückfahrt. Die Hinfahrt wäre mit zusätzlichen 160 Franken berechnet worden. Nun dann. Für meinen Zug konnte ich zwischen 1., 2. und 3. Klasse wählen und da mir die 1. Klasse zu teuer war, nahm ich ein 2.-Klass-Ticket. 

Am nächsten Morgen ging es dann, mit zwei Tagen Verspätung, endlich los. Der Zug war mit 20 Wagen ziemlich lang und auch sehr gut gefüllt. Die meisten Insassen waren jedoch brasilianische Touristen. In meinem 60-Platz-Abteil war ich der einzige Nicht-Brasilianer. Während der dreistündigen Fahrt war pro Wagen eine Reiseführerin ständig am erklären, was draussen gerade abging. Bilingualität war dabei leider nur in der 1. Klasse inbegriffen und somit lauschte ich halt den Erklärungen auf Portugiesisch. Während den „Pausen“ setzte sich aber die nette Dame jeweils zu mir und übersetzte mehr oder weniger alles auf Englisch. Top Service!

Die Fahrt war dann nicht ganz so spektakulär, nur die Brasilianer waren alle am ausflippen. Das muss wohl ein Riesen-Highlight sein, zumal Zugfahrten in Brasilien nicht wirklich alltäglich sind. Sobald mal ein Tunnel kam, wurde geschrien und gejubelt, was das Zeug hielt. Ab und zu wurde während der Tunneldurchfahrten das Licht im Wagen abgeschaltet, dann war der Tumult noch grösser und es wurden Fotos geknipst (funktioniert das?) wie wild. Einige Passagen waren aber dann wirklich spektakulär. Die Strecke beginnt in Curitiba auf 935 Metern über Meer und endete auf Meershöhe. Das heisst, dass eine ziemliche Höhendifferenz bewältigt wird und die Viadukte und Brücken waren teils unglaublich hoch und nicht immer sehr vertrauenswürdig, vor allem dann, wenn der Zug breiter war als das schmale Gleis darunter… Da in der kurzen Zeit von 3 Stunden immerhin ein bisschen mehr als 60 Kilometer zurückgelegt wurden, hatte der Zug auch eine unglaubliche Geschwindigkeit drauf. Manchmal huschten all die sehenswerten Sachen so schnell vorbei, dass man sie gar nicht sehen konnte…

In den total sechs Stunden habe ich aber doch einige Eindrücke sammeln können und schlussendlich hat sich der Abstecher gelohnt, auch wenn „eine der schönsten Zugstrecken der Welt“ vielleicht etwas hochgegriffen ist. Aber sowas kann man schon mal machen, wenn man Zeit hat…



Cataratas do Iguaçu

6 04 2010

Von São Paulo ging es weiter ins Landesinnere, genauer gesagt nach Foz do Iguaçu, einer Stadt an der brasilianisch-argentinisch-paraguayanischen Grenze. Dort wartete das absolute Brasilien-Highlight auf mich, die Cataratas do Iguaçu, zu deutsch: Iguazú-Wasserfälle. Die mächtigsten Wasserfälle auf Erden donnern dort auf einer Breite von 2,7 Kilometern nieder. Der grösste Teil der 275 Wasserfälle liegt allerdings auf der argentinischen Seite. So wurde zuerst ein Ausflug über die Grenze unternommen. Nach ein paar Problemen bei der Passkontrolle wartete dann der Iguazú-Nationalpark. Und, was soll ich sagen, es war unglaublich. Solch ein Naturspektakel hab ich wohl noch  nie gesehen. Unsere Tour führte uns dann auch direkt unter den Wasserfällen durch, was zu einem ziemlich nassen Erlebnis führte.

Am nächsten Tag, welcher bereits mein letzter Tag in Foz war, hatte ich dann die Qual der Wahl. Da der Zeitaufwand für die Besichtigung der Wasserfälle meinerseits krass unterschätzt wurde, konnte ich nur noch einen von drei weiteren möglichen Ausflügen vornehmen. Am liebsten wäre ich dabei kurz über die Grenze nach Paraguay gegangen. Dies war aber praktisch nur auf illegale Weise möglich (resp. illegal weit weniger kompliziert als legal – klingt komisch, ist aber so) und das war mir dann doch zu heikel. Ein weiteres Higlight wäre der Itaipú-Staudamm gewesen. Das dort gelegene Kraftwerk war bis 2006 das grösste weltweit. Die Staumauer hat eine Breite von 7.8 Kilometern und eine Höhe von knapp 200 Metern und der Stausee ist mehr als doppelt so gross wie der Bodensee. Nicht schlecht, würde ich sagen. Nur leider interessierte mich ein Staudamm zu wenig.

So entschied ich mich für Variante 3 – die Besichtigung der Wasserfälle von der brasilianischen Seite. Diese Entscheidung habe ich keine Sekunde bereut. Normalerweise heisst es ja: Bilder sagen mehr als tausend Worte, darum hier ein paar Fotos, auch wenn ich das Gefühl habe, dass diese nicht ansatzweise das wiedergeben können, was ich erlebt habe…



Bem-vindo em América do Sul

3 04 2010

 Meine letzten beiden Tage in den USA verbrachte ich unter anderem damit, die nächste Reise zu planen. Trotz einiger Bedenken in sprachlicher Hinsicht, entschloss ich mich, den südamerikanischen Kontinent in Angriff zu nehmen. Dabei interessieren mich einerseits die Städte Buenos Aires, Montevideo und Santiago de Chile, andererseits gibt es dort natürlich auch einige landschaftliche Schönheiten zu sehen.

Nach dem Vergleich unzähliger verschiedener Flugvarianten, entschied ich, die Reise im Süden Brasiliens zu beginnen und buchte einen Flug nach São Paulo. So heisst es anstatt „Bienvenido a Sudamérica“ halt „Bem-vindo em América do Sul“.

Eine Stadt, welche in meinem Travelguide als „berüchtigte Verbrecherhochburg“ mit viel Kriminalität, Verkehrsstaus und Luftverschmutzung bezeichnet wird, in der man häufig Opfer von Raubüberfällen wird, eine solche Stadt muss ja wirklich schön sein. Bereits beim Anflug über São Paulo sah ich in etwa die Ausmasse dieser Metropole. Die Stadt selbst ist grösser als der gesamte Kanton Luzern und mit über 11 Millionen Einwohnern leben dort ziemlich genau eineinhalbmal soviel Leute wie in der ganzen Schweiz. Somit ist São Paulo die weltweit bevölkerungsreichste Stadt ausserhalb Asiens.

Da es bei der Ankunft bereits dunkel, mein Gepäck plötzlich so unglaublich schwer und ich nach der 15stündigen Reise ziemlich müde war, buchte ich ein Taxi zu meiner im voraus gebuchten Unterkunft. Dieses kostete mehr als die drei Übernachtungen zusammen, so wusste ich zumindest, dass ich zurück zum Flughafen eine andere Variante wählen würde. In der Warteschlange war ich dann Nr. 65 und es dauerte nur knapp eine Stunde bis ich endlich ein Taxi besteigen durfte. Aufgrund fehlender Portugiesisch-Kenntnisse meinerseits war eine Kommunikation mit dem Fahrer sowieso nicht möglich und so schlug ich in meinem „Sprechführer“ (der heisst wirklich so) nach, was „Ich bin müde, ich werde jetzt schlafen“ heisst. Problem gelöst. Eine Stunde später war der Philipp wieder wach und wir waren noch immer nicht am Ziel. Zum Glück operieren die Flughafentaxis mit Fixpreisen…

Am nächsten Morgen war ich (wie üblich auf meinen Reisen) wieder zu der unmenschlichen Zeit von 6.30 Uhr wach und machte mich nach dem Frühstück gleich mal auf, um die Stadt zu erkunden. Mein Hostel lag sehr nahe bei der Metro, das heisst im Falle von São Paulo 15-20 Gehminuten. Bewegung ist ja bekanntlich gesund. Die von mir besuchten Plätze waren alle überfüllt mit Leuten (remember 11 Millionen) und so machte das Sightseeing nicht wirklich Spass. Hinzu kommt, dass São Paulo, im Gegensatz z.B. zu Rio de Janeiro, nicht wirklich viele touristische Attraktionen besitzt. So lernte ich die brasilianische Kultur halt kennen, wie es sich gehört – via „Futebol“ und dem ausgezeichneten Essen. Währenddessen ersteres mir eigentlich überhaupt keine Probleme bereitete, hatte ich mit den Speisekarten doch ein bisschen Mühe. Meist hab ich allerdings in etwa das erhalten, was ich erwartet habe, nur als anstatt der (mit meinen hervorragenden Portugiesisch-Kenntnissen übersetzten) „Schweinefleischspiessli an Knoblauchsauce“ eine Platte mit 16 Scheiben Chnobli-Brot (Familienpackung oder was?) serviert wurde, war ich ein wenig überrascht.

Sonntags waren die Strassen dann menschenleer, mit Ausnahme der Plätze, an denen die berühmten Märkte stattfanden. Unglaublich, wie sich die Leute dort durchwursteln und kein Wunder, dass es Taschendiebe hier so leicht haben. So hatte ich von den Strassenmärkten ziemlich bald genug gesehen und schlenderte per pedes ein bisschen durch die Stadt. Gewisse Ecken waren dabei sicherlich nicht für Touristen gedacht und die Armut war ziemlich gut sichtbar. Nicht jedermanns Sache. Um dies zu verdauen ging’s (richtig erraten) wieder zum „Futebol“.

São Paulo war für mich nur als „Tor nach Südamerika“ gedacht, deshalb ging es bereits am Montag Nachmittag weiter.  Zuvor wollte ich allerdings doch noch das eine oder andere Highlight der Stadt sehen und ein paar Fotos knipsen. So ging ich früh raus und teilte die Metro mit den Pendlern. Diese Metro gehört wohl zu den effizientesten der Welt. Sie besteht zwar nur aus 3 Linien mit total 50 Stationen (ein Witz im Vergleich zu bekannten U-Bahn-Netzen wie London oder Paris), aber zu Stosszeiten verkehrt hier ca. alle 40 Sekunden ein Zug pro Richtung. Fantastisch!

So hatte ich in der Metro von São Paulo Montag morgens um acht mehr Platz als im Zug von meinem Wohn- zu meinem Arbeitsort jeweils zur selben Zeit. Mein Ziel an diesem Morgen war der „Edifício Itália“, ein 41stöckiges Gebäude mit Restaurant und Aussichtsterrasse im obersten Stock. Dort angekommen versuchte ich der Dame am Empfang irgendwie klarzumachen, dass ich ins Restaurant möchte, währenddem sie mir probierte zu erklären, dass das Restaurant erst um 12 Uhr öffne. Irgendwann verstanden wir uns. Ein wenig enttäuscht ging ich zurück zum Hostel und erkundigte mich als erstes, wo der Bus zum Flughafen fahren würde. Der Typ von der Reception erklärte mir den Weg. Als erstes zur Metro laufen, dann bis zum Busbahnhof fahren und von dort fährt ca. alle halbe Stunde ein Bus. Dieser benötigt drei Stunden zum Flughafen. Zeitcheck! Shit! 15 Minuten später sass ich im Taxi.

Mein „Plan“ sieht vor, dass ich noch einige Tage in Brasilien verbringen werde, bevor es dann in Richtung Argentinien geht. Dabei möchte ich in den nächsten Tagen zwei absolute Highlights von Südbrasilien besuchen. Man darf gespannt sein.



Fotos Nordamerika, Part II

28 03 2010


Fotos Nordamerika, Part I

28 03 2010