Éfaté

21 12 2009

Genau diesen klangvollen Namen besitzt die Insel, auf welcher ich mich seit Samstag befinde. Éfaté ist die Hauptinsel des Inselstaats Vanuatu. Dieser befindet sich zwischen den Fidschi-Inseln und Australien und besteht aus 83 Inseln auf welchen insgesamt ca. 200’000 Einwohner leben. Auch Vanuatu ist ein sogenanntes Viert-Welt-Land (die Analphabetismus-Rate beträgt fast 30%!), doch im Gegensatz zu Tuvalu ist hier, zumindest in der Hauptstadt Port Vila, Tourismus kein Fremdwort. Gemäss einer Studie britischer Forscher leben in Vanuatu ausserdem die glücklichsten Menschen weltweit; was erwartet man anderes von einer Nation,  deren Nationalhymne den Titel „Yumi, yumi, yumi“ trägt? Zudem hält Vanuatu den absoluten Rekord an Sprachvielfältigkeit. Die 200’000 Bewohner vereinen tatsächlich über 100 Sprachen auf sich. Also 1 Sprache pro knapp 2000 Bewohner. Absoluter Weltrekord.

Gestern Sonntag, einer dieser Tage, an denen ich bereits um 6 Uhr wieder hellwach war, entschloss ich mich dazu, die Insel in einem Mietauto zu umrunden. Éfaté ist in etwa doppelt so gross wie der Kanton Obwalden und die einzige Strasse, welche es ausserhalb der Hauptstadt Port Vila, wo ca. 80-90% der Bewohner Éfatés (45’000) leben,  gibt, führt in ca. 140 Kilometern rund um die Insel. Da ich alleine unterwegs war, wollte ich mir den kleinstmöglichen Wagen mieten, aber man machte mir klar, dass das Umrunden der Insel nur mit einem Jeep möglich sei. So bekam ich ein ziemliches Monster, aber da die Franzosen während der Französisch-Britischen Kolonialzeit den Ton auf den damaligen „Neuen Hebriden“ angaben, hat sich immerhin der Rechtsverkehr durchgesetzt (und die Französische Küche – yumi, yumi, yumi). So war kein Linksschalten nötig und ich sollte keine Probleme haben.

Kaum bei der Ausfahrt begannen die Probleme jedoch trotzdem. Als ich gleich nach dem Anfahren, in einer extremen Steigung, vom 1. in den 2. Gang schalten wollte, hatte ich bereits den Schaltknüppel in meiner Hand und anstatt den 2. Gang hatte ich den Leerlauf drin. Naja. Was die von der Vermietung sich wohl dabei gedacht haben, als sie sahen, wie ich davonfuhr? Auf jeden Fall tuckerte ich eine Weile im 1. Gang dahin, währenddem ich den Schaltknüppel wieder am richtigen Ort festmachte und der 2. Gang konnte während des ganzen Tages nie eingelegt werden. Nachdem ich erstmals den 3. Gang drin hatte, sollte dies das letzte Mal sein, dass ich die Gangschaltung betätigt habe. Der Schaltknüppel wurde beiseite gelegt und fortan wurde im 3. Gang gefahren. Immer. Auch beim Anfahren. Jawoll. 3. Gang war meiner. Dies war ziemlich lustig, insofern dass es ein paar Mal extreme Steigungen gab und ich unten auf Hochtouren beschleunigen musste, damit ich oben auf der Spitze noch genug Saft hatte. Viel zu sehen gab es ausserhalb der Hauptstadt nicht, das Abenteuer begann nach den ersten 60 Kilometern, auf denen die Strasse noch asphaltiert war (damit wurde erst dieses Jahr begonnen, wie ich später erfuhr). Nachher war fertig lustig. Ich fuhr auf der schlimmsten Strasse, welche ich je befahren hatte. Das Ziel bestand nicht darin, den Schlaglöchern auszuweichen, sondern lediglich darin, das kleinste aller Löcher zu treffen. Fortan bewegte ich mich mit einer Geschwindigkeit von 5-20 km/h (no Joke) fort und während ich die ersten 60 km in einer Stunde geschafft hatte, benötigte ich für die nächsten 40 km ca. 2 1/2 Stunden. Jetzt wusste ich wenigstens, für was ich diesen Jeep brauchte. Alsdann wurde es leicht besser und ich dankte dafür, war das Gerüttel doch nicht sehr angenehm. Mein Monsterjeep überstand das Ganze unbeschadet. Zu sehen gab es wie gesagt nicht viel, ausser ein paar lebensgefährlichen Strassenpassagen, so steil wie es sie in der Schweiz wohl nirgends gibt, und ein paar kleinen Dörfern. Und immer wieder Leute, die einem freundlichst zuwinkten, wenn man gerade vorbeiholperte. Die glücklichsten Menschen der Welt eben. Die 140 Kilometer hatte ich ziemlich schnell hinter mir, oftmals ausgestiegen bin ich dabei nicht, man muss aber auch sagen, dass es geregnet hat.

Heute war dann Shopping angesagt, paar Souvenirs und so. Dies artete soweit aus, dass ich morgen nicht mit 1 Rucksack und 1 Laptoptasche nach Australien reisen werde, sondern mit 2 Rucksäcken und 1 Laptoptasche. Ey, das Zeugs war wirklich günstig.

So wusste ich meine Tage in Vanuatu wenigstens sinnvoll zu nutzen. Morgen fliege ich nach Sydney, wo ich Päddy wieder treffen werde. Ich denke damit dürfte der kulturelle Teil meiner ersten Reise vorbei sein. Ok, wenn im Zoo eingesperrte Tiere als Kultur zählen, revidiere ich meine Aussage.