Seoul
7 12 2009Städte sind so eine Sache. Es gibt Leute, die meiden Städte beim Reisen wo’s nur geht, weil für sie jede Stadt irgendwie dasselbe bietet. Und dann gibt es noch die Stadtfanatiker, welche Städte als das Aufregendste überhaupt bezeichnen. Ich tendiere eher zur zweiten Gruppe. Insofern ist Seoul („The Soul of Asia“ => sehr ideenreicher Slogan, da hättet ihr gleich „You’re my heart, you’re my Seoul“ nehmen können…) für mich ein gutes Stopover-Ziel.
Seoul hat ca. 11 Millionen Einwohner, d.h. 1 1/2 Mal so viel wie die ganze Schweiz. Nimmt man die (hier allerdings grosszügig definierte) Metropolregion als Massstab ist Seoul/Sugowon mit ca. 25 Mio Einwohnern (=50% aller Südkoreaner) nach Tokyo-Yokohama und Mexiko-Stadt die drittgrösste Metropole der Welt.
Wenn man sich nicht zu schade ist, ein paar Kilometer zu Fuss zu gehen und man einigermassen Karten lesen kann (Gruss an Schär), lässt sich Downtown Seoul gut auf eigene Faust erkunden. Die meisten Sachen sind auch in einer für Westeuropäer verständlichen Schrift ausgeschildert und wenn man was mal nicht findet, sind die überaus höflichen Koreaner stets zur Stelle, um zu helfen. Meine Erkundungstour fand leider an einem Montag statt, dem Tag an dem viele Paläste und Museen geschlossen sind. Umso mehr Zeit konnte ich damit verbringen, das geschäftige Treiben am Myeong-dong-Markt zu beobachten. Interessant. Im Allgemeinen gefiel mir der Mix aus modernen Hoch-/Geschäftshäusern und altertümlichen Gässchen und Palästen sehr.
Nun musste ich auch endlich die koreanische Küche kennenlernen. Denn wie sagt doch ein chinesisches Sprichwort: „Niemand kann eine fremde Kultur verstehen, ohne ihre Speisen und Getränke gekostet zu haben.“
Gegessen wird hier tagsüber nebenbei an den Hunderten von Strassensnackständen. Aus all den interessanten Dingen, von denen ich keine Ahnung hatte, was es genau war, entschied ich mich für „Spiessli“, welche es für 40 Rappen das Stück gab. Diese Spiessli werden direkt aus dem kochend heissen Wasser gezogen, mit einem Behälter, welcher der Coiffeur normalerweise zum Haare feucht machen benützt (jaja, weiss ich nicht aus eigener Erfahrung, ist ja gut), abgesprüht und dann vom Spiess gegessen. Schlecht war es nicht, einzig der Geschmack im Mund hielt meines Erachtens ein bisschen gar lange an. Später fand ich heraus, dass ich Eomuk gegessen hatte. Ein irgendwas aus Fisch, bespritzt mit Sojasauce. Koreanisch halt.
Zum Abendessen ging es in ein koreanisches Lokal, ich bestellte mir „Marinated Chicken Galbi with Rice“, da konnte nicht viel schief gehen. Dann wurde es interessant. In Korea essen alle Leute am Tisch gemeinsam aus einer grossen Schüssel/Pfanne. Im Restaurant wird das Essen direkt vor den Augen der Gäste in dieser Pfanne zubereitet. Man kann sich also ein Gericht auswählen und es wird die Menge entsprechend den Personen am Tisch zubereitet. So stand da der Koch an meinem Tisch und bereitete mir mein Galbi (whatever) zu. Die Portion war riesig, es war extrem fein und ausserordentlich scharf. Das Vorspeisenbüffet dazu war gratis und durfte beliebig oft beansprucht werden. Für dieses Gericht „musste“ ich an der Kasse umgerechnet ganze vier Franken bezahlen, inkl. Wasser. Ich kenne jemanden, der jetzt noch am Vorspeisenbüffet wäre, um sich am Abend die Seele aus dem Leibe… naja, lassen wir das.
Fazit: Im Gegensatz zu der Abzocke hier im Hotelrestaurant (Bsp.: eine Portion Corn Flakes zum Frühstück umgerechnet 12 Franken, eine Früchteplatte zum Dessert knapp 35 Franken, *****-Style halt), kann man sich in Seoul sehr preiswert und dennoch gut verpflegen. Da die Portion des Guten doch zu viel war, selbst für mich als geübten Rütli-Maxi-Cordonbleu-Esser, liege ich jetzt mit übervollem Magen im Bett und hoffe, dass sich meine Verdauung wieder normalisiert.
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