Bem-vindo em América do Sul
3 04 2010Meine letzten beiden Tage in den USA verbrachte ich unter anderem damit, die nächste Reise zu planen. Trotz einiger Bedenken in sprachlicher Hinsicht, entschloss ich mich, den südamerikanischen Kontinent in Angriff zu nehmen. Dabei interessieren mich einerseits die Städte Buenos Aires, Montevideo und Santiago de Chile, andererseits gibt es dort natürlich auch einige landschaftliche Schönheiten zu sehen.
Nach dem Vergleich unzähliger verschiedener Flugvarianten, entschied ich, die Reise im Süden Brasiliens zu beginnen und buchte einen Flug nach São Paulo. So heisst es anstatt „Bienvenido a Sudamérica“ halt „Bem-vindo em América do Sul“.
Eine Stadt, welche in meinem Travelguide als „berüchtigte Verbrecherhochburg“ mit viel Kriminalität, Verkehrsstaus und Luftverschmutzung bezeichnet wird, in der man häufig Opfer von Raubüberfällen wird, eine solche Stadt muss ja wirklich schön sein. Bereits beim Anflug über São Paulo sah ich in etwa die Ausmasse dieser Metropole. Die Stadt selbst ist grösser als der gesamte Kanton Luzern und mit über 11 Millionen Einwohnern leben dort ziemlich genau eineinhalbmal soviel Leute wie in der ganzen Schweiz. Somit ist São Paulo die weltweit bevölkerungsreichste Stadt ausserhalb Asiens.
Da es bei der Ankunft bereits dunkel, mein Gepäck plötzlich so unglaublich schwer und ich nach der 15stündigen Reise ziemlich müde war, buchte ich ein Taxi zu meiner im voraus gebuchten Unterkunft. Dieses kostete mehr als die drei Übernachtungen zusammen, so wusste ich zumindest, dass ich zurück zum Flughafen eine andere Variante wählen würde. In der Warteschlange war ich dann Nr. 65 und es dauerte nur knapp eine Stunde bis ich endlich ein Taxi besteigen durfte. Aufgrund fehlender Portugiesisch-Kenntnisse meinerseits war eine Kommunikation mit dem Fahrer sowieso nicht möglich und so schlug ich in meinem „Sprechführer“ (der heisst wirklich so) nach, was „Ich bin müde, ich werde jetzt schlafen“ heisst. Problem gelöst. Eine Stunde später war der Philipp wieder wach und wir waren noch immer nicht am Ziel. Zum Glück operieren die Flughafentaxis mit Fixpreisen…
Am nächsten Morgen war ich (wie üblich auf meinen Reisen) wieder zu der unmenschlichen Zeit von 6.30 Uhr wach und machte mich nach dem Frühstück gleich mal auf, um die Stadt zu erkunden. Mein Hostel lag sehr nahe bei der Metro, das heisst im Falle von São Paulo 15-20 Gehminuten. Bewegung ist ja bekanntlich gesund. Die von mir besuchten Plätze waren alle überfüllt mit Leuten (remember 11 Millionen) und so machte das Sightseeing nicht wirklich Spass. Hinzu kommt, dass São Paulo, im Gegensatz z.B. zu Rio de Janeiro, nicht wirklich viele touristische Attraktionen besitzt. So lernte ich die brasilianische Kultur halt kennen, wie es sich gehört – via „Futebol“ und dem ausgezeichneten Essen. Währenddessen ersteres mir eigentlich überhaupt keine Probleme bereitete, hatte ich mit den Speisekarten doch ein bisschen Mühe. Meist hab ich allerdings in etwa das erhalten, was ich erwartet habe, nur als anstatt der (mit meinen hervorragenden Portugiesisch-Kenntnissen übersetzten) „Schweinefleischspiessli an Knoblauchsauce“ eine Platte mit 16 Scheiben Chnobli-Brot (Familienpackung oder was?) serviert wurde, war ich ein wenig überrascht.
Sonntags waren die Strassen dann menschenleer, mit Ausnahme der Plätze, an denen die berühmten Märkte stattfanden. Unglaublich, wie sich die Leute dort durchwursteln und kein Wunder, dass es Taschendiebe hier so leicht haben. So hatte ich von den Strassenmärkten ziemlich bald genug gesehen und schlenderte per pedes ein bisschen durch die Stadt. Gewisse Ecken waren dabei sicherlich nicht für Touristen gedacht und die Armut war ziemlich gut sichtbar. Nicht jedermanns Sache. Um dies zu verdauen ging’s (richtig erraten) wieder zum „Futebol“.
São Paulo war für mich nur als „Tor nach Südamerika“ gedacht, deshalb ging es bereits am Montag Nachmittag weiter. Zuvor wollte ich allerdings doch noch das eine oder andere Highlight der Stadt sehen und ein paar Fotos knipsen. So ging ich früh raus und teilte die Metro mit den Pendlern. Diese Metro gehört wohl zu den effizientesten der Welt. Sie besteht zwar nur aus 3 Linien mit total 50 Stationen (ein Witz im Vergleich zu bekannten U-Bahn-Netzen wie London oder Paris), aber zu Stosszeiten verkehrt hier ca. alle 40 Sekunden ein Zug pro Richtung. Fantastisch!
So hatte ich in der Metro von São Paulo Montag morgens um acht mehr Platz als im Zug von meinem Wohn- zu meinem Arbeitsort jeweils zur selben Zeit. Mein Ziel an diesem Morgen war der „Edifício Itália“, ein 41stöckiges Gebäude mit Restaurant und Aussichtsterrasse im obersten Stock. Dort angekommen versuchte ich der Dame am Empfang irgendwie klarzumachen, dass ich ins Restaurant möchte, währenddem sie mir probierte zu erklären, dass das Restaurant erst um 12 Uhr öffne. Irgendwann verstanden wir uns. Ein wenig enttäuscht ging ich zurück zum Hostel und erkundigte mich als erstes, wo der Bus zum Flughafen fahren würde. Der Typ von der Reception erklärte mir den Weg. Als erstes zur Metro laufen, dann bis zum Busbahnhof fahren und von dort fährt ca. alle halbe Stunde ein Bus. Dieser benötigt drei Stunden zum Flughafen. Zeitcheck! Shit! 15 Minuten später sass ich im Taxi.
Mein „Plan“ sieht vor, dass ich noch einige Tage in Brasilien verbringen werde, bevor es dann in Richtung Argentinien geht. Dabei möchte ich in den nächsten Tagen zwei absolute Highlights von Südbrasilien besuchen. Man darf gespannt sein.
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