Der Kluge und der Klügere

12 03 2010

Irgendwer hat irgendwo in den Weiten des Internets mal die höchst philosophische Frage gestellt, woran man denn erkenne, ob man selbst klüger sei als jemand anderes. Falls ich mich recht erinnere, hat man sich schlussendlich darauf geeinigt, dass der Term „Klugheit“ eine höchst subjektive Ansicht ist. Finde ich auch. Trotzdem durfte ich am Dienstag wieder mal feststellen, dass ich manchmal eben doch ein bisschen klüger bin als der Durchschnittstourist.

Diesen Dienstag startete ich in einem „Kaff“ namens Oakdale, welches sich selbst die Cowboy-Hauptstadt der Welt nennt, was ich recht amüsant finde. Als ich am Montag Abend allerdings mein Abendessen im dortigen China-Restaurant einnahm, sassen doch tatsächlich Typen in Cowboy-Montur am Tisch, inkl. Cowboyhut. Ob sie die Chäpslipistole dabei hatten weiss ich nicht, aber ich musste mich auch so beherrschen, nicht in Gelächter auszubrechen. Nein, ich getraute mich nicht, Fotos zu machen. Passend dazu hatte ich am selben Morgen Old Sacramento besucht. Dieser Stadtteil der Landeshauptstadt Kaliforniens, welche ausser einem Fluss und dem Regierungssitz nicht allzu viel zu bieten hatte, besteht aus lauter originalen Gebäuden aus dem 19. Jahrhundert und ist die einzige originale „Westernstadt“ dieser Grösse in den ganzen USA. Dort hätten die Cowboys vielleicht hingepasst, aber in ein China-Restaurant? Naja…

Nun aber zurück zum eigentlichen Thema, meinem klugen Dienstag. Ich machte mich bereits morgens kurz nach 7 auf den Weg in Richtung Yosemite National Park, von dem ich lediglich wusste, dass er einer der grössten, bekanntesten und meistbesuchten Nationalparks der USA ist; sowie, dass er rund 2 Stunden von meinem Ausgangsort Oakdale entfernt liegt. Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt näherte ich mich langsam den Bergen, was mich darauf schliessen liess, dass der Nationalpark leicht erhöht liegt. Umso mehr ging ich davon aus, als mir ein Schild weismachen wollte, dass rund 20 Meilen vor dem Nationalpark eine Schneekettenkontrolle stattfinden würde (no joke!), obwohl von Schnee weit und breit nix zu sehen war. Hallo, wir sind in Kalifornien!?! Kurze Zeit später folgten dann auch die Schilder an den unzähligen Tankstellen, dass es hier Schneeketten zu kaufen gäbe („tire chains sold here!“). Genau in diesem Moment machte es „klick“ und mir war klar, dass hier wieder mal ne typische Touristenfalle vorliegt. Ich mochte es, während meines Einkaufs zu beobachten, wie bedepperte Touris überteuerte Schneeketten kauften, weil sie eine Kontrolle erwarteten. Herrlich.

Der Ort, wo dann die Kontrolle stattfinden sollte, wurde natürlich einfach so passiert und die Fahrt durch wunderschöne Landschaft konnte weitergehen. Die Höhenangaben an den Strassenrändern verrieten mir, dass wir die 4000 ft (ca. 1200 m)-Marke erreicht haben und wenig später war die Strasse tatsächlich schneebedeckt. Dies führte dazu, dass ich auf 1500 Metern, kurz vor dem Eingang des Parkes, eine Pause einlegen musste, um abzuchecken, ob eine Weiterfahrt überhaupt möglich ist. Da ich nun bereits mehr als 2 Stunden gefahren und die Einfahrt zum Park nur noch ca. 5 Minuten entfernt war, stellte sich diese Frage nur kurz, wozu gibt es schliesslich Winterreifen.

Wenig später war ich auch schon beim Eingang und bezahlte der netten Dame am Eingang die 30$ Eintrittsgebühr, als sie mir noch ein „could you please put your tire chains on“ mit auf den Weg gab. Mein verwirrter Blick verriet wohl zu viel, denn ohne zu zögern folgte ein: „Do you carry tire chains with you, Sir?“. Fünf Sekunden später hatte ich meine 30 Dollar wieder und befand mich auf dem Rückweg. Wie gesagt: Klugheit ist subjektiv. Aber auch der Philipp lernt immer gerne dazu.

Nach 2 Stunden hatte ich das Tal wieder erreicht. Dort erfuhr ich von Einheimischen, dass es über Nacht einen Schneesturm gegeben habe und darum die Zufahrt zum Park erschwert sei. Also kaufte ich mir ein Ticket für den Bus (mit Schneeketten), welcher mich in 90 Minuten wieder in den Nationalpark brachte. So konnte ich dieses Erlebnis mit vier Stunden Verspätung doch noch geniessen. Gelohnt hat es sich auf jeden Fall, es war traumhaft.

Am nächsten Tag stand dann mit dem Kings Canyon National Park der nächste Nationalpark auf dem Programm. Dieses Mal war ich auf eventuelle Planänderungen gefasst und tatsächlich, ab 1500 Metern fing es heftigst an zu schneien, so dass ich freiwillig umkehrte. Ich frage mich nur, ob die für diesen Schneefall Verantwortlichen eigentlich wissen, dass wir uns hier auf dem Breitengrad von Nordafrika befinden.

So wurde der heutige Mittwoch mehrheitlich im Auto verbracht, welches mich in mehr als 7 Stunden Fahrt bis nach Barstow, eine Stadt im Niemandsland, brachte. Von hier aus werde ich morgen einen kleinen Abstecher nach Nevada machen. Huh, spannend, wohin geht’s wohl?

Geplant ist aus Zeitgründen nur eine Nacht. Finanziell gesehen wohl auch die bestmögliche Entscheidung. Ich hoffe trotzdem, dass ich im nächsten Bericht nur positives (inkl. positiver Zahlen) berichten kann.