Buenos Aires
16 04 2010Vor acht Tagen habe ich Abschied von Brasilien genommen. Meine letzte Station im Land des Caipirinhas war jedoch nicht Curitiba, sondern Florianópolis. Die Stadt im Süden ist bekannt für ihre Strände, von denen es in der Region mehrere Dutzend gibt. Mein Aufenthalt am Praia Mole, dem bekanntesten Strand der Umgebung, dauerte vier Tage und eigentlich hätte ich es wissen müssen. Wie bereits in Australien war diese Zeit nämlich geprägt von schlechtem Wetter, schlechtem Wetter und schlechtem Wetter vermischt mit schlechtem Wetter (genau, für jeden Tag eins, gut gemerkt!). Philipp und Strandbesuch; es sollte wohl einfach nicht sein. Ein wenig enttäuscht machte ich mich dann letzten Mittwoch auf den Weg Richtung Buenos Aires. Als Verkehrsmittel wurde dabei das Flugzeug (5 Std.) dem Bus (25 Std.) vorgezogen.
Mit ziemlich genau drei Millionen Einwohnern ist B.A. die mit Abstand bevölkerungsreichste Stadt Argentiniens, jedoch „nur“ Nr. 6 in Südamerika. Ein Grund dafür ist, dass das Stadtgebiet im Vergleich zu anderen Städten flächenmässig ziemlich klein ist. (Buenos Aires hat ca. 1/8 der Fläche von São Paulo). Zählt man die Agglomerationsstädte hinzu ist die Hauptstadt Argentiniens die klare Nummer 2 in Südamerika hinter São Paulo. In der Umgebung leben ca. 13 Millionen Menschen, was in etwa 1/3 der ganzen argentinischen Bevölkerung entspricht! Dabei hätte es doch in diesem riesigen Land genügend Platz…
Seit mehr als einer Woche verweile ich nun also in dieser Stadt, deren Name die aktuelle Luftqualität sehr trügerisch wiedergibt. Der Aufenthalt wäre eigentlich einiges kürzer geplant gewesen, was ein Indiz dafür sein dürfte, dass es mir nicht so schlecht gefällt. Die ersten paar Tage standen vor allem im Zeichen des Fussballs. Buenos Aires ist wahrscheinlich weltweit DIE Fussball-Metropole schlechthin. In der Stadt selbst stehen neun Fussballstadien mit einer Kapazität für 30’000 Zuschauer oder mehr, sechs weitere in der Metropolregion (ausnahmsweise weise ich darauf hin, dass hier kein Anspruch auf Richtigkeit besteht, alles handgezählt). Wenn jemand eine andere solche Stadt kennt, kann er es mir gerne sagen (wenn möglich inklusive Flugverbindungen dorthin). Hinzu kommt, dass 15 der 20 Teams der höchsten argentinischen Liga aus Buenos Aires und Umgebung kommen. Da ein Spieltag hier jeweils auf 3-4 Tage aufgesplittet wird, ist die Möglichkeit gross, an einem Wochenende mehrere Spiele besuchen zu können. Dies tat ich dann auch. Die entsprechenden Berichte werden bald mal aufgeschaltet (natürlich einer nach dem anderen, ich möchte ja niemanden überfordern).
Selbstverständlich gibt es in der „Stadt, die niemals schläft“ (ein Übername, welcher auch von New York und Las Vegas gebraucht wird => abgenutzt) auch noch einiges anderes zu sehen und zu erleben. Um genauer zu sein: nicht nur einiges, sondern vieles. Bekannt ist Argentinien unter anderem für den Tango. So liess ich es mir nicht nehmen, einige Tangoshows anzuschauen. I am sorry, Gabriela, aber für Tangolektionen hat’s dann doch nicht gereicht. Diese Shows waren ganz nett, aber dann doch ein wenig zu touristisch. Die „Verpackung“ hätte genauso gut von einem Animationsteam eines Hotels an einem der Mittelmeerstrände stammen können (where are you from? ooooh, Switzerland, give a round of applause for Switzerland, blabla). Ok, die Rindssteaks, die es dazu gab, waren wohl von leicht besserer Qualität. Zack, der Bogen (nicht die Bohne) zum nächsten Hauptthema der letzten Tage wäre gespannt: ESSEN!! Mal ehrlich? Die einst so geschätzten Rütli-Cordon-Bleus haben knapp die Grösse dessen, was hier ein Mini-Steak genannt wird; und ich meine die grössere Variante der Bleus. Diese Leckereien sind zudem nicht nur von bester Qualität, sondern auch noch spottbillig. Man bedenke, dass meine Unterkunft im touristischen Zentrum der Stadt liegt, und ich nicht unbedingt dazu neige, mich mehr als nötig zu bewegen. Gut kombiniert ergibt das, dass ich eher in der teureren Region esse. Selbst hier schlägt ein Steak (und dieses Mal spreche ich von der grossen Variante = über 500 Gramm) lediglich mit umgerechnet 10 Franken zu Buche. Fantastisch! Allgemein gilt es zu sagen, dass das Leben (demzufolge natürlich auch die Löhne der Einheimischen, das ist mir schon bewusst) in Argentinien billiger ist als in Brasilien, und somit natürlich wesentlich billiger als in der Schweiz. Mit der berühmten HG*π-Methode würde ich behaupten, dass hier im Vergleich zur Schweiz grundsätzlich alles ca. 1/3 kostet. Dies ist natürlich sehr verallgemeinert, trifft jedoch ziemlich genau auf Essen und Getränke zu. Den Rest kann ich nicht wirklich beurteilen. Ok, eine Fahrt mit der U-Bahn kostet ca. 30 Rappen, ein Kilometer Taxifahrt das Doppelte. Brauche wohl nicht zu erwähnen, welches mein liebstes Fortbewegungsmittel war… 🙂
Die ersten Tage habe ich mich also eher dem Fussball und dem Essen gewidmet. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt wurden dabei jeweils per Zufall entdeckt. Eigentlich der viel schönere Weg eine Stadt zu erkunden, als mit dem Reiseguide in der Hand von Must-See zu Must-See zu hetzen. Diese Hetzerei wäre in Buenos Aires wohl besonders anstrengend. Es gibt so viele schöne, bedeutende und historische (ja, ich hab mich tatsächlich in die Geschichte Argentiniens eingelesen, zumindest Basics) Gebäude in dieser Stadt, dass ich wohl mindestens die Hälfte verpasst habe. Da ich am Dienstag, als ich eigentlich meine Reise in Richtung Uruguay fortsetzen wollte, noch lange nicht alles gesehen hatte, entschloss ich mich, einen weiteren (fussballfreien) Tag anzuhängen. Nicht, dass jetzt jemand denkt, dass keine Spiele stattgefunden hätten, aber bisschen Vernunft muss auch sein. Anstatt dessen wollte ich meine Joggingschuhe schnüren, um die Rindssteaks wieder vergessen zu machen. Zu viel Vernunft? Als ich dann mittwochmorgens erwachte, sah ich das Unglaubliche! Es regnete! Eine Woche lang war schönstes Wetter, mit bis zu 27 Grad und ausgerechnet an meinem Jogging-Tag regnet es? Ich suchte das Waterproof-Zeichen auf meinen Schuhen. Vergebens. So war es natürlich viel zu gefährlich (Rutschgefahr!) und ich liess das mit dem Jogging sein.
Leider musste ich auch feststellen, dass eine Stadtbesichtigung bei Dauerregen nicht so das Wahre ist und das Sightseeing wurde um einen Tag verschoben. Da in Buenos Aires leider kein Te Papa vorhanden ist (und 97 von 100 Lesern werden sich nun fragen: „Was meint er mit Te Papa?“), ging ich ins grösste Shopping-Center der Stadt. Die Preise dort waren jedoch gesalzener als das ungeniessbare Brot zum Frühstück und die Menge eingekaufter Ware war gleich Null. Sämtliche gesehenen Markenkleider waren teurer als in den USA. Übel.
Heute Donnerstag dann meteotechnisch wieder das gleiche Bild. Das Thermometer zeigte zudem angenehme 12 Grad als das Haus verlassen wurde; zusammen mit dem Regen eine wunderbare Kombination. Im Verlaufe des Tages wurde es dann ein wenig besser und so konnte ich doch noch ein wenig die Parks, von denen es hier ziemlich viele gibt, geniessen. Mit dem Recoleta-Friedhof wurde zum Abschluss noch eines der grössten Highlights besucht. Obwohl mir ein Friedhof als Highlight einer Stadt zuerst doch ein wenig makaber erschien, muss ich zugeben, dass ich ziemlich beeindruckt war.
Morgen geht es nun endgültig weiter nach Uruguay. Geplant ist zuerst ein Besuch des kleinen Städtchens Colonia del Sacramento. Danach geht’s weiter in die Hauptstadt Montevideo, wo ich bis mindestens montags bleiben werde. Was danach geschieht, ist noch offen. Das Erdbeben in Chile vor nicht allzu langer Zeit hat meinen nicht vorhandenen Reiseplan ziemlich durcheinander gewirbelt. Tönt komisch, ist aber so. Vielleicht werde ich das bei meinem nächsten Blogeintrag erklären, eventuell aber auch nicht. Nur wer wieder reinschaut, wird es je erfahren… 😉
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